26. März 2015, 16:30 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
- Es gilt das gesprochene Wort -
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
lieber Dr. Lunemann,
eine Ratssitzung ist zu Ende gegangen, und wie so oft sind die meisten Fragen geklärt, während einige wenige noch weiter bearbeitet werden müssen und darum vorläufig offen bleiben. Ganz sicher ist heute aber eine Frage zu beantworten, auch wenn es etwas ungewohnt und fast schon sperrig über die Lippen geht: Ja, mit dem heutigen Sitzungstag ist eine sehr intensive und arbeitsreiche, aber auch spannende Zeit an ihr Ende gekommen. Es schließt sich ein Kreis von fünf Jahren, denn wir haben heute tatsächlich zum letzten Mal erlebt, dass Georg Lunemann als unser Kämmerer auf der Vorstandsbank Platz genommen hat.
Um ein Haar hätte ich nun, lieber Herr Dr. Lunemann, an dieser Stelle gesagt, was man zu Stellenwechseln so sagt: Dass Sie diese Position – die Sie über Jahre mit viel Geschick und Engagement ausgefüllt haben – nun leider verlassen, weil Sie sich nach einem halben Jahrzehnt an einem Ort eben eine neue Herausforderung suchen. Vielleicht ist das ja auch nicht komplett falsch. Vielleicht gehört der Reiz des Neuanfangs mit zu den Motiven, die Sie bewogen haben, sich wieder zurück ins Münsterland zu orientieren.
Aber, um ehrlich zu sein: Ich bezweifle es doch, ob der Satz von der „Herausforderung“ wirklich den Sachverhalt trifft. Nicht, weil Ihre neue Aufgabe auf die leichte Schulter zu nehmen ist. Sondern weil ich der Auffassung bin – und ich kann mir gut vorstellen, dass sich das mit Ihrer Erfahrung deckt –, dass die Suche nach der Herausforderung nicht mehr wirklich der Punkt sein kann, wenn man diese hier gemeistert hat. Denn in einer Großstadt im Ruhrgebiet für die Aufstellung des Haushalts zuständig zu sein, dazu das nicht eben unkomplizierte Management der Fremdfinanzierung, außerdem die Personalentwicklung einer großen Verwaltung unter den gegenwärtigen demografischen Entwicklungen, nicht zuletzt noch die Feuerwehr oder aber Ihr Engagement als Leiter des Krisenstabs: In der Summe ist das schon ein besonderes Aufgabengebiet, das Sie auch in stürmischen Zeiten - und das ist mit Blick auf den Pfingststurm ELA sehr wörtlich gemeint - gemeistert haben. Ich bin mir nicht sicher, ob Anspruch und Pensum noch herausfordernder werden können…
Die vergangenen fünf Jahren haben uns gezeigt: Ein guter Kämmerer zeichnet sich durch Sachverstand und Augenmaß aus, aber auch durch ein erhebliches Maß an Sportsgeist. Von Beginn an haben Sie sich für diese Stadt ins Zeug gelegt – nicht wie ein zugereister Westfale, sondern wie ein echter Gelsenkirchener. Und wer bei Ihrem Tempo und Engagement mitwollte, der kam ins Schwitzen. Buchstäblich. Jedenfalls ist es mir noch sehr präsent, als wir beide wiederholt zusammen mit der Feuerwehr für den guten Zweck schwitzten, Sie auf dem Laufband, ich auf dem Fahrrad, heftig in die Pedale tretend, weil ich Sie mit Ihrem sportlichen Ehrgeiz nicht allein lassen wollte…
Diese Einsatzbereitschaft nicht nur beim Sport hat vielen von uns imponiert, und unsere Stadt hat von ihr profitiert. Das Gleiche kann ich aber auch aber auch von Ihrer Bereitschaft und Fähigkeit zum Mannschaftsspiel sagen. Wir hatten schon bald eine sehr gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit etabliert und konnten uns jederzeit über sämtliche wichtige Fragen abstimmen. Und jederzeit heißt tatsächlich jederzeit, Whatsapp schläft ja nie. Mitunter wurde ich von meiner Frau sogar gefragt, mit wem ich denn jetzt um diese Zeit noch korrespondiere…
Diese faire und vertrauensvolle Zusammenarbeit zu allen Zeiten und auch über Parteigrenzen hinweg, die habe ich sehr geschätzt. Zumal es ja eine Phase war, in der der Gelsenkirchener Konsens nicht mehr durchgängig von allen größeren Fraktionen mitgetragen wurde. Aber für uns war der Dienst für die gemeinsame Sache, für die Stadt Gelsenkirchen doch wichtig – und das ist ja im Grunde genau das, was die kommunale Selbstverwaltung ausmacht.
Auf diese Weise ist es uns gelungen, die Interessen Gelsenkirchens gegenüber dem Land wie dem Bund offensiv zu vertreten – mit mehreren Stimmen, aber einer Haltung. Ich denke da an Ihr Engagement während der Koalitionsverhandlungen in Berlin, als wir darauf gedrungen haben, dass sich der Bund schon im Koalitionsvertrag klar darauf verpflichtet, endlich seine Verantwortung an der Eingliederungshilfe zu übernehmen. Was dann auch so geschehen ist, auch wenn die wortgerechte Umsetzung auf sich warten lässt. Oder an unseren Einsatz zur Unterstützung kommunaler Investitionen in bestimmten Regionen, der nun immerhin in ein Investitionspaket des Bundes mündete. Auch da zeigte sich: Dieses Engagement gegenüber den Entscheidungsträgern in Düsseldorf und Berlin war und ist absolut richtig, weil es wenig bringt, wenn wir uns nur vor Ort gegenseitig darin bestärken, dass eigentlich mehr Geld nötig ist.
Wenn ich nun die unterschiedlichen politischen Ebenen betrachte, dann darf ich jetzt anfügen: Vielleicht ist es gar nicht schlecht, dass der Landschaftsverband künftig einen Kämmerer hat, der aus Erfahrung weiß, unter welchen Anstrengungen die Städte die Verbands-Umlage aufbringen. Und der auch eine Vorstellung davon hat, wie nötig Investitionen vor allem in den Städten des Ruhrgebiets sind. In jedem Falle wünsche ich Ihnen, dass sich die Erwartungen und Hoffnungen, die Sie mit der neuen Position verbinden, auch erfüllen. Und selbstverständlich danke ich Ihnen ganz herzlich für Ihr großes Engagement als Kämmerer der Stadt Gelsenkirchen! Und zu diesem Dank gehört ein Gruß, den Sie hoffentlich nicht bald aus dem Ohr verlieren: Glück auf!