09. März 2026, 14:07 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Städtischer Empfang der Oberbürgermeisterin Andrea Henze und der Gleichstellungsstelle anlässlich des internationalen Frauentags. Bildrechte: Gerd Kaemper
Rund 180 Gäste haben sich am vergangenen Freitag (6. März) im Musiktheater zusammengefunden, um den städtischen Empfang der Oberbürgermeisterin Andrea Henze und der Gleichstellungsstelle anlässlich des internationalen Frauentags zu begehen. In diesem Jahr lud Andrea Henze zum ersten Mal ein und hat dies mit einem Highlight verbunden: Sie nutzte Gelegenheit und Raum, um anderen Frauen eine Bühne zu bieten, die sich in Gelsenkirchen für die Stadtgesellschaft engagieren: Der erste Gelsenkirchener Gleichstellungspreis wurde verliehen.
Motto „Frauen sichtbar machen“
Der Abend stand unter dem Motto „Frauen sichtbar machen“ und thematisierte Präsenz von Frauen in Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft sowie die Sichtbarkeit von kritischen Themen wie beispielsweise patriarchalische Gewaltstrukturen. In diesem Zusammenhang wurden die Gäste zu einer Schweigeminute anlässlich der Femizidopfer des letzten Jahres gebeten.
Mit einer zweiten Oberbürgermeisterin in Folge an der Stadtspitze ist ein wichtiges Signal für Sichtbarkeit gesetzt – doch einen großen Teil des wertvollen Engagements leisten Frauen noch immer im Verborgenen. Dieses Engagement wollte der Empfang würdigen und ins Licht der Öffentlichkeit rücken.
Gewinnerin des Jugendschreibwettbewerbs „Homestory“ - Akua Addo Ofori Aponsah
Sichtbar im Rahmen des Bühnenprogramms wurde an diesem Abend auch ein junges Sprachtalent: Akua Addo Ofori Aponsah. 2025 hat sie beim Jugendschreibwettbewerb “Homestory“ des Kulturamtes mit ihrem Beitrag „Gelsenkirchen, Gelsenkirchen“ den ersten Platz belegt. Eine herausragende Leistung, insbesondere, wenn man bedenkt, dass sie nach ihrem Zuzug aus Ghana zunächst eine IFÖ-Klasse besuchte und erst mit neun Jahren angefangen hat, die deutsche Sprache zu erlernen.
Gelsenkirchener Gleichstellungspreis
Erstmals wurde an diesem Abend der Gelsenkirchener Gleichstellungspreis „Femmetastisch“ verliehen. Die Stadtgesellschaft war zuvor aufgerufen, Frauen und Mädchen zu benennen, die für ihr gesellschaftliches Engagement besonders gewürdigt werden sollen. Siebzehn beeindruckende Vorschläge machten der Jury ihre Aufgabe nicht leicht. Dr. Wahiba El-Khechen, Professorin für Psychologie und Interkulturelle Kompetenz an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW und Frauencoachin, würdigte die Preisträgerinnen in ihrer Laudatio und betonte, dass Erfolg auch von der Sichtbarkeit im öffentlichen oder digitalen Raum abhängig sein kann.
Erster Preis - Melahat Tonyali
Den ersten Preis erhielt Melahat Tonyali. Bereits 2009 gründete sie gemeinsam mit anderen Migrantinnen eine der ersten Migrantinnen-Selbstorganisationen vor Ort und legte damit den Grundstein für eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Mit dem 2021 gestarteten Programm „Frauen stark GEmacht!“ setzte sie – mitten in der Corona-Pandemie – ein kraftvolles Zeichen für gesellschaftliche Teilhabe und Selbststärkung von Frauen mit Zuwanderungsgeschichte. Besonders im Kontext von Flucht und der russischen Invasion der Ukraine ist das Angebot mit Gruppenformaten, Exkursionen und Kinderbetreuung eine wichtige Stütze für viele Frauen, insbesondere Alleinerziehenden. Melahat Tonyali bringt das auf die knappe Formel: „Starke Frauen, starke Kinder“. Darüber hinaus engagiert sie sich in Lern-, Kreativ- und Bewegungsangeboten für Kinder mit Zuwanderungs- und Fluchterfahrung. All dies tut sie ehrenamtlich – mit großem persönlichen Einsatz und beeindruckender Bescheidenheit. Fragt man Melahat Tonyali, wieviel sie durch ihr Engagement verdient, antwortet sie: „Ich bin reich!“. Ihr Wirken steht für interkulturelle Offenheit, gelebte Gleichstellung und die feste Überzeugung, dass Ehrenamt eine Haltung ist, die Hoffnung schenkt, Brücken baut und Zukunftsperspektiven eröffnet.
