Vortrag, 11. November 2015, 18:00 Uhr - 20:00 Uhr, Bildungszentrum
Das Ruhrgebiet bildet heute eine der dichtesten und vielfältigsten Wissenschaftslandschaften der Welt. Dies ist nicht nur das Ergebnis einer gezielten Wissenschafts- und Ansiedlungspolitik im Zeichen der Strukturförderung während des letzten Drittels des 20. Jahrhunderts. Vielmehr gehört Wissenschaft, gehören wissenschaftliche Einrichtungen bereits seit der Hochindustrialisierung, also seit der Entstehung des Ballungsraums Ruhrgebiet, untrennbar zur Region.
Eine öffentliche Vortragsreihe „Wissenschaftsgeschichte des Ruhrgebiets“ nimmt Entwicklungen, Strukturen, Institutionen und Akteure der regionalen Wissenschaftsgeschichte in den Blick. Die Vortragsreihe wird getragen von der sogenannten Forschungsplattform „Wissenschaftsgeschichte des Ruhrgebiets“ im Wissenschaftsforum Ruhr e. V. und der Universitätsallianz Ruhr. Das Gelsenkirchener Institut für Stadtgeschichte, das auch Mitglied im Wissenschaftsforum Ruhr als Organisation von schon 46 außeruniversitären Forschungseinrichtungen ist, ist einer den Initiatoren der Reihe.
Wilhelm Brepohl dürfte noch einigen Gelsenkirchenern bekannt sein: Lange Jahre war er Chefredakteur der "Gelsenkirchener Allgemeinen Zeitung", er verfasste so manchen Artikel zur Gelsenkirchener Stadtgeschichte und jedem, der sich mit der Entwicklung des Ruhrgebiets beschäftigt, begegnen Wilhelm Brepohl, seine "industrielle Volkskunde" und vor allem das von ihm beschriebene "Ruhrvolk". Seine Bücher "Der Aufbau des Ruhrvolkes im Zuge der Ost-West-Wanderung" (1948) "Industrievolk im Wandel von der agraren zur industriellen Daseinsform, dargestellt am Ruhrgebiet" (1957) gelten als frühe Darstellungen zur Einheit der Region und zum regionalen Selbstbewusstsein. Zeitungen nannten den 1975 verstorbenen Wilhelm Brepohl "Vater des Ruhrvolks".
Weniger bekannt sind der Lebensweg Wilhelm Brepohls und der Entstehungszusammenhang seiner Darstellungen des Ruhrgebiets und der Menschen in der Region: Brepohl kam über die Heimatbewegung zur Volkstums- und Kulturbodenforschung, die z.T. konservative Kulturkritik, Verklärung eines idealisierten Deutschtums und auch rassistische Vorstellungen aber auch z.T. innovative sozialwissenschaftliche Methoden miteinander verband. Mit seiner 1935 in Gelsenkirchen gegründeten "Forschungsstelle für das Volkstum im Ruhrgebiet" diente er sich im "Dritten Reich" den Nationalsozialisten an. Seine bekannten Bücher der Nachkriegszeit knüpften schließlich an seine vorher gewonnenen Einschätzungen an.
Referent der Veranstaltung ist Herr Prof. Dr. Stefan Goch, Institut für Stadtgeschichte
Dieser Termin ist kostenfrei.