26. Juni 2026, 12:13 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Die Verwaltung hat Vorschläge zur Förderung durch das NRW-Infrastrukturgesetz vorgelegt. Bildrechte: Pexels
Aus dem Sondervermögen des Bundes „Infrastruktur und Klimaneutralität“ stehen den Ländern Fördermittel für Investitionen in deren Infrastruktur zur Verfügung. Das Land Nordrhein-Westfalen hat einen Teil davon an die Kommunen weitergegeben. Gelsenkirchen erhält davon 164,75 Millionen Euro für die Jahre 2025 bis 2036.
Die Verwaltung der Stadt Gelsenkirchen hat eine Liste mit Projekten erarbeitet, für diese Mittel verwendet werden sollen. Oberbürgermeisterin Andrea Henze und Stadtbaurat Christoph Heidenreich haben die Pläne, die sie dem Rat der Stadt zur Beratung und Entscheidung vorschlagen, heute vorgestellt.
Nach den Vorgaben des Landes werden 50 Prozent der zur Verfügung stehenden Mittel, also rund 82,4 Millionen Euro, in die Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur fließen.
20 Prozent, rund 33 Millionen Euro, sind für die energetische Sanierung von Liegenschaften und für Maßnahmen des Klimaschutzes sowie der Klimafolgenanpassung vorgesehen.
Weitere 30 Prozent, rund 49,4 Millionen Euro werden in die Verkehrsinfrastruktur, die digitale Resilienz und Digitalisierung, die Sportinfrastruktur und die öffentliche Sicherheit und Krisenresilienz investiert.
„Es sind zusätzliche Millionen, die nach Gelsenkirchen fließen und das freut mich erst einmal sehr. 164 Millionen – das hört sich natürlich gewaltig an. Aber man darf nicht vergessen, dass sich das über einen Zeitraum von 12 Jahren erstreckt. Das wären pro Jahr also knapp 14 Millionen Euro. Da sieht es dann schon ein wenig anders aus. Vor allem verglichen mit unseren derzeitigen eigenen Investitionen in Höhe von über 300 Millionen Euro pro Jahr. Aber dennoch sind wir natürlich sehr froh über die zusätzlichen Mittel. Deshalb war es mir auch so ein Anliegen, dass das Geld nicht nur in laufende Projekte fließt, sondern damit auch etwas Zusätzliches, für die Bürgerinnen und Bürger Sichtbares entsteht. Ich denke, da ist uns mit unserem Vorschlag eine gute Kombination gelungen“, so Oberbürgermeisterin Andrea Henze.
Die Oberbürgermeisterin betonte aber auch: „Bei aller Freude und Dankbarkeit – es bleibt dabei: Zusätzliche Fördermittel ersetzen keine auskömmliche Regelfinanzierung der Kommunen. Dafür werden wir weiterhin kämpfen.“
Zu den Projekten, die die Verwaltung durch die zusätzlichen Mittel aus dem Infrastrukturgesetz nun für neu realisierbar hält, gehört an prominentester Stelle eine Neunfach-Sporthalle am Schürenkamp zur Bedarfsdeckung der drei Berufskollegs für Technik und Gestaltung, am Goldberg und Königstraße. Die Umsetzung wird im Rahmen einer Machbarkeitsstudie geprüft. Insgesamt werden dafür rund 45 Millionen Euro eingeplant. Dieser neue große Sportkomplex könnte damit dann einer der nächsten Bausteine des derzeit entstehenden Bildungs- und Innovationscampus (BIC) sein.
Auch der Neubau einer Turnhalle für die Schulen Max-Planck-Gymnasium und Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium bis zum Jahr 2029 kann dank der zusätzlichen Mittel nun endlich angegangen werden. Hier werden rund 15 Millionen Euro eingesetzt. Geplant ist der Neubau einer Vierfeldsporthalle sowie der Abriss einer bestehenden Sporthalle auf dem Schulgelände der Gymnasien Annette-von-Droste-Hülshoff und Max-Planck in Gelsenkirchen Buer. Zudem sollen im Rahmen des Neubaus Verbesserungen in den Außenanlagen erfolgen.
Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur
Für die 2028 im Bezirk Mitte geplante Grundschule Wildenbruchplatz ergibt sich ein förderfähiger Betrag von 37.412.576 Euro. Vorgesehen ist der Neubau einer fünfzügigen Grundschule (für etwa 500 Kinder). Der Baubeginn ist für Januar 2027 und die Inbetriebnahme der Schule zum Schuljahr 2028/2029 geplant.
Bis 2030 soll im Bezirk Süd die Grundschule Rotthausen im Volkshaus fertiggestellt werden. Dafür werden aus dem Fördertopf des Infrastrukturgesetzes 56.125.000 Euro eingeplant. Hier wird in einem Neubau eine vierzügige Grundschule inklusive Sporthalle in Verbindung mit der Sanierung und Umnutzung des denkmalgeschützten Volkshaus Rotthausen entstehen. Im Schulneubau sind im Wesentlichen die Unterrichts- und Betreuungsbereiche geplant. Mensa, Büroräumlichkeiten für die Schulleitung und das Zimmer für die Lehrkräfte sollen im Bestand untergebracht werden. Darüber hinaus soll eine Nutzung für Vereine und Veranstaltungen weiterhin möglich sein.
