03. Februar 2009, 12:00 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Es kommt nicht oft vor, dass fremde Menschen in mein Büro spazieren und unserer Stadt Hilfe anbieten. Daher kann ich mich noch genau an jenen Tag erinnern, der sich als außergewöhnlicher Glücksfall für Gelsenkirchen herausstellte.
Der Terminkalender war eng getaktet und der freundliche, mir vorher gänzlich unbekannte Herr, der höflich um ein Gespräch gebeten hatte, hat geduldig jede neuerliche Verzögerung hingenommen. Schließlich klappte es dann doch mit dem Gespräch und er eröffnete dem - ich muss es ehrlich zugeben - doch beschämten Oberbürgermeister, dass er gemeinsam mit seiner Frau eine beträchtliche Summe für die Gründung einer Stiftung bereitstellen wolle, um Bildung und Entwicklung von benachteiligten Kindern in Gelsenkirchen-Bismarck zu unterstützen.
Dieser Tag liegt mittlerweile über zwei Jahre zurück und er ist mir nach wie vor im Gedächtnis geblieben als ein unverhoffter Glücksmoment, der auf sehr angenehme Weise die Arbeitsroutine gestört hat. Denn es ist seit Jahrzehnten das erste Mal, dass sich Privatpersonen mit ihrem eigenen Vermögen für die Stadt Gelsenkirchen und die hier lebenden Menschen einbringen. Das Medizinerehepaar Prof. Dr. Ute Witting und Prof. Dr. Christian Witting war beruflich erfolgreich - und will Kindern die Chance ermöglichen, sich zu entfalten. Besonders beeindruckt mich dabei die Verbundenheit zu ihrer Geburtsstadt Gelsenkirchen, die Ute Witting, die mit ihrem Mann in Münster lebt, auf diese Weise zeigt. So sollen nach dem Willen der beiden möglichst Kinder- und Jugendprojekte in Bismarck, dem Stadtteil, in dem Ute Witting aufwuchs, gefördert werden.
Und in Bismarck hat sich in den letzten Jahren viel getan, aber Hilfe kann der Stadtteil, der als erster landesweit in das Stadtteilerneuerungsprogramm aufgenommen worden war, immer noch gut gebrauchen. Der Stiftungszweck korrespondiert hier besonders gut mit den klaren Prioritäten der Stadt: Integration, Bildung und Kompensation von Bildungsbenachteiligungen sind unsere Aufgaben, wollen wir Gelsenkirchen zukunftsfähig machen.
In den zurückliegenden zwei Jahren hat die Stiftung bereits einige Projekte in Bismarck finanziert, die ohne sie nicht so schnell hätten realisiert werden können. In vier städtischen Einrichtungen konnten Sprachförderprogramme für bisher 56 Kinder eingerichtet werden. Die Kindertagesstätte an der Hohenzollernstraße konnte dank der Unterstützung durch die Stiftung ein Programm der kombinierten Sprach- und Bewegungsförderung für Kinder im Alter von einem bis sechs Jahren umsetzen. Das jüngste Projekt konnte in der letzten Woche durch die Hilfe der Wittings gestartet werden: Dank der an acht Kitas übergebenen Notebooks können nun in Bismarck neuartige und höchst anspruchsvolle computerunterstützte Konzepte zur Sprachförderung von Kindern umgesetzt werden.
Ute und Christian Witting sind seit ihrer Stiftungsgründung oft in Gelsenkirchen gewesen, um sich von dem Fortgang der Projekte selbst zu überzeugen. Dieses Interesse, diese Anteilnahme freut mich sehr. Und wie begeistert die beiden von den Förderprojekten und dem, was sich seither im Stadtteil getan hat, sind, zeigt mir, dass es sich lohnt, dabei zu sein bei dem, was derzeit in Gelsenkirchen geschieht. Dass es sich lohnt mitzumachen. Dass wir auf einem guten Weg sind.
Schön, dass es Menschen gibt, die uns auf diesem Weg aktiv und interessiert begleiten.
Ihr
Frank Baranowski