08. Juni 2026, 16:30 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Christian van den Berg-Bremer, Andrea Lamest und Gerardo Gramajo (v.l.n.r.) freuen sich auf den Start des neuen JugendKlassikFestivals Gelsenkirchen. Bildrechte: Stadt Gelsenkirchen - Gerd Kaemper
Klassikfans und alle, die es werden wollen, sollten sich das Wochenende vom 19. bis 21. Juni rot im Kalender anstreichen: Dann findet zum ersten Mal das JugendKlassikFestival Gelsenkirchen statt. Und das bringt herausragende junge Nachwuchsmusikerinnen und -musiker nach Gelsenkirchen und wird die Stadt zum Treffpunkt junger Talente machen.
Doch nicht nur die Klassik-Elite von Morgen wird sich in Gelsenkirchen treffen und ihr Können präsentieren: Die Städtische Musikschule Gelsenkirchen hat mit Daniel Stabrawa (Berliner Philharmoniker) und Professor Thomas Hoppe (Folkwang Universität der Künste) zwei renommierte Gastdozenten eingeladen, die im Rahmen des Festivals jeweils parallel zueinander einen öffentlichen Meisterkurs geben. Ergänzt wird das Programm durch vielfältige Workshops der Dozentinnen und Dozenten der Städtischen Musikschule, in denen Jugendliche aller Spielniveaus gemeinsam musizieren, voneinander lernen und ihr Können präsentieren können.
„Wir haben gemerkt, dass das Interesse an einem solchen Klassik-Festival mit Meisterkursen speziell für junge Menschen sehr groß ist. So werden beispielweise auch zwei Ensembles aus den Musikschulen in Olsztyn und Baku eigens für das Festival anreisen. Es freut uns natürlich sehr, dass dieses Konzept bei der jungen Zielgruppe auf so positive Resonanz trifft“, sagt Musikschulleiter Christian van den Berg-Bremer, der für das neue Festival seine guten Kontakte in die Musikszene spielen ließ. Die namhaften Musiker, die er und seine Musikschul-Kollegen als Dozenten anfragten, ließen sich nicht lange bitten – und unterbrechen nun zum Teil sogar ihre Konzertreisen, um nach Gelsenkirchen zu kommen und den Nachwuchs zu fördern.
„Wir sind sehr froh, dass wir hier in Gelsenkirchen eine städtische Musikschule haben, die ein besonderes Augenmerk auf die Talentförderung legt. Ich erwähne in diesem Zusammenhang gerne die Talent-Akademie Musik. Deren Ziel ist es, überdurchschnittliche musikalische Begabungen schon im Kindesalter zu entdecken und unabhängig von einem bereits gefassten Berufswunsch gezielt und umfassend zu fördern, und das gelingt uns auch. Herr van den Berg-Bremer und sein Team haben aber auch mit dem Orchester Grenzenlos, das sich an Kinder richtet, denen aus finanziellen, sprachlichen oder anderen Gründen der Zugang zum Angebot der städtischen Musikschule erschwert ist, Maßstäbe gesetzt und schon viele junge Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener für Musik begeistert. Das hier vor Ort organisierte JugendJazzfestival hat sich zudem als deutschlandweit einzigartiges Format für junge Jazzmusik etabliert, auch darauf sind wir richtig stolz. Dass nun mit dem JugendKlassikFestival Gelsenkirchen ein weiteres Element auf sehr hohem Niveau hinzukommt, ist nur folgerichtig. Ich bin jedenfalls sehr zuversichtlich, dass sich Gelsenkirchen hier von seiner besten Seite präsentieren kann“, betont Andrea Lamest, die Leiterin des Referats Kultur.
Der frühere Berliner Sinfoniker Daniel Stabrawa wird im Rahmen des ersten JugendKlassikFestivals Gelsenkirchen einen Meisterkurs für Violine und Kammermusik für Streicher leiten, Prof. Thomas Hoppe von der renommierten Folkwang Universität der Künste wird derweil sein Wissen in einem Meisterkurs Klavier und Kammermusik mit Klavier weitergeben. Auch Dozentinnen und Dozenten der Musikschule sind eingebunden: Belmin Okanovic lädt die jungen Talente in seine Gitarrenwerkstatt ein, Zhuo Ma und Gerardo Gramajo gestalten den Workshop „Alte Musik“-Ensemble und Aiki Mori-von Schnitzler vermittelt ihr Können am Cello und Hintergrundwissen zur Kammermusik.
