Theater/Ballett, 30. Dezember 2026, 19:00 Uhr, Musiktheater im Revier (MiR) - Großes Haus
Wozzeck schaut auf – denn vom Boden der Gesellschaft bleibt nur der sehnsüchtige Blick nach oben. Fast obsessiv betrachtet er die Menschen um sich herum, die all das zu haben scheinen, wovon er nur träumen kann. Eingezwängt zwischen Vorgesetzten, die ihn drangsalieren, getrieben von einem Gefühl der Minderwertigkeit und einer beständigen Angst, seine Partnerin Marie könnte ihn betrügen, scheint Wozzeck wie ein menschliches Pulverfass, das geradezu zwangsläufig irgendwann explodieren wird.
Der Mensch wird von seinen Lebensbedingungen (mit-)geformt. Doch kann eine Gesellschaft, die das Recht des Stärkeren zur brutalen Maxime erhoben und sich die Humanität aus dem eigenen Wertesystem herausgeschnitten hat, nur monströse Täter hervorbringen? Hebt das Leben in einem erbarmungslosen System die Frage nach individueller Verantwortung auf? Ilaria Lanzino, die für Bergs „Wozzeck“ erstmals am MiR zu Gast ist, macht immer wieder mit Inszenierungen auf sich aufmerksam, die vertraute Stoffe in ebenso klugen wie außergewöhnlichen Lesarten zeigen. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von John Warner, der mit Bergs komplexer Partitur seinen Einstand als Erster Kapellmeister gibt.