15. Januar 2026, 10:58 Uhr | Westfälische Hochschule
Das Projekt des Alfred-Zingler-Hauses wird durch unter Leitung von Prof. Dr. Kerstin Ettl durch die Westfälische Hochschule begleitet.. Bildrechte: WH/Britta Stock
Einsamkeit galt lange Zeit als ein Problem des hohen Alters, doch insbesondere seit der Coronapandemie rückt immer mehr ins öffentliche Bewusstsein, dass sie Menschen jeden Alters betreffen kann. Derzeit läuft mit „Q.Vision! – von Mensch zu Mensch“ der Initiative Alfred Zingler-Haus e.V. ein von der deutschen Fernsehlotterie gefördertes sozialintegratives Projekt in den Stadtteilen Bulmke-West, Schalke-Ost und Altstadt. Ziel ist es, den Menschen vor Ort zu begegnen. Dank einer Förderung der Commerzbankstiftung wird das Vorhaben wissenschaftlich durch die Westfälische Hochschule begleitet.
Einsamkeit und soziale Isolation stellen vor allem in Städten zunehmende Probleme dar – mit negativen gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen für die Betroffenen. Unter dem Titel „Q.Vision! – von Mensch zu Mensch“ setzt sich der Verein Initiative Alfred Zingler-Haus e.V. gezielt dafür ein, Einsamkeit in den drei Stadtteilen entgegenzuwirken. Konkret bedeutet das: Geschulte Ehrenamtliche aus der Nachbarschaft gehen aktiv auf Menschen zu, die durch soziale Isolation besonders gefährdet sind. Durch aufsuchende Sozialarbeit wird ein persönlicher Kontakt hergestellt und Teilhabe am gemeinschaftlichen Leben ermöglicht.
Eine erste wichtige Maßnahme ist ein neues Frühstücksangebot im Alfred-Zingler-Haus, das seit Mitte Oktober alle zwei Wochen stattfindet. Hier sind alle eingeladen, die sich mehr sozialen Austausch wünschen – bei einer Tasse Kaffee und einem gemeinsamen Frühstück entstehen neue Begegnungen und Freundschaften ganz ohne Barrieren. Edeltraud Papke betreut das Angebot und freut sich über die positive Entwicklung: „Die Besucherinnen und Besucher tauschen Tipps aus und informieren sich über Angebote in den Stadtteilen, auch ich erfahre dabei noch Neues. Man lernt sich auch schnell näher kennen und spricht über zwischenmenschliche Dinge miteinander, die einen bewegen.“
Das Frühstücksangebot soll aber selbstverständlich nicht die einzige Maßnahme des Projekts bleiben, wie Andreas Browa von der Initiative erläutert: „Im Zentrum des Projekts steht von Anfang an die Frage: Wie erreichen wir von Einsamkeit und sozialer Isolation betroffene Menschen und Personengruppen mit unseren Angeboten? Angebote im Quartier sind für unterschiedliche Zielgruppen bereits vorhanden, sie lassen sich in Fällen, in denen eine verfestigte Einsamkeitsbelastung vorliegt, oft nur nicht vermitteln. Mit Einrichtungen und Organisationen aus den drei Stadtteilen arbeiten wir derzeit daran, Wege zu finden, wie wir schwer erreichbaren Menschen in ihrem Alltag begegnen, ihnen Angebote näherbringen und sie wieder für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben aktivieren können.“ Ideen sind vorhanden, was davon organisationsübergreifend gemeinschaftlich umgesetzt werden kann, daran wird derzeit gearbeitet.
Weitere Stadtteile können profitieren
Begleitet wird das Projekt des Alfred-Zingler-Hauses durch ein Forschungsteam der Westfälischen Hochschule unter Leitung von Prof. Dr. Kerstin Ettl und gefördert durch die Commerzbank. Unter dem Namen „Q.Transfer! – von Quartier zu Quartier“ untersuchen die Forschenden die Wirksamkeit der Maßnahmen, analysieren aber auch die Situation vor Ort. Erste Ergebnisse einer Quartiersbefragung, die Einblicke in die Lebenssituationen, Kontaktmöglichkeiten und Wünsche von Bewohnerinnen und Bewohnern im Stadtteildreieck Bulmke-West, Schalke-Ost und Altstadt gibt, wurden bereits
Im weiteren Verlauf des Projekts werden die Erkenntnisse aufgearbeitet und in einem „Werkzeugkoffer“ zusammengestellt, der es ermöglichen soll, erfolgreiche Maßnahmen und Strategien auch auf andere Städte und Stadtteile zu übertragen. „Einsamkeit ist kein individuelles, sondern ein gesellschaftliches Thema. Durch die Projekte schaffen wir konkrete Ansätze, soziale Teilhabe zu fördern und das Miteinander zu stärken“, betont Prof. Ettl. „Wichtig ist, dass wir die Perspektiven der Menschen vor Ort ernst nehmen und gemeinsam mit ihnen Wege entwickeln, um soziale Isolation nachhaltig zu verringern.“