Zweiter Preis - Alma Gildenast
Der zweite Preis ging an Alma Gildenast für ihr herausragendes Engagement an der Schnittstelle von Kunst, Psychologie und Jugendbeteiligung. Mit innovativen, partizipativen Projekten eröffnet sie jungen Menschen Räume, in denen sie ihre Ideen einbringen, kreativ gestalten und ihre eigene Selbstwirksamkeit erfahren können. Sie schaffe einen Rahmen, den Rest machen die Jugendlichen, so Gildenast auf die Frage, wo sie die Inspiration für ihre innovativen Ideen hat. „Ich möchte anderen eine Bühne bieten, so wir auch mir eine Bühne geboten worden ist“. Unter inspirierenden Überschriften wie „Stadion der Träume“ oder „Roter Teppich grüner Rasen“ entwickelt sie Projekte, die weit über reine Kreativangebote hinaus gehen. Sie fördern Persönlichkeitsentwicklung, Teamfähigkeit und gesellschaftliche Teilhabe. Einen besonderen Schwerpunkt legt Alma Gildenast auf die gezielte Förderung von Mädchen. Sie schafft für Mädchen geschützte Räume zur Entfaltung und unterstützt sie in ihrer individuellen Entwicklung. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zu mehr Chancengerechtigkeit und Geschlechtergerechtigkeit im kulturellen und sozialen Bereich. Ihr Engagement zeigt eindrucksvoll, wie Kunst zum Motor für Selbstvertrauen, Beteiligung und gesellschaftliche Mitgestaltung werden kann.
Dritter Preis - Karen Modersohn-Kluth
Karen Modersohn-Kluth wurde als dritte Preisträgerin für ihr jahrzehntelanges, außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement in Gelsenkirchen ausgezeichnet. Unablässig setzt sie sich für humanitäre Hilfe, Inklusion, Integration und Stadtteilarbeit ein und prägt insbesondere den Stadtteil Schalke nachhaltig. Ihr Engagement erfolgt überwiegend ehrenamtlich – unter anderem im Verein „Raduga Chernobyl Hilfe“, im Freundeskreis Schloss Stolzenfelz e. V., der Stadtteilinitiative „Schalke blüht auf“ und im Generationennetz Gelsenkirchen. Dabei schlägt sie Brücken zwischen professioneller Kompetenz und bürgerschaftlichem Engagement. „Immer, wenn jemand pfeift und sagt: ‚Hey, wir brauchen Hilfe!‘ oder ‚Hast Du eine Idee?‘, dann bin ich schnell dabei“, erklärt Karen Moderson-Kluth ihr vielfältiges Engagement. Kürzlich stieß sie das Projekt „Bühne der Vielfalt“ an, das Künstlerinnen und Künstler mit Behinderung in den Mittelpunkt stellt. Karen Modersohn-Kluth verkörpert gelebte Solidarität und schafft tragfähige Strukturen, die weit über einzelne Projekte hinaus wirken. Ihre Projekte stehen beispielhaft für die Anliegen des Internationalen Frauentags: Frauen sichtbar zu machen, die Verantwortung übernehmen, gesellschaftliche Teilhabe stärken und mit Kompetenz, sozialer Sensibilität und Beharrlichkeit die Gesellschaft verändern.
Musikalische Beiträge von Harfenistin Zem
Ein emotionaler Abend, welcher von musikalischen Beiträgen der Harfenistin Zem umrahmt wurde. „Eine Fortsetzung der Preisverleihung wird es zum nächsten Frauentag geben, denn wir haben in Gelsenkirchen unfassbar viele „femmetastische“ Frauen, die unsere Stadt nachhaltig bereichern und die einfach gesehen werden müssen“, verspricht die Gleichstellungsbeauftragte Asmaa El Makhoukhi.
Kontakt:
Gleichstellungsstelle der Stadt Gelsenkirchen
Asmaa El Makhoukhi-Mekkaoui
Telefon: (0209) 169-2747
E-Mail: gleichstellungsstelle@gelsenkirchen.de
www.gelsenkirchen.de/frauentag
www.gelsenkirchen.de/femmetastisch