30. Oktober 2026, 08:09 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
TRIMET senkt CO₂-Emissionen am Standort Gelsenkirchen um 25 Prozent. Bildrechte: Wirtschaftsförderung Gelsenkirchen
Ein wichtiger Schritt für eine zukunftsfähige Industrie in Gelsenkirchen: Die TRIMET Aluminium SE hat die Energieversorgung ihres Recyclingwerks im Stadthafen auf wasserstoffreiches Industriegas umgestellt. Durch den Einsatz von Kokereigas aus dem benachbarten Bottrop kann das Unternehmen seine direkten CO₂-Emissionen am Standort um rund 4.000 Tonnen jährlich reduzieren. Das entspricht etwa einem Viertel der bisherigen Emissionen. Die neue Energieversorgung wurde heute offiziell in Betrieb genommen.
„Eine starke heimische Industrie braucht eine leistungsfähige Grundstoffproduktion. Aluminium spielt dabei eine wichtige Rolle. Umso wichtiger ist es, diesen Werkstoff hierzulande wettbewerbsfähig und klimaschonend herzustellen“, sagt Dr. Andreas Lützerath, Mitglied des Vorstands der Trimet Aluminium SE. „Dazu müssen wir die Möglichkeiten unserer Industriestandorte konsequent nutzen. Mit dem Einsatz von Industriegas schaffen wir Synergien, schonen Ressourcen und vermeiden Emissionen.“
Das Kokereigas entsteht bei der Koksherstellung im Werk von ArcelorMittal in Bottrop und enthält mehr als 60 Prozent Wasserstoff. TRIMET bezieht den Energieträger von Uniper Energy Sales und nutzt ihn zur Erzeugung der Prozesswärme für die Schmelzöfen. Für den Transport kann weitgehend die bestehende Gasinfrastruktur genutzt werden. Lediglich für den Anschluss des Recyclingwerks im Gelsenkirchener Stadthafen war eine rund 700 Meter lange neue Versorgungsleitung erforderlich.
Auch aus Sicht der städtischen Wirtschaftsförderung ist das Vorhaben ein wichtiges Signal für den Industriestandort Gelsenkirchen. Die Umstellung der Energieversorgung ist Teil einer umfassenden Modernisierung des Recyclingwerks, das TRIMET in den vergangenen drei Jahren erweitert und technisch weiterentwickelt hat. Die jährliche Produktionskapazität wurde dabei um rund 20 Prozent auf 70.000 Tonnen Recyclingaluminium gesteigert.
„Die Investitionen von TRIMET zeigen, wie sich industrielle Produktion und Klimaschutz miteinander verbinden lassen. Für Gelsenkirchen ist es wichtig, dass Unternehmen ihre Standorte weiterentwickeln, in moderne Technologien investieren und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken. Die Nutzung vorhandener industrieller Ressourcen und Infrastrukturen bietet dafür große Chancen. Solche Projekte leisten einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung unseres Wirtschaftsstandorts“, sagt Wirtschaftsförderungsdezernent Dr. Christian Klicki.
Neben der Umstellung auf wasserstoffreiches Industriegas setzt TRIMET auf weitere Maßnahmen für eine effizientere Energieversorgung. Eine Photovoltaikanlage mit einer maximalen Leistung von mehr als 600 Kilowatt erzeugt auf rund 3.000 Quadratmetern Strom für den Eigenbedarf. Darüber hinaus plant das Unternehmen, industrielle Abwärme künftig für das öffentliche Fernwärmenetz der Stadt Gelsenkirchen nutzbar zu machen.
Durch den hohen Wasserstoffanteil verursacht Kokereigas bei der Verbrennung deutlich weniger CO₂-Emissionen als fossiles Erdgas. Zugleich schafft die Umstellung die technischen Voraussetzungen, die Schmelzöfen perspektivisch vollständig mit Wasserstoff zu betreiben, sobald dieser zu wirtschaftlich tragfähigen Bedingungen verfügbar ist.
Das Projekt verdeutlicht das Potenzial der Zusammenarbeit innerhalb der Industrieregion Ruhrgebiet. Die Nutzung des in Bottrop entstehenden Kokereigases in Gelsenkirchen verbindet industrielle Ressourcen und bestehende Infrastruktur über Stadt- und Unternehmensgrenzen hinweg. So werden Synergien zwischen energieintensiven Betrieben erschlossen und zusätzliche Möglichkeiten für eine ressourcenschonendere Produktion geschaffen.
TRIMET ist seit 1993 im Gelsenkirchener Stadthafen ansässig. Auf einem rund 23.000 Quadratmeter großen Grundstück verarbeitet das Unternehmen überwiegend regionale Aluminiumschrotte zu neuen Standard- und Speziallegierungen. Das Recyclingaluminium findet insbesondere in der Automobil-, Elektro- und Maschinenbauindustrie Verwendung.
Die Modernisierung des Werks und die Weiterentwicklung der Energieversorgung sind wichtige Bausteine für die Zukunft des Standorts. Sie tragen dazu bei, industrielle Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Gelsenkirchen zu sichern und die Produktion schrittweise klimafreundlicher auszurichten.
Im Bild von links nach rechts: Bernd Mensing (Geschäftsführer Gelsen-Log) , Simon Nowack (Stadtrat), Dr. Jelena Jojic-Nedeljkovic (Hauptbetriebsleiterin Stahlwerk ArcelorMittal Bremen, Standort Bottrop) , Dr. Andreas Lützerath (Vorstand der TRIMET Aluminium SE), 5. Markus Töns (Mitglied des Deutschen Bundestages), Dr. Christian Klicki (Vorstand Wirtschaftsförderung der Stadt Gelsenkirchen), Sebastian Watermeier (Landtagsabgeordneter)