21. August 2008, 15:09 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Die Halbzeitpause von Politik und Verwaltung in den Sommerferien war gut, um einmal durchzuatmen. Jetzt gilt es, die zweite Halbzeit offensiv anzugehen. Einiges ist bereits erreicht, vieles auf den Weg gebracht, aber eine Menge auch noch zu tun.
Was konkret davon noch in diesem Jahr in Angriff genommen wird, habe ich am Dienstag, 19. August 2008, in einem Zehn-Punkte-Plan der Öffentlichkeit vorgestellt. Bildung, soziale Stabilität und Stadtumbau sind dabei die zentralen Felder, auf die wir unsere Investitionen konzentrieren.
Weiterhin werden wir dabei gewaltige Anstrengungen - auch finanzieller Art - unternehmen, die für eine Stadt mit der Problemlage Gelsenkirchens nicht selbstverständlich sind. Aber jede Investition in diesen Feldern ist eine Investition in die Zukunft unserer Stadt. Wenn die Weichen jetzt nicht richtig gestellt sind, fährt der Zug aufs Abstellgleis.
Sind Sie neugierig geworden? Dann lesen Sie hier über unseren Arbeitsplan bis zum Jahresende, der eigentlich den Rahmen meiner Kolumne sprengt. Aber wir haben eben auch viel vor.
Das wollen wir tun:
1. Kinderbetreuung ausbauen.
Die Betreuung für unter Dreijährige werden wir weiter ausbauen. Wir wollen, dass bis zum Jahresende schon 800 Betreuungsplätze bereit stehen und wir eine Versorgungsquote von über 12 Prozent erreichen. Anfang des Jahres hatten wir noch 516 Plätze. Es darf einfach nicht sein, dass die soziale Herkunft eines Kindes über dessen Zukunftschancen entscheidet. Eine Stadt mit der besonderen sozialen Situation Gelsenkirchens ist daher noch dringender gefordert, möglichst frühzeitig gegenzusteuern und den Familien zur Seite zu stehen.
2. Bildungsbüro einrichten.
Wir werden erstmalig ein Büro schaffen, das all die städtischen Bildungsangebote verzahnt und aufeinander abstimmt. All die Möglichkeiten, die es in Gelsenkirchen gibt, werden damit für Sie übersichtlicher und leichter zugänglich.
3. Schulen sanieren.
Bis zum Jahresende werden wir rund 11 Millionen Euro für Bauarbeiten in unseren Schulen ausgeben. Vieles wurde schon in den Sommerferien erledigt, aber in den Herbstferien geht es weiter. Diesen konsequenten Weg für mehr Bildung und Chancengleichheit wird Gelsenkirchen fortsetzen.
4. Angebote für Senioren, Hilfe für Pflegebedürftige bündeln.
In der Vattmannstraße 2 - 8 (ehemaliges Versorgungsamt) wird ein barrierefreies und nutzerfreundliches Zentrum für Senioren und Schwerbehinderte entstehen, in dem diese alle für sie wichtigen Dienstleistungen aus einer Hand erhalten. Die entsprechenden Teile der Verwaltung werden bis zum Jahresende dorthin umziehen. Darüber hinaus werden auch kirchliche und freie Dienste mit einem Büro vor Ort vertreten sein. Und in einem dritten Schritt schließlich soll das Zentrum zu einem lebendigen Forum für ältere Mitmenschen werden, die mit daran arbeiten wollen, dass Gelsenkirchen eine seniorengerechte Stadt wird. Auch das ist ein Stück Zukunft. Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir immer älter werden. Und auch dann an unserer Stadt ohne zusätzliche, menschengemachte Behinderungen partizipieren wollen!
5. Kontinuität sichern.
Wir haben die notwendigen Schritte eingeleitet, damit bis zum Jahresende die Vakanz an der Spitze der GELSENDIENSTE endlich besetzt ist.
6. Buersche Innenstadt stärken.
Wir werden dank der angekündigten Förderung durch die Landesregierung NRW eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben, die uns die Entwicklungsmöglichkeiten rund um den Schauburg-Filmpalast analysieren wird. Wir alle wollen, dass der Kino-Standort erhalten, gegebenenfalls ausgebaut und um angemessene kulturelle Angebote erweitert wird. Was konkret machbar ist, wird uns die Studie zeigen. Die Hotelruine an der unteren Hochstraße wird endlich fertig gestellt. Hier entstehen barrierefreie Wohnungen für Senioren. Und schließlich soll die Belebung der Domplatte durch weitere Gespräche mit dem Investor Formen annehmen.
7. Einwohner gewinnen.
Viele Neubauquartiere sind bereits auf den Weg gebracht. Noch in diesem Jahr sollen die Bauarbeiten für das hochwertige Mehrgenerationen-Wohnprojekt am Schloss Horst beginnen. Dadurch wollen wir gezielt Wohnraum schaffen, um Leistungsträger in Gelsenkirchen zu halten - und neue zu gewinnen.
8. Historische Bausubstanz restaurieren.
Der Lahrshof in Bismarck, ein historisches Fachwerkhaus und Schauplatz eines der wichtigsten Gesundheitsvorsorgeprojekte der Region, ist durch Käferbefall akut gefährdet und wird aufwändig saniert - u. a. im Rahmen eines Qualifizierungsprojekts durch Jugendliche. Alle Angebote des Gesundheitshauses Bismarck werden währenddessen fortgeführt.
9. Bürger anstiften.
Wir wollen bis zum Jahresende die Gelsenkirchener Bürgerstiftung gegründet haben. Zusammen mit der MiR-Stiftung haben wir dann eine zeitgemäße Stiftungsstruktur in unserer Stadt. Mein Wunsch wäre es, dass sich möglichst viele Bürger in der Stiftung einbringen, die Projekte in der und für die Stadt unterstützen wird.
10. Soziale Brennpunkte entschärfen.
Um ein reibungsloses Zusammenleben in einer Großstadt zu gewährleisten, muss jeder von uns ein Mindestmaß an Rücksicht auf den anderen nehmen. Nicht immer hat das in der Vergangenheit an jedem Ort der Stadt geklappt. Als Konsequenz hat der Rat der Stadt Gelsenkirchen im Frühjahr in einer ordnungsbehördlichen Verordnung Regeln für den öffentlichen Raum aufgestellt. Dabei ist natürlich auch klar, dass viele der unerwünschten Erscheinungen Symptom für weiter gehende soziale Probleme sind. Und die kann man nicht per Platzverweis wegschicken. Daher werden wir mit verschiedenen Trägern auch professionelle Hilfe anbieten.
Sie merken: Wir haben uns viel vorgenommen. Und auch wenn vielleicht nicht immer alles schon so läuft, wie man es sich vorstellt: Es passiert etwas!
Es grüßt Sie herzlich aus dem Rathaus
Ihr
Frank Baranowski