„Im Mittelpunkt soll dabei nicht nur die Freude an klassischer Musik, sondern auch der künstlerische Austausch auf nationaler und europäischer Ebene stehen. Denn das ist für die Weiterentwicklung von jungen Talenten ein ganz wichtiger Aspekt“, erklärt Gerardo Gramajo, einer der Dozenten des Festivals, der selber aus Uruguay stammt und international tätig war, bevor er sich in Gelsenkirchen niederließ.
Für musikinteressierte Bürgerinnen und Bürger der Stadt dürften derweil vor allem die öffentlich zugänglichen Meisterkurse und die kostenfreien Konzerte vor der historischen Industrie-Kulisse der ehemaligen Schachtanlage Oberschuir im heutigen stadt.bau.raum von Interesse sein: Am Freitag, 19. Juni um 19 Uhr, eröffnen Daniel Stabrawa (Violine), Prof. Thomas Hoppe (Klavier), Aiki Mori-von Schnitzler (Cello) und Gerardo Gramajo (Bratsche) das Festival mit einem Dozentenkonzert im stadt.bau.raum an der Boniverstraße 30 in 45883 Gelsenkirchen. Der Samstag startet um 10 Uhr mit parallel laufenden öffentlichen Meisterkursen im Musikschulgebäude an der Rolandstraße 3 und im stadt.bau.raum und mündet um 17 Uhr in der Veranstaltung „Meisterlich“ mit einem Konzert der Teilnehmenden an den Meisterkursen im stadt.bau.raum.
Der Sonntag steht ganz im Zeichen von Konzerten und startet um 11.30 Uhr mit einem Werkstattkonzert der Festival-Workshops Kammermusik und Alte Musik im stadt.bau.raum. Ab 15 Uhr folgt ein Kaffeekonzert mit Gitarrenmusik mit Belmin Okanović und Teilnehmenden der Gitarrenwerkstatt im stadt.bau.raum. Der krönende Abschluss ist ab 19 Uhr geplant: Dann gibt es Kammermusik mit Preisträgerinnen und Preisträgern des Landeswettbewerbs Jugend musiziert NRW 2026 zu erleben.
Unter anderem ist dann die aus Dorsten stammende Jungstudentin Eva Kochs (Harfe) dabei. Sie konnte bereits zahlreiche Auszeichnungen bei nationalen und internationalen Wettbewerben erzielen. Auch Elisa Kormoniczak (Gitarre) und Cornelius Roth (Cello), Sonderpreisträger des Regionalwettbewerbs Jugend musiziert Ruhr Nord, konzertieren beim JugendKlassikFestival. Das Kammermusikensemble aus Baku wirkt ebenso mit.
Das komplette Programm des JugendKlassikFestivals Gelsenkirchen ist hier zu finden.
Daniel Stabrawa wurde 1983 Mitglied der Berliner Philharmoniker und stieg rasch – gefördert von Herbert von Karajan – zum Ersten Konzertmeister auf. Als Solist, Kammermusiker und Dirigent trat er weltweit mit renommierten Orchestern, Dirigenten und Künstlern auf und gilt als bedeutender Interpret insbesondere der polnischen Musik, unter anderem von Karol Szymanowski. Er war Primarius des Philharmonia Quartetts Berlin, leitete als Chefdirigent das polnische Kammerorchester Capella Bydgostiensis und ist bis heute international als Geiger, Dirigent und musikalischer Leiter tätig. Seit seiner Pensionierung bei den Berliner Philharmonikern 2021 setzt er seine künstlerische Arbeit aktiv fort.
