11. März 2026, 15:20 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Unter dem Motto „Gemeinsam auf dem Weg zur Klimaneutralität“ haben heute 15 Gelsenkirchener Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen die ersten Klima-Commitments im KlimaForum Gelsenkirchen veröffentlicht. In diesen Selbstverpflichtungen stellen sie ihre Aktivitäten für den Klimaschutz dar und setzen sich überprüfbare Ziele für die Zukunft. „Hier wird deutlich, wie Akteure aus der Wirtschaft sich ganz konkret hinter das im Rat der Stadt Gelsenkirchen beschlossene Ziel der Klimaneutralität bis 2045 stellen. Die Selbstverpflichtungen für nachhaltiges Wirtschaften, Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel sind ein wertvoller Beitrag für die Zukunft unserer Stadt“, freute sich Gelsenkirchens Oberbürgermeisterin Andrea Henze heute im Hans-Sachs-Haus. Sie bedankte sich bei den Vertreterinnen und Vertretern der Firmen und Einrichtungen.
Mit ganz unterschiedlichen Ansätzen stellten Consol Theater, Die GWG eG, e.liebing GmbH, FC Schalke 04, Gelsenwasser AG, ggw GmbH, Hygiene Institut e.V., Karl Kremer GmbH, Loxx Logistics, Musiktheater im Revier, Sparkasse Gelsenkirchen, Volksbank Ruhr Mitte, Westfälische Hochschule, Wolter Sanitär Heizung Klima und ZINQ in ihren „Klima-Commitments“ ihre Maßnahmen auf dem Weg zur Klimaneutralität dar. „Das Engagement der Unternehmen ist vorbildlich, weil sie mit dem Wissen um die Bedarfe ihrer jeweiligen Branche ganz unterschiedliche wirtschaftliche Perspektiven aufzeigen, die auch über geltende gesetzliche Mindeststandards hinausweisen“, betonte Dr. Thomas Bernhard, Leiter des Referats Umwelt bei der Stadt Gelsenkirchen. Als symbolisches Dankeschön überreichte die Oberbürgermeisterin eine Urkunde mit dem Partner-Siegel des KlimaForums an die Unternehmen. Die „Klima-Committments“ sind ab sofort auf der Webseite www.klimaforum-gelsenkirchen.de öffentlich einsehbar und werden fortlaufend evaluiert. Weitere Commitments sollen folgen.
Die Klima-Commitments geben einen guten Überblick über die vielfältigen Handlungsmöglichkeiten in der Wirtschaft. Je nach Branche und Unternehmen fallen Ziele und Maßnahmen unterschiedlich aus:
So stehen in der Industrie stehen vor allem die direkten Treibhausgas-Emissionen am Produktionsstandort in Gelsenkirchen auf dem Prüfstand.
Die ZINQ Gelsenkirchen GmbH & Co. KG, erst kürzlich mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet, will die energiebedingten CO2-Emissionen am Stammwerk in Gelsenkirchen bereits bis zum Jahr 2040 auf Null reduzieren. Dazu soll die Prozesswärmeerzeugung von Erdgas auf grünen Überschussstrom und grünen Wasserstoff umgestellt werden.
Gelsenwasser will bis 2045 vollständig klimaneutral sein. Bereits 2035 sollen sämtliche direkte Emissionen sowie der energiebezogene CO₂‑Ausstoß bilanziell auf Null sinken und die übrigen indirekten Emissionen um 50 %. Zentraler Hebel ist der Ausbau erneuerbarer Energien. Bis 2028 soll mindestens so viel grüner Strom erzeugt werden, wie das Unternehmen selbst verbraucht: rund 60 Mio. kWh jährlich. Die Fahrzeugflotte wird bis 2030 auf emissionsarme Antriebe umgestellt und durch grabenlose Bauverfahren wird die Ressourceneffizienz erhöht.
