12. Oktober 2016, 13:51 Uhr | Industrie- und Handelskammer Nord-Westfalen
Diese Meldung ist vom 12. Oktober 2016, 13:51 Uhr. Gegebenenfalls sind einzelne Inhalte oder der gesamte Artikel nicht mehr aktuell. Für aktuelle Meldungen der Stadt Gelsenkirchen klicken Sie bitte auf https://www.gelsenkirchen.de/aktuelles
v.l.n.r.: Peter Schnepper (stellv. Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen), Rainer Schiffkowski (Wirtschaftsförderung Gelsenkirchen), Michaela Ehm (IHK Nord Westfalen), Angelika Kraus-Buten (IHK Nord Westfalen), Klemens Hütter (IHK Nord Westfalen), Sebastian Scheeben (Wirtschaftsförderung Gelsenkirchen). Bildrechte: Stadt Gelsenkirchen/Hansjürgen Smit
Gemeinsam wollen die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen und die Wirtschaftsförderung die Unternehmensbasis in Gelsenkirchen verbreitern. „Wir brauchen mehr Existenzgründer, die mit Mut und guten Ideen die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt vorantreiben“, sagte der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Schnepper heute (11. Oktober) bei der Vorstellung der Jahresbilanz des Startercenter NRW Emscher-Lippe in Gelsenkirchen. „Genug Potenzial dafür gibt es in der Stadt“, zeigte sich Rainer Schiffkowski, Referatsleiter Wirtschaftsförderung der Stadt Gelsenkirchen, überzeugt.
Seit 2007 bündeln IHK und Wirtschaftsförderung die Unterstützungsangebote für Existenzgründer im Startercenter NRW Emscher-Lippe bei der IHK in Buer. Hier erhalten Gründungswillige erste Informationen zur Gründung, eine Einschätzung der Geschäftsidee, Hilfe bei der Erledigung von Formalitäten, „aber auch eine Finanzierungs- und Intensivberatung, wenn es ans Eingemachte geht“, erklärte Schnepper. Zudem schiebt das Startercenter-Team an der Westfälischen Hochschule Start-up-Unternehmen an und informiert Schülerinnen und Schüler über Unternehmertum und Selbstständigkeit. Die Handwerkskammer betreibt in Gelsenkirchen ein weiteres Startercenter. Bottrop und Recklinghausen sind weitere Standorte des Gründungsnetzwerkes.
„Wir arbeiten gegen einen Nachholbedarf an, der sich aus der großindustriellen Prägung der Stadt und der Region erklärt“, betonte Schnepper bei der Vorstellung der Zahlen. Denn die Selbstständigenquote in der ehemaligen Montanmetropole Gelsenkirchen, in der lange Großunternehmen für Beschäftigung und Wohlstand sorgten, ist mit acht Prozent (2013) unterdurchschnittlich. Im Münsterland beträgt sie 9,8 Prozent, in der Emscher-Lippe-Region 9,4 Prozent.
Die aktuellen Zahlen über das Gründungsgeschehen in Gelsenkirchen deuten darauf hin, dass sich an der Situation in nächster Zeit kaum etwas ändern wird. Seit Jahren geht die Zahl der echten Gründungen zurück - nach Berechnungen des Institutes für Mittelstandsforschung von 1.674 im Jahr 2011 auf 1.082 im Jahr 2015. In echten Gründungen sind zum Beispiel Umwandlungen von bestehenden Firmen oder Gründungen von Zweigniederlassungen herausgerechnet.
Der Rückgang zeigt sich auch in den Zahlen des Startercenters. „Für 2016 deutet sich hochgerechnet ein Minus von 13 Prozent bei den Beratungsgesprächen an“, gab Schnepper bekannt.
Dieser deutliche Rückgang in Gelsenkirchen sei aber weder eine Überraschung noch ein Grund, Alarm zu schlagen, unterstrich er. In Gelsenkirchen spiegele sich der Bundestrend. Die ausgezeichnete Beschäftigungslage sorge überall in Deutschland für Zurückhaltung in der Gründerszene. „Je mehr sichere Jobs der Arbeitsmarkt bietet, umso geringer ist die Neigung, sich selbstständig zu machen“, erklärt Schnepper den Mechanismus. Dazu schlage die demografische Entwicklung auch auf die Unternehmerschaft durch. Bis 2030 sinkt laut Prognosen in der Emscher-Lippe-Region die Zahl der Selbstständigen um 5.400. Die Nachfolgeproblematik verschärfe sich. Schnepper: „Für viele Unternehmen werden schon heute Nachfolger gesucht, weil die Chefs zu alt werden.“
Wege und Projekte zur weiteren Förderung des Gründungsgeschehens in Gelsenkirchen zeigte Wirtschaftsförderer Rainer Schiffkowski auf. Mit der in der letzten Woche erfolgten Gründung der Ruhr-HUB GmbH schlossen sich sechs Städte zusammen, um die Metropole Ruhr als Standort für digitale Wirtschaft attraktiv zu machen. Das Förderprojekt „Die Ideen liegen auf dem Campus“ der WIN Emscher-Lippe GmbH laufe bereits seit Mai 2016. Und aktuell befinde man sich in der Bewerbungsphase für die „Start-up Innovationslabore NRW“, einem Verbundprojekt regionaler Hochschulen mit dem Ziel, nachhaltige Unterstützungsstrukturen für Gründerinnen und Gründer sowie junge Start-ups zu schaffen. Rainer Schiffkowski: „Vorrangig geht es bei allen Förderprojekten darum, unter den Studierenden einen Gründergeist zu wecken, der im besten Fall auf Gründungsaktivitäten hinausläuft.“