Kino, 16. April 2026, 19:00 Uhr, Kulturraum „die flora“
Filmplakat. Bildrechte: Salzgeber
"Mit Love Me Tender zeigt der Kulturraum "die flora" im April ein intensives, fein erzähltes Filmdrama, das zentrale Fragen unserer Gegenwart berührt: Wie frei darf ein Mensch sein – besonders dann, wenn er Mutter ist? Und welche gesellschaftlichen Erwartungen greifen, wenn persönliche Lebensentwürfe von Normen abweichen?
Im Mittelpunkt des Films steht Clémence, eine Frau Anfang vierzig, die nach der Trennung von ihrem Mann versucht, ihr Leben neu auszurichten. Sie hat ihren Beruf als Anwältin aufgegeben, lebt in Paris, schreibt an einem Roman und beginnt, ihre Gefühle für Frauen zuzulassen. Was zunächst wie ein stiller, persönlicher Emanzipationsprozess wirkt, entwickelt sich rasch zu einem existenziellen Konflikt: Als ihr Ex-Mann von Clémences neuem Lebensstil erfährt, entzieht er ihr den Kontakt zum gemeinsamen Sohn und strebt das alleinige Sorgerecht an. Es beginnt ein erbitterter juristischer und emotionaler Kampf, in dem nicht nur das Verhältnis zwischen Eltern und Kind, sondern auch gesellschaftliche Bilder von Mutterschaft, Moral und Normalität verhandelt werden.
Love Me Tender basiert auf dem autobiografisch geprägten Roman von Constance Debré und wird von Regisseurin Anna Cazenave Cambet mit großer Zurückhaltung und Präzision inszeniert. Der Film verzichtet auf laute Dramatisierungen und setzt stattdessen auf leise, konzentrierte Bilder, die Clémences innere Zerrissenheit spürbar machen. Ihre Suche nach Selbstbestimmung kollidiert immer wieder mit äußeren Erwartungen: dem Bild der „verantwortungsvollen Mutter“, der gesellschaftlichen Bewertung weiblicher Sexualität und der Frage, wie viel Freiheit Frauen – insbesondere Müttern – tatsächlich zugestanden wird.
Getragen wird der Film von einer eindrucksvollen schauspielerischen Leistung von Vicky Krieps, die Clémence mit großer Sensibilität, Verletzlichkeit und innerer Stärke verkörpert. Ihr Spiel macht die Ambivalenz der Figur greifbar: den Wunsch nach Unabhängigkeit ebenso wie die tiefe Verbundenheit zu ihrem Sohn. Gerade diese Spannung verleiht dem Film seine emotionale Kraft und lädt das Publikum dazu ein, eigene Haltungen zu hinterfragen.
Mit der Präsentation von Love Me Tender als Film des Monats April setzt der Kulturraum "die flora" bewusst ein programmatisches Zeichen. Der Film fügt sich in das Profil der flora als Ort für gesellschaftlich relevante, diskursive und zeitgenössische Kulturformate ein. Themen wie queere Lebensrealitäten, Geschlechterrollen, Selbstbestimmung und strukturelle Ungleichheiten werden hier nicht plakativ verhandelt, sondern in einer künstlerisch anspruchsvollen Form zur Diskussion gestellt.
Der April-Film lädt das Publikum dazu ein, sich auf eine konzentrierte, eindringliche Erzählung einzulassen und im gemeinsamen Kinoraum über Fragen von Freiheit, Verantwortung und gesellschaftlichen Normen ins Gespräch zu kommen. Love Me Tender ist damit nicht nur ein bewegendes Filmerlebnis, sondern auch ein Beitrag zu einer offenen, reflektierten Stadtkultur – ganz im Sinne des Kulturraums "die flora".
Eintritt 5,00 €, ermäßigt 3,00 €