Bei Bauunternehmen und im Handwerk stehen Ressourcenschonung sowie die Einsparung oder Erzeugung von Energie rund um die eigenen Gebäude im Mittelpunkt:
So achtet das Bauunternehmen e.liebing GmbH auf wiederverwendbare, biozidfreie und kunststoffarme Materialien auf der Baustelle, will im Büro den Papierverbrauch bis 2028 um 60 Prozent reduzieren und sorgt auf dem eigenen Firmengebäude mit Dachbegrünung und Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung für ökologische Verbesserungen.
Die Karl Kremer GmbH & Co. KG gestaltet die Firmenzentrale klimaneutral mit einer neuen hochwärmegedämmte Aluminium-Glas-Fassade in Verbindung mit hochgradigem Aluminium-Recycling, Dachdämmung und Photovoltaikanlage. Auf diese Weise werden jährlich über 131 Tonnen CO2 eingespart.
Die Wolter Sanitär Heizung Klima GmbH ist rein rechnerisch sogar schon seit 2019 klimaneutral und strebt mit verdreifachten Batteriekapazitäten für selbstproduzierten Solarstrom zukünftig eine Energieautarkie auf dem Firmengelände an.
Die LOXX Logistics GmbH und die LOXX Lagerlogistik GmbH erzeugen auf 10.000 Quadratmetern Dachfläche Solarstrom, leiten Regenwasser in die renaturierte Emscher, haben vier PKW-Elektroladesäulen und im eigenen Fuhrpark die Flüssiggasstapler auf Elektroantrieb umgerüstet. Bis 2030 wollen sie ihre direkten CO2-Emissionen um 10 % gegenüber 2024 reduzieren und bis 2045 das Netto-Null-Ziel erreichen.
Bei Wohnungsbauunternehmen dreht sich Klimaschutz ebenfalls vor allem um energetische Verbesserungen und regenerative Energieerzeugung an Gebäuden:
Die städtische Wohnungsbaugesellschaft ggw GmbH will die Treibhausgasemissionen in ihrem Gebäudebestand durch energetische Sanierung und Umstellung der Wärmeversorgung bis 2040 um 88 % senken und damit ihre Mieter durch geringe Heizkosten entlasten. Zudem soll der gesamte Geschäftsbetrieb bis 2045 klimaneutral erfolgen.
Die GWG Genossenschaftliches Wohnen in Gelsenkirchen und Wattenscheid eG will ihren Gebäudebestand bis 2045 klimaneutral entwickeln, plant dafür weitere Photovoltaikanlagen mit Mieterstrommodellen und rüstet bis 2030 in zwei Straßenzügen auf moderne Wärmepumpenanlagen um.
Auch bei Dienstleistungsunternehmen steht der Klimaschutz auf der Agenda.
Die Sparkasse Gelsenkirchen will ihren CO2-Ausstoss jährlich um durchschnittlich drei bis fünf Prozent senken und bis 2035 einen CO2-neutralen Geschäftsbetrieb erreichen. Dafür setzt sie auf energetische Sanierungen, eine nachhaltige Mobilitätsstrategie mit neuen Elektroautos, die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel bei Dienstreisen, auf Jobrad und Jobticket sowie auf zwölf Solarstromdächer und teilweise zeitgesteuerte Bankautomaten.
Die Volksbank Ruhr Mitte will bis 2035 im Geschäftsbetrieb klimaneutral sein und bis 2030 die betrieblichen Emissionen gegenüber 2022 halbieren. Dafür orientiert sie Entscheidungen in Energie, Gebäude, Mobilität und Beschaffung am Klimaziel und verstärkt ihre Klimawirkung über das Kerngeschäft, z.B. durch Finanzierung energieeffizienter Modernisierungen und erneuerbarer Energien sowie die Integration klimarelevanter Kriterien in Kreditprozesse.
