07. November 2016, 11:07 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
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GE. Die Demokratische Initiative gegen Diskriminierung und Gewalt, für Menschenrechte und Demokratie - Gelsenkirchen ruft am 9. November - dem Tag der Reichspogromnacht von 1938 - zu einer Demonstration und Kundgebung auf, um der Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung an diesem Tag zu gedenken.
Die Veranstaltung beginnt um 18:30 Uhr an der Neuen Synagoge (Georgstraße/Gildenstraße) mit einer Begrüßung durch Oberbürgermeister Frank Baranowski und dem anschließenden Schweigezug zum Kleinen Haus des Musiktheaters im Revier (Willi-Müller-Platz). Um 19:15 Uhr beginnt dort die Kundgebung mit einer Rede des Generalintendaten des Musiktheater im Revier, Michael Schulz, unter dem Motto "Freiheit leben - Furch besiegen - Frieden wahren".
Es folgt ein Gebet zum Gedenken an die ermordeten Juden im Dritten Reich „El Male Rachamim“ und das Gebet der Trauernden „ Kaddisch“. Daran schließt sich eine Rede des Generalintendanten des Musiktheaters, Michael Schulz an, die das Thema „Freiheit leben • Furcht besiegen • Frieden wahren“ behandelt.
Vor dem traditionellen Abschluss, dem Moorsoldatenlied, gibt es einen Musikbeitrag von Almuth Herbst (Mezzosopran).
Im Anschluss besteht im Kleinen Haus die Möglichkeit für Gespräche.
Die Demokratische Initiative gegen Diskriminierung und Gewalt, für Menschenrechte und Demokratie - Gelsenkirchen ruft alle Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener auf: „Beziehen Sie mit Ihrer Teilnahme an Demonstration und Kundgebung Stellung!
Für Respekt, Toleranz und Zivilcourage - gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit: Seit 1964 gedenken Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener am 9. November der Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung im Jahr 1938. Nach zahlreichen antisemitischen Maßnahmen waren die Novemberpogrome in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, die zynisch "Reichskristallnacht" genannt wurden, ein Schlüsselereignis der Gewalt- und Verbrechensgeschichte des Nationalsozialismus.
Die Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung und auch anderen Menschengruppen sowie schließlich der als Vernichtungskrieg geführte Zweite Weltkrieg wurden in einer Gesellschaft möglich, die durch extremen Nationalismus, Rassismus, antidemokratisches Denken und Kriegsverherrlichung geprägt war.
Der verbrecherische Charakter des Nationalsozialismus, der exemplarisch an den Ereignissen der sogenannten Reichskristallnacht deutlich wird, verpflichtet uns, nicht nur zu erinnern, sondern auch in der Gegenwart wachsam zu bleiben und gegen Diskriminierung und Gewalt und für Menschenrechte und Demokratie einzutreten. Angesichts der aktuellen Entwicklungen bei Rechtspopulisten und Rechtsextremen, die ausgrenzen und hetzen, müssen wir entschlossen demokratische Werte und Regeln unseres Zusammenlebens verteidigen. Der Fremdenfeindlichkeit, neuem und altem Rassismus, übersteigertem Nationalismus, neuem völkischen Denken und Gewaltverherrlichung folgen inzwischen auch konkrete Taten gegen Menschen und Sachen.
Das Gelsenkirchener Musiktheater ist dagegen auf seine Art ein Spiegelbild unserer Stadt, in der bei allen Schwierigkeiten und Konflikten des Alltags Menschen unterschiedlicher Kulturen friedlich zusammen leben und arbeiten. Das Musiktheater im Revier, das sich mit seinen kulturellen Angeboten an die Gelsenkirchener Bevölkerung richtet, hat in der Vergangenheit immer wieder öffentlichkeitswirksam die Werte eines demokratischen und friedlichen Zusammenlebens herausgestellt. Derzeit ist am Musiktheater zu lesen: "Freiheit leben • Furcht besiegen • Frieden wahren". Vor diesem Hintergrund wird die diesjährige Demonstration zum 78. Jahrestag der Verbrechen der sogenannten Reichskristallnacht die Neue Synagoge am Platz der alten Synagoge mit dem Musiktheater als Ort kultureller Vielfalt miteinander verbinden und damit erinnern, gedenken und sich in der Gegenwart positionieren.
Die Demokratische Initiative ruft einmal mehr alle Bürgerinnen, Bürger und Gäste Gelsenkirchens auf, jeder Form von Extremismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt entschieden entgegenzutreten. Wachsamkeit, Nachbarschaftshilfe, Mut, Zivilcourage und Engagement im Alltag finden unsere Unterstützung. Demokratie muss täglich gelebt werden, Erinnerung ist ein wichtiger Teil davon.