01. Dezember 2008, 10:37 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Wie kann eine Stadt Zukunft gestalten? Wie kann sie heute dafür sorgen, dass sie auch morgen lebens- und liebenswerte Heimat bleibt? Die Gelsenkirchener Antwort darauf lautet seit Jahren: indem sie ihren Einwohnern Chancen eröffnet, indem sie Benachteiligungen kompensiert, indem sie Bildung zugänglich macht.
Der Handlungsspielraum von Städten ist begrenzt durch gesetzliche Vorgaben des Landes oder des Bundes. Aber auch durch den engen finanziellen Spielraum der chronisch klammen Kommunen. Natürlich kann man das knappe Geld dann investieren in spektakuläre Leuchtturmprojekte in der Hoffnung, Ansehen und Wirtschaftskraft zu stärken.
In Gelsenkirchen haben wir uns bewusst für einen anderen Weg entschieden: Statt schnell und spektakulär immer neue Leuchttürme in die Höhe zu ziehen, arbeiten wir seit Jahren erst einmal an einem stabilen Fundament, auf dem die Stadt der Zukunft sicher stehen kann. Uns ist klar, dass das weit weniger Aufsehen erregend ist und viel Geduld und Ausdauer erfordert. Aber es ist nachhaltig und nützt ganz unmittelbar den Menschen, die in Gelsenkirchen leben, und damit mittelbar auch der Stadt.
Keine Leuchttürme in den Sand setzen
Bildung heißt dieses Fundament. Denn an der wirtschaftlichen Lage vieler Familien kann eine Stadt nichts ändern. Aber sie kann versuchen, dafür zu sorgen, dass Armut nicht vererbt wird. Dass aus Armut nicht Bildungsarmut wird. Und dass nicht mangelnde Bildungschancen heute wieder zu mangelnden Chancen auf dem Arbeitsmarkt morgen führen. Gerade die besonderen sozialen Herausforderungen einer Revierkommune wie Gelsenkirchen, in der jedes sechste Kind von Sozialhilfe lebt, in der rund 40 % der Familien in armen oder armutsnahen Verhältnissen leben, machte es nötig, dass wir hier frühzeitig und intensiv gegenarbeiten.
Bildung - das ist längst nicht mehr nur Schule und Hochschule. Wir haben den lange zu wenig beachteten Bereich der frühkindlichen Bildung in den Mittelpunkt gerückt. Was hier versäumt wird, ist nur ganz schwer aufzuholen. Hier setzen wir an. Man kann nicht automatisch davon ausgehen, dass Kinder in dieser wichtigen Lebensphase zuhause optimal gefördert werden. Viele Familien brauchen und wollen Unterstützung.
Die bieten wir als Stadt in unzähligen ineinander greifenden Maßnahmen: die Begrüßungsbesuche bei Eltern von Neugeborenen, die Gelsenkirchen übrigens als erste Stadt eingeführt hat und die mittlerweile viele Nachahmer finden, die Gelsenkirchener Elternschule, der offene Eltern-Baby-Treff, die Betreuung von unter Dreijährigen, die es bei uns schon in jeder zweiten Kindertageseinrichtung gibt, flexible Ganztagsbetreuung in den Kitas von 6 bis 20 Uhr, gezielte Sprachförderung für Migrantenkinder in Kindergärten und Grundschulen, der Aufbau von mittlerweile 100 Offenen Ganztagsgruppen im Grundschulbereich und bereits drei Gebundenen Ganztagshauptschulen.
Bildung ist das Fundament, auf dem die Stadt der Zukunft steht
Wir haben mittlerweile ein nahezu lückenloses Fördernetzwerk gesponnen, durch das in naher Zukunft kein Kind mehr fallen können soll. Was wir hier aufgebaut haben, war nicht nur ein finanzieller Kraftakt für die Stadt. Es war und ist auch eine immense Herausforderung für uns in der Verwaltung, auf die wir uns strukturell einstellen mussten. So haben wir die beiden städtischen Referate Schule sowie Kinder, Jugend und Familie zu einem Referat unter der Bezeichnung „Erziehung und Bildung" zusammengefasst. Und wir haben seit Oktober ein Kommunales Bildungsbüro eingerichtet, das die zahlreichen Einzelmaßnahmen noch besser verzahnen, aufeinander abstimmen und zu einem systematischen Bildungsplan aus einem Guss weiterentwickeln soll.
Dadurch wollen wir für erfolgreiche und bruchfreie Bildungsverläufe sorgen. Ich möchte nämlich, dass in Gelsenkirchen jeder und jede eine Chance bekommt und kein Kind verloren geht. Nur so schaffen wir dauerhaft sozialen Zusammenhalt.
Wir haben in den letzten Jahren in Gelsenkirchen die Weichen dafür gestellt, dass es in Zukunft in Gelsenkirchen nicht mehr von der materiellen Situation, dem Bildungsgrad oder der Herkunft der Eltern abhängig ist, wie sich ein Kind entwickelt und welche Bildungschancen es hat. Und damit das Fundament gelegt, auf dem irgendwann auch wieder Leuchttürme stehen können, die nicht auf Sand gebaut sind.
Es grüßt Sie herzlich aus dem Rathaus
Ihr
Frank Baranowski