29. Juni 2026, 13:07 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Wie sieht das Musiktheater der Zukunft aus? Das wird seit Anfang 2024 in Gelsenkirchen erforscht – und zwar im eigens dafür gegründeten „MiR.LAB“ in der Gelsenkirchener Altstadt. Gefördert wird das Labor vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit dem NRW KULTURsekretariat im Rahmen des Förderprogramms NEUE WEGE. Durch die Förderung der Stadt Gelsenkirchen und die Unterstützung der Sparkasse Gelsenkirchen wurde es als Teil des Musiktheaters im Revier (MiR) aufgebaut – und trägt inzwischen digitale Elemente zu den Bühnenproduktionen bei.
Erste Ergebnisse aus dem Forschungslabor, wie die Produktionen „Ghost Me, if You Can“ und eine moderne Version von Mozarts „Die Zauberflöte“ konnten bereits im Musiktheater im Revier bestaunt werden, aber auch mit Gesellschaftsprojekten wie „König Heinrichs Klimperkarre“ hat sich das Team des MiR.LABs in der Stadt einen Namen geschaffen. Nun wurde das MiR.LAB gemeinsam mit fünf weiteren Kultureinrichtungen in Deutschland mit dem ZukunftsGut-Preis der Commerzbank-Stiftung für zukunftsweisende Strategien der Kulturvermittlung ausgezeichnet.
Nora Krahl, Leiterin des Forschungs-Labors MiR.LAB in Gelsenkirchen, nahm bei der Verleihung in Frankfurt am Main am 24. Juni 2026 den ZukunftsGut-Preis 2026 persönlich entgegen. Die Commerzbank-Stiftung würdigt mit dem Preis neue innovative Ansätze der Kulturvermittlung, die der Demokratiebildung, gesellschaftlichen Teilhabe und einer lebendigen Zivilgesellschaft dienen. „Für das MiR.LAB ist dieser Preis besonders wichtig, weil er bestätigt, dass unser Konzept, das Forschung an digitalen Möglichkeiten einer Oper der Zukunft mit analogem Outreach und Partizipation der Stadtgesellschaft verbindet, die innovative Kraft entfalten konnte, die wir uns erhofft haben“, sagt Nora Krahl. Mit diversen Formaten wie den regelmäßigen Workshops „Diskurs & Daddeln“ und „stattWerkSTADT“, der partizipativen Entwicklung des Computerspiels „Cyberflöte“ und den Community-Musiktheaterprojekten „Neustern in der Gelekxie“, „König Heinrichs Klimperkarre“ und im Juni 2026 „Die FIRMA“ konnte das MiR.LAB in den ersten drei Jahren seines Bestehens enge Verbindungen in diverse Teile der Gelsenkirchener Stadtbevölkerung herstellen.
Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen und Generationen sind im MiR.LAB aktiv, oftmals kommen sie zum ersten Mal überhaupt mit Musiktheater in Kontakt und bringen ihre eigenen Ideen, Geschichten und Fähigkeiten ein. Federführend bei diesen Projekten waren Dominik Hallerbach und die Dramaturgin Friederike Brendler. Unter ihrer Leitung entdeckten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Ausdrucksmöglichkeiten des Musiktheaters, konnten eigene Stärken einbringen und weiterentwickeln - und in der Stadt ungeahnte neue Netzwerke knüpfen, die nachhaltig Spaltungstendenzen der Zivilgesellschaft in Gelsenkirchen entgegenwirken.
Die Fachjury 2026 fasst die Leistungen der von der Commerzbank-Stiftung ausgezeichneten Institutionen zusammen: „Demokratie lebt davon, dass Menschen ihre Perspektiven einbringen, miteinander ins Gespräch kommen und erleben, dass ihre Stimme zählt. Die ausgezeichneten Einrichtungen schaffen dafür Räume. Sie beteiligen Menschen aktiv an Kunst und Kultur, fördern Begegnung und stärken das Miteinander in ihren Städten und Regionen. Damit zeigen sie beispielhaft, welchen Beitrag Kulturvermittlung durch konsequentes Community Buildung für gesellschaftliche Teilhabe, Zusammenhalt und eine lebendige Demokratie leisten kann.“
Nora Krahl freute sich sichtlich über diese Auszeichnung: „Der Preis ist eine wunderbare Bestätigung unserer Arbeit und zugleich Ansporn, in der Zukunft noch mehr Menschen in Gelsenkirchen zu erreichen und zu ermutigen, künstlerische und kreative Möglichkeiten für sich und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu entdecken und zu nutzen.“