03. September 2008, 11:49 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Wenn 20.000 Besucher in den Stadtgarten strömen, um einen tollen, erlebnisreichen, aber auch informativen Tag rund um das Thema „Familie" zu verbringen, dann darf man wohl schon ein wenig stolz sein und sagen, dass der 4. Gelsenkirchener Familientag am vergangenen Sonntag ein voller Erfolg war.
Ich konnte mich selbst davon überzeugen: Der Stadtgarten an der Zeppelinallee war schwarz vor lauter Menschen. Na ja, eigentlich war er viel eher bunt: Denn gekommen waren alte und - natürlich - ganz junge Menschen, Gelsenkirchener mit und ohne deutschen Pass, Menschen, die in „wilden Ehen" leben und solche, die es nicht ganz so wild mögen, Alleinerziehende und gleichgeschlechtliche Lebenspartner. So bunt und vielfältig ist Familie heute, so bunt und vielfältig ist Gelsenkirchen.
Alle Besucher aber einte eines: Sie tragen Verantwortung für eine andere Generation; meistens die nachfolgende, die Kinder, immer öfter aber auch für die vorhergehende. Familie ist - in welchen Konstellationen auch immer - da, wo Kinder sind. Familie ist aber auch da, wo pflegebedürftige Eltern sind. Generationenzusammenhalt funktioniert in beide Richtungen. Beides ist enorm wichtig für den sozialen Zusammenhalt in unserer Stadt.
Kinder sind die Zukunft unserer Stadt. Familienpolitik ist Stadtentwicklung. Sie ist aber auch Bildungs-, Gesundheits- und Sozialpolitik. Denn wir alle wissen: Familien haben große Probleme, nicht nur in Gelsenkirchen, aber natürlich auch hier: Jedes sechste Kind in Gelsenkirchen lebt von Sozialhilfe, 40 % der Familien leben in armen oder armutsnahen Verhältnissen. Vor allem betroffen: Kinderreiche, Alleinerziehende und Familien mit Migrationshintergrund. Und die prekäre wirtschaftliche Lage vieler Familien hat unmittelbare Auswirkungen auf Gesundheit und Bildungschancen für Kinder.
Viele Gelsenkirchener Projekte wurden von anderen Kommunen übernommen
Deswegen mussten wir hier dringend gegensteuern und haben das seit einigen Jahren sehr erfolgreich getan. Viele Gelsenkirchener Projekte der Familienförderung werden mittlerweile von anderen Kommunen übernommen. Gelsenkirchen hat sich Ende 2005 das Leitbild „Familienfreundliche Stadt" gegeben. Mit dem lokalen Bündnis für Familien haben wir ein effektives Netzwerk geschaffen, das tausend kleine Initiativen zur Verbesserung der Situation der Familien angestoßen hat. Als erste Kommune haben wir die Begrüßungsbesuche bei Eltern von Erstgeborenen eingeführt, mit denen wir über alle Unterstützungsangebote der Stadt informieren: Das sind eine ganze Menge: von der Gelsenkirchener Elternschule über den offenen Eltern-Baby-Treff, bis zur Betreuung von unter Dreijährigen, die es bei uns bereits in jeder zweiten Kindertageseinrichtung gibt, und der Ganztagsbetreuung in den Kitas von 6 bis 20 Uhr. Für ältere Kinder haben wir bereits 100 offene Ganztagsschulen eingerichtet.
All diese ineinander greifenden Initiativen haben ein Ziel: Es soll in Gelsenkirchen nicht von der materiellen Situation, dem Bildungsgrad oder der Herkunft der Eltern abhängig sein, wie sich ein Kind entwickelt, wie gesund es ist und welche Bildungschancen es hat. Gerade weil wir besondere Schwierigkeiten haben, sind besondere Anstrengungen nötig. Wir unternehmen sie - für die Familien, die unsere Stadt bunt machen und ihr eine Zukunft geben.
Es grüßt Sie herzlich aus dem Rathaus
Ihr
Frank Baranowski