Gelsenkirchen und Wolfsburg waren besondere „Wirtschaftswunder“- Städte. In der Nachkriegszeit versuchten beide Industriestädte sich kulturpolitisch zu emanzipieren: von der eigenen NS-Vergangenheit, von den traditionsreicheren Nachbarstädten und von der Macht der lokalen Unternehmen. Dabei sollten groß angelegte und innovative Kulturprojekte identitätsstiftend wirken, bauliche wie ideelle Leerstellen ausfüllen und integrative, bisweilen auch „volkserzieherische“ Kraft entfalten. Die durchaus experimentierfreudigen kulturpolitischen Suchbewegungen im kommunalen Raum offenbaren im bundesrepublikanischen Kontext einen doppelten Vorsprung: Sowohl im Bereich der kulturpolitischen Programmatik als auch bei der Zuwendung zur kontrovers diskutierten zeitgenössischen Kunst waren beide Industriestädte ihrer Zeit voraus – wenn auch nicht ohne deutliche Ambivalenzen. Über die Bedeutung kommunaler Kulturpolitik in der konfliktbehafteten demokratischen Findungsphase nach 1945 berichtet Fabian Köster auf Grundlage seiner
soeben erschienenen Dissertation.
Dr. Fabian Köster ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am HygieneInstitut des Ruhrgebiets in Gelsenkirchen.
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