20. Dezember 2019, 13:05 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
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Unterstützt vom Profi-Fotografen Thomas Hoppe arbeitet derzeit die Arbeitsgruppe (AG) „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ des Berufskollegs am Goldberg an Fotos für eine Dauerausstellung in den sechs Gebäuden des Kollegs. Die Ausstellung soll ab Anfang 2020 ein dauerhaftes Statement für bereichernde Vielfalt und gegen Rassismus und Diskriminierung jeder Art sein. Denn am Goldberg kommen Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichsten Herkunftsländern mit verschiedenen Religionen zusammen. Mit dem Projekt bewirbt sich das Berufskolleg um die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus“.
Die 18-jährige Carmen Rodriguez macht mit beim Fotoprojekt. Gestützt von einem Mitschüler steht sie mit der Kamera in der Hand auf einem Stuhl und sucht die richtige Perspektive für ihr Foto. Das gemeinsame Essen unterschiedlicher Menschen ist das Thema. „Auf die Reflexionen achten, damit wir es in der nachträglichen Bildbearbeitung etwas leichter haben“, ruft ihr Thomas Hoppe noch zu, dann geht es los. Erfahrungen mit der Fotografie hatte Carmen Rodriguez keine, doch der Fotograf habe in Workshops alle gut in die Grundlagen der Fotografie eingeführt. Wichtiger als Fragen um die richtige Blende oder Brennweite ist Thomas Hoppe die Bildgestaltung, um ein Thema anschaulich zu machen. „Ich bin positiv überrascht über die vielen Ideen, die eingebracht wurden. So soll zum Beispiel das Thema Vielfalt durch eine tanzende Gruppe von Menschen ausgedrückt werden, die verschieden gekleidet sind. Das reicht vom Hippie-Look bis zum Abendkleid“, lobt Hoppe.
Vieles, wie „Du Jude“ oder „Nigger“ werde als Beschimpfung ausgesprochen, ohne sich mit Hintergründen beschäftigt zu haben. „Wir wollen mit den Fotos auch dazu anregen, mehr darüber nachzudenken, was man da eigentlich sagt und es dann zu lassen“, erläutert Carmen Rodriguez.
Doch an der Schule gibt es durchaus auch handfeste Konflikte wie zum Beispiel die zwischen türkisch- und kurdischstämmigen Jugendlichen, weiß Sabrina Carrero. Sie ist Lehrerin am Berufskolleg und begleitet mit anderen Kolleginnen und Kollegen die Arbeit der AG. „Alle Beteiligten kommen in ihrer Freizeit zusammen und bringen sich ein. Das ist ein wirklich tolles Projekt, bei dem ich gerne dabei bin“, erzählt die 31-Jährige, die unter anderem Geschichte unterrichtet.
Bei ihr und auch bei den über 100 weiteren Lehrerinnen und Lehrern musste Schulsprecher Berkan Colak keine Überzeugungsarbeit leisten, als er das Projekt in einer Lehrerinnen- und Lehrerkonferenz vorstellte. Kurz zuvor hatte die Schule beschlossen, nicht mehr nach Eduard Spranger benannt werden zu wollen, da dieser sich nicht überzeugend vom Nationalsozialismus distanziert habe. Doch die Diskussion um die Umbenennung zum Berufskolleg am Goldberg sei nicht der entscheidende Auslöser des Fotoprojekts gewesen, erläutert Berkan Colak: „Wir finden die Umbenennung zwar gut, doch zu einer Schule der Vielfalt gehört eben mehr, und wir wollen ein starkes Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung jeder Art setzen.“ Auch Menschen, die selbst von Anfeindungen betroffen sind, diskriminieren, stellt Sabrina Carrero fest: „Es sind so Sprüche wie ‚Hey, wir haben einen BicMac für dich‘ zu einer korpulenteren Mitschülerin zum Beispiel.“
Worte verletzen, gerade in den Sozialen Medien reichen ein paar dahin geworfene Worte nach einem Klick zum Mobbing. Das greift ein Fotomotiv auf, bei dem Berkan Colak vor der Kamera stand. Vermummt die Anonymität des Internets andeutend hat er ein Smartphone wie einen Stein zum Wurf in der Hand.
Schulleiter Ralf Niebisch ist stolz auf seine Schülerinnen und Schüler und unterstützt sie, wo er nur kann. „Fast ein Drittel unserer Schülerinnen und Schüler verlassen im Jahr das Kolleg, ebenso viele neue kommen hinzu. Mit der Dauerausstellung wollen wir ein bleibendes Zeichen setzen und den neuen Schülerinnen und Schülern zeigen, wofür wir stehen: Für Gemeinsamkeit in einer Schule der Vielfalt“, so Niebisch.
Das Projekt des Berufskollegs am Goldberg ist eines von insgesamt zwölf Gelsenkirchener Projekten gegen Rassismus und Rechtsextremismus, die vom Präventionsfonds NRWeltoffen des Landes Nordrhein-Westfalen im Jahr 2019 gefördert wurden.