09. März 2026, 18:47 Uhr | Sparkasse Gelsenkirchen
ELIX fällt weiter ab / Inlandsnachfrage sowie wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen bereiten große Sorgen / Wachstumsschwäche dämpft Investitionsplanung weiter / Exporterwartungen weiter rückläufig
Zum Jahresbeginn 2026 hat sich die Stimmung in der regionalen Wirtschaft weiter eingetrübt. Risiken und Unsicherheiten bestimmen das Konjunkturklima. Dieses Ergebnis zeigt sich auch im Emscher-Lippe-Index (ELIX) nach einer aktuellen IHK-Umfrage unter den heimischen Betrieben. Die Befragten beurteilen ihre Geschäftslage und die Erwartungen an die Geschäftsentwicklung weiterhin negativ. Der ELIX ist noch einmal gefallen und bleibt somit im Vergleich zum Durchschnitt der letzten zehn Jahre weiter im Tief.
Unternehmen bewerten Lage weiterhin kritisch
„Vor allem aufgrund der überdurchschnittlichen Bedeutung der energieintensiven Industrie und einer höheren Exportabhängigkeit bekommt die Region die internationalen Wettbewerbsnachteile besonders zu spüren“, berichtet Michael Hottinger, Leiter des Private Banking der Sparkasse Gelsenkirchen, die den ELIX in Kooperation mit der Industrie und Handelskammer Nord Westfalen herausgibt. Der ELIX ist im Vergleich zum Herbst 2025 noch einmal um vier Punkte auf nunmehr 77 Punkte gefallen. Damit vergrößert sich der Abstand zum langjährigen Durchschnitt von 101 Punkten weiter. „Auch die weniger breit aufgestellte Wirtschaftsstruktur ist eine Ursache für die schwache Konjunkturentwicklung“, so Sven Wolf, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Leiter des Standorts Emscher-Lippe der IHK Nord Westfalen in Gelsenkirchen.
Geschäftslage verharrt auf niedrigem Niveau
Wie schon im Herbst 2025 berichten Betriebe von schlecht laufenden Geschäften. Der Anteil der unzufriedenen Stimmen liegt in der aktuellen Umfrage außerordentlich hoch bei 40 Prozent. „Der Geschäftssaldo aus positiven und negativen Meldungen sinkt auf ein historisches Tief“, so Sven Wolf. Auch der Unterschied zum übrigen Ruhrgebiet, wo sich die Konjunktur insgesamt stabilisiert hat, wird immer größer. „Die Emscher-Lippe-Region droht wirtschaftlich ins Abseits zu geraten, hier gilt es gegenzusteuern – zügig, mutig und gemeinsam.“ Es brauche uneingeschränkte Vorfahrt für wirtschaftliche Entwicklung, so der stellvertretende Hauptgeschäftsführer.
Schwache Nachfrage und Wirtschaftspolitik als größte Risiken
Ein kleinerer Anteil von rund zehn Prozent der Unternehmen erwartet eine konjunkturelle Erholung in den nächsten Monaten. 60 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Entwicklung, weitere 30 Prozent sind eher pessimistisch. Aus Sicht der Unternehmen spricht offenbar Vieles für eine Fortsetzung der wirtschaftlichen Schwächephase. „Hauptgründe sind die schwache Inlandsnachfrage und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen“, so Michael Hottinger. Beide Konjunkturrisiken werden nochmals höher gewichtet als im Herbst 2025. Damals betrachteten 62 Prozent der Unternehmen die Inlandsnachfrage als Risiko, aktuell sind es 64 Prozent. Auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen werden häufiger als Risikofaktor genannt: Ihr Anteil stieg von 60 Prozent im vergangenen Herbst auf 63 Prozent Anfang 2026. Dahinter folgen die Arbeitskosten sowie die Energie- und Rohstoffpreise.
Vorsicht prägt Investitionsplanungen
„Die Investitionsschwäche ist noch nicht überwunden, die Unternehmen agieren weiter vorsichtig. Nur ein gutes Fünftel der Betriebe will die Ausgaben für Investitionen in den nächsten Monaten erhöhen“, so Konjunkturexperte Martin Westrich, stellvertretender Leiter des Private Banking der Sparkasse Gelsenkirchen. Außerdem fahren rund 38 Prozent der Unternehmen im Investitionsbereich weiter auf Sparkurs. Circa zwei Drittel aller Betriebe planen Ersatzbeschaffungen.
Exportaussichten bleiben schwach
Die Exportaussichten haben sich zwar im Vergleich zum letzten Jahr leicht erholt, der Außenhandel bleibt jedoch schwach. Die Betriebe gehen von weiteren Rückschlägen in den nächsten Monaten aus. 39 Prozent der Unternehmen erwarten sinkende Exporte. Geo- und handelspolitische Verwerfungen machen der stark exportorientierten Wirtschaft besonders zu schaffen. „Der Iran-Krieg mit seinen aktuell nicht absehbaren Folgen zum Beispiel auf den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus ist hier noch gar nicht eingepreist“, ordnet Wolf die Zahlen ein. Das Ergebnis der Umfrage spiegelt sich auch in den amtlichen Statistiken: Im vergangenen Jahr waren die Auslandsumsätze der Industrie deutlich gesunken.
Arbeitsmarkt gerät zunehmend unter Druck
Der Arbeitsmarkt in der Emscher-Lippe-Region ist erkennbar unter Druck. „Der Beschäftigungssaldo ist weiter gesunken und liegt aktuell bei minus 36 Punkten. 43 Prozent der Betriebe wollen ihre Belegschaftsstärke reduzieren, lediglich sieben Prozent aufstocken“, resümiert Sven Wolf. Neben der weiterhin fehlenden wirtschaftlichen Dynamik dämpfen hohe Arbeitskosten die Einstellungsbereitschaft.
Insgesamt war die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse bis Ende Juni 2025 (aktuellster Wert) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum noch leicht gestiegen (plus 0,4 Prozent auf insgesamt 300.865). Die Zahl der Arbeitslosen lag mit knapp 56.000 im Januar 2026 rund ein Prozent über dem Vorjahreswert.
Insgesamt bleibt die wirtschaftliche Lage in der Emscher-Lippe-Region angespannt und eine spürbare Erholung ist kurzfristig nicht in Sicht. Schwache Inlandsnachfrage, unsichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und verhaltene Exportaussichten bremsen Investitionen und Beschäftigungsausbau. Umso wichtiger sind verlässliche Rahmenbedingungen und gezielte Impulse, damit Unternehmen wieder mehr Planungssicherheit gewinnen und notwendige Investitionen tätigen können. Nur so kann es mittelfristig gelingen, die Wettbewerbsfähigkeit der Region zu stärken und den Konjunkturaufschwung nachhaltig zu unterstützen.
Über den ELIX
Zweimal im Jahr gibt das Private Banking der Sparkasse Gelsenkirchen gemeinsam mit der IHK Nord Westfalen den ELIX heraus, ein regionales Konjunktur- und Stimmungsbarometer für die Emscher-Lippe-Region. Datengrundlage ist eine Befragung der IHK Nord Westfalen von rund 80 repräsentativ ausgewählten Mitgliedsunternehmen zur momentanen wirtschaftlichen Lage und zu ihren Zukunftserwartungen. Die Daten des ELIX‘ zeigen nicht nur eine Momentaufnahme, sondern ermöglichen auch eine Darstellung der langfristigen Trends.