25. März 2009, 12:37 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Ein spannender Prozess: Mit der jüngst stillgelegten Zeche Westerholt erobern wir gerade eine der letzten großen verbotenen Städte der Montanindustrie für den öffentlichen Raum und die Menschen zurück. Noch einmal gestalten wir Strukturwandel im Zeitraffer.
Den Strukturwandel gestalten - wie das geht, haben wir in Gelsenkirchen in den letzten Jahrzehnten zur Genüge praktizieren, üben und eben auch verbessern können. Gemessen an der Herausforderung - dem Wegfall zehntausender Industriearbeitsplätze, mithin dem gesamten Fundament der ursprünglichen Stadtgründung - ist es eigentlich unglaublich, wie gut wir alles in allem den Wandel von Kohle, Stahl und Glas zu Zukunftsenergien, Logistik und innovativen Technologien hinbekommen haben.
Aber in einzelnen Fällen haben wir doch auch immer mal wieder viel Lehrgeld bezahlen müssen. Manchmal vergingen - über ermüdende Kompetenzstreitigkeiten und durch komplizierte Eigentumsverhältnisse - Jahrzehnte, bevor eine alte Zechenbrache, ein stillgelegtes Werk umgenutzt, ja bevor es überhaupt mal betreten werden konnte. In der Zwischenzeit schafften Verfall und Abbau von Infrastruktur Fakten, die die Nachnutzungsoptionen stark einschränkten.
Die Lehren daraus haben wir im Falle der Zeche Westerholt konsequent gezogen. Bereits lange vor der Schließung des Bergwerks Ende 2008 haben wir uns mit unserer Nachbarstadt Herten zusammengesetzt, um ein gemeinsames Vorgehen für eine schnelle Nach- und möglichst lückenlose Zwischennutzung des Areals zu verabreden, das je zur Hälfte auf Gelsenkirchener und Hertener Gebiet liegt. Schon im Jahr 2007 gab es die ersten Konzeptentwicklungen der Technischen Universität München. Und im September 2008 haben der Hertener Bürgermeister Dr. Uli Paetzel und ich einen Kooperationsvertrag unterzeichnet und ein bisher einmaliges „Interkommunales Integriertes Handlungskonzept" (IIHK) für die Stadtteile Hassel, Westerholt und Bertlich auf den Weg gebracht. Das geschah alles noch bei laufendem Zechenbetrieb. Wenn man so will: nicht nur Strukturwandel im Zeitraffer, sondern sogar Strukturwandel am offenen Herzen.
Zwei Städte - ein Ziel: Gemeinsame Stadterneuerung mit Herten
Das „Interkommunale Integrierte Handlungskonzept" liegt nun vor. Es steht unter dem Titel „Zwei Städte - ein Ziel". Und das Ziel lautet: Neben einer städtebaulich, sozial und ökonomisch nachhaltigen gemeinsamen Neunutzung des Zechenareals vor allem eine langfristige Stabilisierung und Sanierung der stark auf das Bergwerk fokussierten Stadtteile zu ermöglichen. Im Ganzen geht es um eine gemeinsame Stadterneuerung. Um eine städtebauliche Akzentuierung einer der größten Gartenstädte des Reviers, um lokale Beschäftigungsförderung, um Bildung, um Integration und um Aktivierung und Vernetzung der Zivilgesellschaft.
Eine Mammutaufgabe, im Rahmen derer wir in Hassel in den nächsten Jahren rund 21 Millionen Euro investieren wollen. Damit setzen wir die erfolgreiche Strategie der Stadterneuerungsgebiete fort, die wir in Bismarck/Schalke Nord begonnen und in Südost und der Gelsenkirchener City fortgesetzt haben. Auch die Buersche Innenstadt ist jetzt Stadterneuerungsgebiet. Und neben Hassel kommt in diesem Jahr das Stadterneuerungsgebiet in Schalke hinzu. Sie merken: Derzeit findet eines der größten Stadterneuerungsprogramme der Geschichte Gelsenkirchens statt. Bei alldem geht es darum, Strukturen zu schaffen, die Chancen ermöglichen - unserer Stadt und den hier lebenden Menschen. Besonders denen, die es schwerer haben als andere: Familien, sozial Schwache, Senioren, Migranten. In Gelsenkirchen gibt es überdurchschnittlich viele von ihnen. Auch an den Bedürfnissen dieser Bürgerinnen und Bürger orientiert sich die Stadterneuerung Gelsenkirchens.
Es grüßt Sie herzlich aus dem Rathaus
Ihr
Frank Baranowski