12. Oktober 2026, 15:47 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Mit der jetzt veröffentlichten Handreichung werden die Erfahrungen aus Ückendorf über Gelsenkirchen hinaus nutzbar. Bildrechte: Stadt Gelsenkirchen
Was brauchen Kinder, um ihre Talente entwickeln zu können – unabhängig davon, wie viel Geld ihre Familie hat oder welche Möglichkeiten ihnen außerhalb der Schule offenstehen? Vier Jahre lang hat sich das von der RAG-Stiftung geförderte Projekt „ZUSi geht in die Grundschule!“ an drei Grundschulen in Gelsenkirchen-Ückendorf genau mit dieser Frage beschäftigt. Jetzt liegen die Erfahrungen und wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Handreichung „Armutssensibles Handeln an Grundschulen“ vor.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse: Armutssensibilität beginnt nicht beim Defizit, sondern bei den Möglichkeiten eines Kindes. Wer Teilhabe ermöglichen will, muss deshalb auch danach fragen, welche Erfahrungen und Zugänge Kindern aufgrund ihrer Lebenssituation möglicherweise fehlen.
Genau dort setzte ZUSi an. Kostenfreie Lern-, Kultur- und Sportangebote, Sprachförderung, Mittags- und Hausaufgabenbetreuung sowie die armutssensible Begleitung von Übergängen schufen zusätzliche Erfahrungsräume. Im Mittelpunkt standen die Stärken und Talente der Kinder und die Frage, wie diese entdeckt und weiterentwickelt werden können.
Dabei zeigte sich auch: Gute Förderung braucht multiprofessionelle Zusammenarbeit. Schule, Jugendhilfe, Schulsozialarbeit, Eltern und Partner im Sozialraum müssen Kinder gemeinsam in den Blick nehmen. Armutssensibles Handeln ist damit keine einzelne Maßnahme, sondern eine Haltung, die sich im Alltag einer Schule wiederfinden muss.
Das Modellprojekt wurde von 2021 bis 2025 gemeinsam mit der RAG-Stiftung, der Stadt Gelsenkirchen und den beteiligten Grundschulen sowie dem Caritasverband für die Stadt Gelsenkirchen e. V., dem AWO Unterbezirk Gelsenkirchen/Bottrop und dem Evangelischen Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid umgesetzt. Wissenschaftlich begleitet wurde es durch das Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V. (ISS).
Mit der jetzt veröffentlichten Handreichung werden die Erfahrungen aus Ückendorf über Gelsenkirchen hinaus nutzbar. Sie zeigt praxisnah, an welchen Stellen Schulen und Kommunen ansetzen können, um Barrieren abzubauen und Bildungs- und Teilhabechancen von Kindern in Armutslagen zu verbessern.
Vier Jahre ZUSi zeigen dabei vor allem eines: Entscheidend ist nicht, was einem Kind fehlt – sondern was es braucht, damit seine Stärken sichtbar werden und es seine Möglichkeiten nutzen kann.
„Vier Jahre ZUSi haben viel bewegt – fertig sind wir damit aber nicht. Armutssensibles Handeln ist ein Marathon und kein Sprint. Wir wollen deshalb darauf schauen, was gut funktioniert hat, gemeinsam weiterlernen und überlegen, was wir im Alltag noch besser machen können“, sagt Björn Rosigkeit, Leiter des Jugendamtes der Stadt Gelsenkirchen.
Am 29. September hat sich das gesamte Jugendamt gemeinsam mit dem Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V. (ISS) in einem Workshop mit armutssensiblem Handeln auseinandergesetzt. Damit wirken die Erkenntnisse aus „ZUSi geht in die Grundschule!“ auch über die Projektlaufzeit hinaus weiter und fließen in die weitere Arbeit des Jugendamtes ein.