Die Fertigstellung des Neubaus ist derzeit für Ende 2029/Anfang 2030, der Abschluss der Sanierungsarbeiten für Herbst 2030 vorgesehen.
Auf die Erweiterung der Gesamtschule Erle im Bezirk Ost an der Mühlbachstraße um einen Neubau für Mensa, Stadtteilbibliothek und Fachräume warten die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte schon eine Weile. Mit den Mitteln des Infrastrukturgesetzes soll der Neubau bis 2030 entstehen. Dafür werden rund 21,5 Millionen Euro eingesetzt.
Ziel ist es, den Standort Mühlbachstraße um einen Neubau zu erweitern, der eine Mensa, eine Stadtteilbibliothek sowie weitere Fachräume umfasst. Eine Inbetriebnahme wird zum Schuljahr 2030/2031 angestrebt. Der Planungsbeschluss soll im Dezember 2026 eingeholt werden.
(Energetische) Sanierung von Liegenschaften, Maßnahmen des Klimaschutzes sowie der Klimafolgenanpassung
Rund 13 Millionen Euro sollen nach den Vorschlägen der Stadt in die Sanierung von Schloss Berge fließen. Das geplant insgesamt 21 Millionen Euro teure Projekt soll aus dem pauschalen Förderbudget des NRW-Infrastrukturgesetz unterstützt werden. Die Anmeldung zum Haushalt ist für 2027 geplant.
Das denkmalgeschützte Schloss Berge soll grundlegend saniert und im Anschluss wieder einer betrieblichen Nutzung, bestehend aus Hotellerie, Gastronomie und Events zugeführt werden. Mit der Planung der erforderlichen Sanierungs- und Ertüchtigungsmaßnahmen für den zukünftigen Betrieb wurde im Oktober 2025 die GE GmbH beauftragt. Gegenstand der Sanierung ist auch eine grundlegende energetische Sanierung.
Zur Förderung des Klimaschutzes und der Energieeffizienz sollen weitere städtische Gebäude neue Dächer und Photovoltaik bekommen. Der jeweilige Bedarf wird derzeit geprüft. Dazu werden 20 Millionen Euro veranschlagt.
Verkehrsinfrastruktur, digitale Resilienz und Digitalisierung, Sportinfrastruktur und öffentliche Sicherheit und Krisenresilienz
Für den Bezirk Ost werden 2 Millionen Euro für Sportanlagen reserviert. Geplant sind eine BMX-Wettkampfstrecke auf der Sportanlage „Im Emscherbruch“ (Im Emscherbruch 70) und die Umwandlung des Tennengroßspielfeldes in ein Kunstrasengroßspielfeld auf der Sportanlage „Ewaldstraße“ (Im Emscherbruch 150).
Derzeit wird ein politischer Antrag umgesetzt, der die Erstellung einer Machbarkeitsstudie für den Bau einer BMX-Wettkampfstrecke für nationale Wettbewerbe in der Disziplin „BMX-Race" vorsieht. Die Ergebnisse dieser Machbarkeitsstudie werden voraussichtlich im 3. Quartal 2026 vorliegen.
Anschließend soll entschieden werden, ob, wann und mit welchen Mitteln die Strecke realisiert wird. Sollte der Bau der Strecke beschlossen werden, müsste der derzeit ansässige Fußballverein Spvgg. Middelich-Resse auf die nahegelegene Sportanlage Ewaldstraße (Im Emscherbruch 150) umziehen. Dadurch entstünde dort ein zusätzlicher Bedarf an ganzjährig bespielbaren Großspielfeldern.
Die Sportanlage Ewaldstraße müsste aufgrund ihrer tatsächlichen Auslastung modernisiert werden. Dafür wäre es notwendig, das bestehende Tennengroßspielfeld in ein Kunstrasengroßspielfeld umzuwandeln, um den steigenden Bedarf an ganzjährig bespielbaren Großspielfeldern zu decken.
Für den Bezirk West schlägt die Verwaltung die Umgestaltung des Ilse-Kibgis-Platzes vor und weist diesem Projekt rund 2,3 Millionen Euro zu. Geplant ist die Umgestaltung des Ilse-Kibgis-Platzes im Programmgebiet ,Prima.Klima. Horst" zur Anpassung an den Klimawandel durch Entsiegelung, Begrünung und Regenwassermanagement. Eine Machbarkeitsstudie erarbeitet drei Gestaltungsvarianten und eine Vorzugsvariante, temporäre Interventionen zur Beteiligung und Aktivierung der Bevölkerung sind in Vorbereitung. Die Umsetzung ist innerhalb der Projektlaufzeit bis 2029 vorgesehen.
Noch nicht finanziell bewertet ist im Bezirk West eine mögliche Sanierung des Hallenbades Horst. Zum jetzigen Zeitpunkt konnten jedoch Art, Umfang und konkrete Ausgestaltung der Maßnahme noch nicht abschließend bestimmt und die hiermit verbundenen Kosten noch nicht belastbar beziffert werden. Die Maßnahme wird daher im weiteren Verfahren erneut aufgegriffen und weiter konkretisiert.
Aufgrund von Kapazitätsproblemen ist der Neubau einer Hundezwingeranlage am Tierheim Gelsenkirchen in der Willy-Brandt-Allee geplant. Nach Abschluss der Planungsleistungen wird derzeit die Vergabe der Bauleistungen an einen Generalunternehmer vorbereitet.