09. Oktober 2026, 13:36 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
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Nach 106 Tagen ist die Manifesta 16 Ruhr am 4. Oktober zu Ende gegangen – und hat die Erwartungen der Veranstalter deutlich übertroffen: Rund 100.000 Besucherinnen und Besucher aus dem In- und Ausland waren vorab geschätzt worden, letztendlich kamen in den 15 Wochen sogar 185.855 Besucher zu den zwölf Hauptstandorten der Biennale im Revier, ein Drittel (61.560) davon besuchten die vier Gelsenkirchener Standorte der Manifesta 16.
In Gelsenkirchen wurden gleich vier außer Dienst gestellte Kirchen zu Dreh- und Angelpunkten für die Kunstprojekte: Die Thomaskirche im Berger Feld, St. Bonifatius in Erle, St. Anna in Schalke-Nord und St. Josef in Ückendorf. An letzterem Standort hatte das Manifesta-Team auch sein Hauptquartier für die Manifesta16 Ruhr eingerichtet, noch bis Ende des Jahres finden dort die Nacharbeiten zur Manifesta 16 Ruhr statt.
Drei der hiesigen Kirchen wurden von dem Kunsthistoriker und Kurator Gürsoy Doğtaş als „Creative Mediator“ mit unterschiedlichen Teams von Kunstschaffenden bespielt. Gemeinsam verwandelten sie die Kirche St. Anna in Schalke Nord in die „Hatay Engin Musikhalle“, benannt nach dem türkischstämmigen Musiker und Entertainer Hatay Engin. In St. Bonifatius in Erle stand derweil das Thema Essen als Kulturgut im Mittelpunkt – hier konnten Besucherinnen und Besucher auch Tee aus den frisch angebauten Kräutern im Außenbereich im „Ferdane Satır Teegarten“ genießen. Die Thomaskirche im Berger Feld sorgte derweil mit Vogelstimmen, einer eigenen Weberei und mit Erinnerungsstücken von Zugewanderten für neue Impulse im Stadtteil.
Wie man alte Kirchengebäude neu denken kann, lotete der katalanische Architekt und Stadtplaner Josep Bohigas aus, indem er gemeinsam mit dem spanischen Kunstkollektiv Penique Productions den Kircheninnenraum der Kirche St. Josef in Ückendorf in eine ikonische Innenraumskulptur verwandelte: Strandgefühl inklusive. Schon im Vorfeld des Manifesta-Ausstellungszeitraums hatte der Gelsenkirchener Verein Social Ballerz das Kirchenschiff alternativ genutzt – als Basketball-Court für Kinder und Jugendliche aus der Nachbarschaft. Ein kostenloses und niederschwelliges Angebot, das rege genutzt wurde.
Die Besucherinnen und Besucher hatten in Gelsenkirchen während der Manifesta-Wochen vom 21. Juni bis zum 4. Oktober derweil klare Favoriten: 23.157 besuchten den Teegarten und die Ausstellung in St. Bonifatius, 17.264 ließen sich vom blauen Innenraum der Kirche St. Josef in Ückendorf verzaubern, in der Thomaskirche schauten 10.966 vorbei, knapp gefolgt von St. Anna – diesen Standort besuchten 9.017 Menschen zu Biennale-Zeiten. Übrigens nutzen 1.156 Besucherinnen und Besucher ihren Manifesta-Besuch in Gelsenkirchen auch, um sich die monumentalen Yves-Klein-Werke im Musiktheater im Revier anzuschauen.
Zu einem großen Überraschungserfolg wurde zudem das Manifesta16+ Programm in Gelsenkirchen: Für das Projekt „Sing our Songs!“ brachte das Kunstmuseum Gelsenkirchen in Kooperation mit dem Musiktheater im Revier und der katholischen Kirchengemeinde St. Urbanus in der ehemaligen Klosterkirche St. Mariä Himmelfahrt Lieder von Streikaktionen und Arbeitskämpfen in den Kirchenraum.
Einige eigens in Auftrag gegebene Kunstwerke und Projekte der Manifesta 16 Ruhr sollen über die Biennale hinaus an ihren Standorten verbleiben oder fortgeführt werden. Weitere Arbeiten werden von Museen und lokalen Institutionen erworben oder ihnen geschenkt. Der „Ferdane Satır Teegarten“ an St. Bonifatius in Gelsenkirchen soll als Teil des IGA-Zukunftsgartens im Nordsternpark weitergeführt werden.
Die Manifesta 16 wollte zudem einen Prozess anstoßen, um auch künftig mögliche Umnutzungen von Kirchen stärker in die öffentliche und politische Diskussion zu bringen. Der Regionalverband Ruhr (RVR) wird die Arbeit gemeinsam mit kirchlichen Organisationen fortführen und in den kommenden Jahren einen politischen und strategischen Rahmen für den Umgang mit den Kirchengebäuden entwickeln – dafür wurde beim RVR eine neue halbe Stelle eingerichtet. Und Hedwig Fijen, die Gründungsdirektorin der Manifesta, betonte in ihrer Abschiedsrede zum Ende der Manifesta: „Die Biennale hier endet, aber die Denkanstöße und Ideen bleiben in der Region. Die Diskussion um die Neu- und Umnutzung der Kirchen hat gerade erst begonnen.“
Am Donnerstag, 8. Oktober, wurde der Manifesta-Staffelstab derweil an die portugiesische Stadt Coimbra weitergereicht, die in zwei Jahren Gastgeber der Manifesta 17 werden soll.