Bei der Westfälischen Hochschule wird Klimaschutz und Klimaanpassung in Verbindung mit Forschung und Lehre gedacht, findet sich in Studieninhalten und Forschungsarbeiten und steht zudem im Campusbetrieb als Teil der „Klimaneutralen Landesregierung“ auf der Tagesordnung. Als Multiplikator bringt die WH darüber hinaus ihre Expertise in regionale Projekte ein. Im Klima-Commitment setzt sie sich konkrete Ziele etwa bei der Reduktion des Restmülls.
Das Hygieneinstitut des Ruhrgebiets e.V. gibt sich selbst das strategische Ziel der Klimaneutralität bis 2045. Dazu sind Energiesparmaßnahmen im Laborbetrieb, mehr natürliche Klimatisierung mit Fassadenbegrünung, Solarstromerzeugung, LED-Beleuchtung sowie eine teilweise Umstellung der Fahrzeugflotte geplant.
Bei Sport- und Kultureinrichtungen spielt das Publikum neben den betrieblichen Kernprozessen eine wichtige Rolle für den Klimaschutz.
Der FC Schalke 04 e.V. plant die Umsetzung eines Maßnahmenpakets zur Regenwasserbewirtschaftung, Entsiegelung und ökologischen Aufwertung seines Vereinsgeländes. Zudem soll die Nutzung der vorhandenen E-Ladesäulen gesteigert werden. Diese sind mit der vereinseigenen PV-Anlage verbunden und können Fahrzeuge bei geeigneten Bedingungen direkt mit selbst erzeugtem Strom laden.
Das Musiktheater im Revier hat in den vergangenen Jahren die Potenziale zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes aus eigener Kraft weitgehend ausgeschöpft und versucht nun, die verkehrlichen Emissionen, die 300 Beschäftigte und rund 100.000 Besuchende jährlich verursachen, durch Förderung von Radverkehr und Anbindung an den ÖPNV bis 2035 zu halbieren.
In besonderer Verantwortung für den Klimaschutz sieht sich als Kinder- und Jugendtheater auch das Consoltheater. Alle zwei Jahre soll eine CO2-Bilanz erstellt werden, um auf deren Grundlage die Emissionen bis 2030 um 30 % und bis 2035 um 50 % (bezogen auf das Jahr 2023) zu senken. Eine eigene Projektgruppe entwickelt neue Möglichkeiten und verbindliche Regeln zum Klimaschutz. So sollen bspw. der Papierverbrauch reduziert, die Abfalltrennung verbessert und dokumentiert sowie ein „Runder Tisch Nachhaltigkeit“ für Gewerbetreibende aus der Nachbarschaft gegründet werden.
„Diese ersten KlimaCommitments zeigen, dass es für viele Unternehmen auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Sinn macht, konkrete Klimaschutz-Maßnahmen zu ergreifen – zum Beispiel um Kosten einzusparen und sich unabhängiger von fossilen Brennstoffen zu machen. Weitere Unternehmen der Stadt sind herzlich eingeladen, sich im KlimaForum Gelsenkirchen auszutauschen und aktiv zu werden“, sagt Wissenschaftspark-Geschäftsführer Wolfgang Jung. Die Wissenschaftspark Gelsenkirchen Projekte gGmbH betreibt das KlimaForum im Auftrag des Umweltreferats der Stadt und berät interessierte Unternehmen.
Interessenten für weitere Klima-Commitments sind eingeladen, sich direkt mit Stephan Hacke, Projektmanager Grüne Transformation bei der Wissenschaftspark Gelsenkirchen Projekte gGmbH, unter der Rufnummer 0176 16900464 oder Mail hacke@wipage-projekte.de zu melden. Aber auch wer erst einmal nur in die Angebote und Veranstaltungen des KlimaForum Gelsenkirchen hereinschnuppern möchte, ist herzlich willkommen. Eine Registrierung ist jederzeit unter www.klimaforum-gelsenkirchen.de möglich.