Prof. Thomas Hoppe zählt zu den führenden Klavierpartnern seiner Generation. Er konzertierte mit zahlreichen internationalen Spitzenkünstlern und Ensembles, darunter Itzhak Perlman, Antje Weithaas, Vilde Frang, Tabea Zimmermann, Jens Peter Maintz, Frans Helmerson und Bomsori Kim. Er ist zudem ist weltweit als Pianist des preisgekrönten ATOS Trios aktiv. Hoppe ist regelmäßig bei bedeutenden internationalen Wettbewerben tätig, gibt Meisterkurse, wirkt als Juror und konzertiert mit renommierten Kammermusikensembles. Seit 2018 ist er Professor für Klavierkammermusik an der Folkwang Universität der Künste in Essen und engagiert sich intensiv in der Ausbildung junger Musikerinnen und Musiker. Thomas Hoppe lebt in Berlin.
Aiki Mori-von Schnitzler wurde in Japan geboren und entdeckte im Alter von acht Jahren ihre Leidenschaft für das Violoncello. Bereits mit 15 Jahren begann sie ihr Studium in der Meisterklasse von Frans Helmerson an der Musikhochschule Köln, wo sie 2009 ihr Diplom erwarb. Weitere wichtige Impulse erhielt sie von Karine Georgian in London und von Roland Pidoux in Paris. Aiki Mori-von Schnitzler gewann mehrere Preise, darunter den Grand Prix beim „Wettbewerb für klassische Musik Japan“ als jüngste Preisträgerin in der Geschichte des Wettbewerbs. Sie tritt als Solistin sowie als Kammermusikerin auf, unter anderem im 2013 gegründeten „Mori Trio“, dessen Debüt-CD bei BBC, Radio France und Radio Vltava gefeiert wurde. Kritiker loben ihren „unvergleichlichen Ausdruck“ und ihren „wunderbar warmen Ton“. Sie ist außerdem eine leidenschaftliche Pädagogin. Sie gab Meisterkurse beim Internationale Musikforum Refrath und bei einem Kammermusikmeisterkurs in Yokohama, Japan.
Zhuo Ma stammt aus der chinesischen Provinz Hubei und studierte Violine in Tianjin, bevor sie ihr Studium an der Hochschule für Musik und Theater Köln fortsetzte. Dort spezialisierte sie sich bei Professor Richard Gwilt auf Barockmusik und schloss zwei Masterstudiengänge ab, sowohl für "Barockvioline" als auch für "Kammermusik festes Historisches Ensemble". Seit Februar 2025 unterrichtet sie an der Städtischen Musikschule Gelsenkirchen.
Belmin Okanović absolvierte seinen Master an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf bei Joaquín Clerch und schloss bereits 2022 seinen Bachelor mit Bestnote und Auszeichnung ab. Er konzertierte europaweit und gewann über 30 internationale Preise, etwa den 1. Preis beim Internationalen Gitarrenfestival in Mottola, der 2023 zur Aufnahme seiner Debüt-CD führte, sowie den 1. Preis beim Miguel Llobet Competition (2023). Er war Stipendiat des Deutschlandstipendiums, 2019 Solist der Yehudi Menuhin Foundation und erhielt zahlreiche Auszeichnungen in Bosnien und Herzegowina. Der gebürtige Tuzlaer begann mit acht Jahren Gitarre zu spielen und spielt ein Instrument des spanischen Gitarrenbauers Paco Santiago Marín. Seit Herbst 2025 ist er Dozent an der Städtischen Musikschule Gelsenkirchen.
Gerardo Gramajo ist ein international erfahrener Bratschist und Pädagoge. Er war Stimmführer der Viola in den Nationalorchestern von Paraguay und Uruguay, arbeitete an der Akademie des Liceu in Barcelona und als Vorspieler der Bratschen beim OML-Orchester in Lissabon. Neben seiner Orchestertätigkeit ist er auch als Kammermusiker in verschiedenen Ländern aufgetreten. Als Dozent unterrichtete er Violine, Viola und Kammermusik an der Universidad Nacional de Paraguay und leitete Meisterkurse in Uruguay, England, Deutschland und Spanien. Seit 2020 arbeitet er an der Musikschule Gelsenkirchen, seit 2023 als Fachbereichsleiter für Saiteninstrumente. Geboren in Uruguay, studierte er zunächst in Montevideo bei Jorge Risi und später an der Musikhochschule Köln bei Charles André Linale und Massimo Paris. 2017 schloss er sein Konzertexamen im Fach Viola bei Diemut Poppen in Detmold ab.