Ausstellung, 02. Juli 2026 - 06. November 2026, Wissenschaftspark
Die direkten Perspektiven freier Fotografinnen und Fotografen auf das Ruhrgebiet sind das Markenzeichen des Pixelprojekt_Ruhrgebiet. In diesem Jahr werden 22 neue Fotoserien von ebenso vielen Fotograf*innen das einzigartige digitale fotografische Gedächtnis der Region erweitern. Die Sammlung startete 2003 aus einer Initiative freier Fotograf*innen heraus. Seitdem werden einmal pro Jahr ausgewählte Neubewerbungen durch eine Jury von anerkannten Kunst-, Fotografie- und Regionalfachleuten in das Projekt aufgenommen. Dann sind über 12.000 Fotografien in über 657 Serien auf der Plattform im Internet unter www.pixelprojekt-ruhrgebiet zu sehen.
Die „Neuaufnahmen 2025/2026“ werden vom 2. Juli bis 6. November 2026, montags bis freitags von 8 bis 17.30 Uhr, im Wissenschaftspark Gelsenkirchen im Original ausgestellt. Die Eröffnung der Ausstellung findet am Donnerstag, 2. Juli, um 18:30 Uhr, statt. Der Eintritt ist frei.
Die Arbeiten reichen von historischen Bildern aus den 1970er und 1980er Jahren bis zu aktuellen Serien. Sie erzählen von Architektur, Natur, Städten und Dörfern und den Menschen, die darin arbeiten und leben. „Die Bildideen der Fotograf*innen spiegeln den künstlerischen Umgang mit Inhalten in der jeweiligen Zeit. Es entsteht nach und nach nicht nur ein regionales fotografisches Gedächtnis, sondern auch ein Abriss der aktuellsten Fotogeschichte“, sagt Peter Liedtke, der das Projekt 2002 startete.
Einige der Serien drehen sich um Natur. Zweimal hingucken muss man bei Uwe Bedenbecker, der optische „Naturfakes“ in seiner Serie „Stadtnatur – Stattnatur“ gekonnt in Szene gesetzt hat. Fred Hüning hat mit seiner Serie „HAFEN DORTMUND – RASENSTÜCK RE-COMPOSED“ in Anlehnung an Dürers „Das große Rasenstück“ eine zufällig entdeckte lange Mauer Stück für Stück im Detail fotografisch verewigt. Natur- und Dorfidylle zeigen die Werke von Michael Kühner in der Serie „Breckerfeld“ als eine besondere Facette der Region. Haiko Hebig dokumentiert in der Serie „Welche Kokerei?“ die Transformation des Geländes und des Umfelds der Kokerei Hansa für die Internationale Gartenausstellung 2027.
Entlang der Flussläufe im Ruhrgebiet bewegen sich zwei Serien. Kageaki Inoue hat die Landschaft entlang der Emscher-Insel zwischen Castrop-Rauxel und Oberhausen in „The Emscher Chronicle“ festgehalten. Michael Schultz findet Ruhiges und Unvermutetes entlang des Rhein-Herne-Kanals in der Serie „Von Bottrop nach Duisburg“.
Die Serie von Dirk Krüll aus dem Jahr 1986 „Camping Szene an der Ruhr“ erinnert an diedamalige Freizeitgestaltung am Baldeneysee. Aktuelle Freizeitszenerien steuert Katharina Kemme mit ihrer Serie „Pool Notizen“ aus dem Grugabad in Essen bei.
Weitere Erinnerungen an die Arbeitswelt sind mit den 1970 entstandenen Fotografien von Wolfgang Schreier in der Serie „Textilindustrie im östlichen Ruhrgebiet“ hinzugekommen. David Eicher kombiniert historische und aktuelle Szenen in einem fotografischen Projekt über Arbeit, Fortschrittsgläubigkeit und schleichenden Bedeutungsverlust des Menschen in der Serie „LOST?“.
1979 entstand die Serie „Stadtlandschaft Ruhrgebiet“, mit der Wendelin Bottländer Veränderungen durch die Industriewelt im Alltäglichen einfing. Die Serie „Raumstation Ruhr“ von Jens Sundheim weist auf den utopischen Gehalt architektonischer Großstrukturen der 1960erund 1970er-Jahre hin.
Historische Architekturfotografie bringt Michael Rasche mit der bis 2020 entstandenen Serie „Rathaus Marl – Innenansichten“ ein. In der Serie „Averdunk Island“ erkundet Ravi Sejk ein 1983 erbautes Einkaufszentrum 40 Jahre später mit den Augen eines Urlaubsfotografen inklusive Portraits scheuer Inselbewohner*innen.
Havva Ayvalik hat in der Serie „Artists Portraits“ Begegnungen mit Künstlern und Künstlerinnen aus dem Ruhrgebiet mit einer Polaroid-Kamera fotografisch gestaltet. Mit der Serie „Performances im Museum“ hat Ursula Kaufmann Tänzerinnen und Tänzer des Folkwang Tanzstudios
fotografisch begleitet.
Mehrere Serien thematisieren den Wandel bei Orten der Begegnung. Cornelia Wimmer fragt mit der Serie „Die erschöpfte Stadt“ nach Orten des geplanten wie zufälligen Zusammentreffens außerhalb von Erlebnisgastronomien und temporären Events. In der Serie „Kultur ist Hoffnung auf
eine bessere Zukunft“ beschreibt Piet Hesselmann die Umnutzung der Kirche St. Gertrud in der Essener Innenstadt zu einem Zentrum für Kultur, Bildung und Begegnung.
Und in „The Great Good Place“ zeigt Steffen Walter einen dritten Ort, soziale Räume und Rückzugsorte in einem unmittelbaren Lebensumfeld. Die Serie „Die Litterode stirbt.“ von Beatrix Dietrich-Gromotka hingegen dokumentiert, wie sich Mieter in Essen-Leithe vergeblich gegen den Abriss einer Arbeitersiedlung aus den 1930er Jahren wehrten.
Zwei der neuen Serien haben das Ruhrgebiet bei Nacht erkundet: Christian Westphalen war von 1993 bis 1996 in „Dortmund bei Nacht“ mit Farbnegativfilmen unterwegs. Nora Flock hat mit Langzeitbelichtungen in der Serie „Night Walk“ eine einzelne Person auf dem nächtlichen Heimweg begleitet und so einen Schwebezustand zwischen Freiheit und Schauder erfasst.
Die gesamte Sammlung des Regionalportraits ist im Internet unter www.pixelprojekt-ruhrgebiet.de zu sehen. Pixelprojekt_Ruhrgebiet wurde 2003 auf Initiative von damals 26 freien Fotograf*innen gegründet. Das Projekt ordnet die Bildserien, die im Laufe von Jahrzehnten als Produkt der seriellen Auseinandersetzung einzelner Fotograf*innen mit Themen der Region entstanden sind, bringt sie in eine thematische und chronologische Struktur und macht sie auf einer Internetseite überhaupt erst sichtbar.
Dieser Termin ist kostenfrei.