27. Januar 2009, 11:51 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
„Das bisschen Haushalt macht sich von allein"? Von wegen. Dass dem nicht so ist, weiß nicht nur der Stadtkämmerer, sondern das wissen wir alle auch aus unseren eigenen vier Wänden. Oft wünschen wir uns da Unterstützung.
Und das nicht etwa, weil wir faul sind, sondern weil es oft gar nicht mehr anders geht. Zum Beispiel, weil wir beruflich stark eingebunden sind. Wer von morgens bis abends von Termin zu Termin eilt, wer bis abends Überstunden schiebt, der putzt nicht noch um 22:00 Uhr die Fenster. Wer um 7:00 Uhr als Alleinerziehende vor der Arbeit noch eben die Kinder zur Schule bringen muss, der schippt nicht auch noch eine Stunde Schnee vorher. Die Anforderungen der Arbeitswelt sind in den letzten Jahren immens gestiegen - und mit ihnen die Arbeitsdichte, die Flexibilität und die zeitliche Ausdehnung von Arbeit. Nicht gestiegen sind aber die Möglichkeiten der Menschen. Nach wie vor haben wir nur zwei Hände, zwei Beine und einen Kopf. Irgendwann gelangen wir einfach an unsere Grenzen.
An unsere Grenzen gelangen wir aber auch, wenn wir auf Grund von Krankheiten oder Behinderungen einige Dinge im Haushalt für gewisse Zeit oder dauerhaft nicht mehr erledigen können. Mit körperlichen Einschränkungen steigt man nicht so einfach auf eine Leiter und hängt Gardinen auf.
Und schließlich gelangen wir womöglich an unsere Grenzen, wenn wir älter werden. Unter Umständen sind wir schlechter zu Fuß, werden vorsichtiger, unser Bewegungsradius schränkt sich ein, und nicht mehr alle Geschäfte und alle Dienstleistungen sind für uns erreichbar. Auch in diesem Fall brauchen wir Unterstützung. Und dieser Fall wird immer häufiger. Der demografische Wandel sorgt dafür, dass wir immer älter werden. 70.000 Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener sind heute schon über 60 Jahre alt - das sind 26 Prozent der Stadtbevölkerung.
Früher war die Sache klar: Es gab Großfamilien, in denen sich die Generationen gegenseitig unterstützten. Das kann man heute nicht mehr einfach voraussetzen. Auf Grund des Geburtenrückgangs, weil Kinder zum Studium, zur Arbeit woanders hinziehen, aber auch weil sich viele bewusst für ein ungebundeneres Leben entscheiden, gibt es immer weniger dieser Strukturen. Das muss man nicht unbedingt bedauern. Denn es ist oft nur die Kehrseite individueller Entfaltung. Aber man muss dem Rechnung tragen.
Deshalb muss diese Unterstützung heute öffentlich organisiert werden. Klar: Das Alter etwa schränkt uns alle in irgendeiner Form ein. Aber es bedarf oft nur kleiner Hilfestellungen, um weiterhin ein freies und selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden führen zu können. Gelsenkirchen bietet eine Vielzahl dieser Hilfestellungen, weil wir die Herausforderungen des demografischen Wandels hier frühzeitig angegangen sind.
Wir helfen, lange ein selbstbestimmtes Leben führen zu können
Ein wichtiges Element dabei wurde am vergangenen Wochenende mit einer Ausstellung in der Rehaklinik am Berger See vorgestellt: das Netzwerk „Haushaltsdienste Gelsenkirchen". Organisiert von Stadt und Verbraucherzentrale haben sich hier zahlreiche Anbieter von Hilfe im Haushalt zusammengefunden, die sich zu besonderen Qualitätsstandards verpflichtet haben. Unter einer einheitlichen Telefonnummer erhalten Sie nun also künftig eine breite Palette an Unterstützungsangeboten im Haushalt - egal aus welchen Gründen Sie auf diese Unterstützung zurückgreifen wollen. Gelsenkirchen ist dabei eine von fünf Projektkommunen in Nordrhein-Westfalen, in denen ein solches Angebot eingerichtet worden ist.
Diese Hilfe zur Selbsthilfe soll Ihnen Lebensqualität sichern helfen und ist ein wichtiges Mosaiksteinchen der familien- und seniorenfreundlichen Stadt Gelsenkirchen.
Wir sind aktiv geworden, damit Sie aktiv bleiben können!
Es grüßt Sie herzlich aus dem Rathaus
Ihr
Frank Baranowski