07. Mai 2009, 09:06 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Umsonst parken und gut mit dem Auto erreichbar: Ist das eigentlich alles, was Sie von einer attraktiven Innenstadt erwarten? Vielleicht noch eine Fast-Food-Oase dazu? Ich weiß nicht. Ich finde, eine Innenstadt ist mehr als ein Einkaufszentrum und durch keine Shoppingmall zu ersetzen.
Denn die Innenstadt ist ein kommunikativer Ort. Hier kommen wir alle zusammen, treffen alte Bekannte, lernen neue kennen. Die Innenstadt ist die Kulisse, vor der unser Leben spielt. Sie ist ein Lebensraum mit ganz unterschiedlichen Qualitäten: Ich kann hier eine Vielzahl von Geschäften zu Fuß erreichen, über bunte Wochenmärkte schlendern, mich in ein Café setzen, um den Trubel zu genießen oder abends Theater, Kino und Kneipen nutzen.
Genau deswegen versuchen wir in Gelsenkirchen seit Jahren, unsere beiden innerstädtischen Zentren zu stärken und zu schützen. Etwa, indem wir großflächigen Handel in Zentrumsnähe unterbinden. Oder durch Attraktivitätssteigerungen im Rahmen von Stadterneuerungsprogrammen. Für die Bahnhofstraße hat das in den letzten Jahren gut funktioniert. In Buer arbeiten wir derzeit daran.
Für ein ganz wichtiges Projekt dabei wurde jetzt der Grundstein gelegt: Der Neubau des Wohn- und Geschäftshauses an der „Domplatte" wächst nun in die Höhe. Hier wird in einem Jahr der von so vielen ersehnte Vollsortimenter als Magnet neue Kundschaft hinter die St. Urbanus-Kirche locken. Zusammen mit der Umgestaltung des St. Urbanus-Kirchplatzes durch die Stadt wird auch dank der Unterstützung des Landes dafür gesorgt, dass die „Domplatte" wieder zu einer guten Adresse in Buer wird. Ein schöner Ort im Schatten der Kirche, an dem man gern verweilt.
Innenstädte: Lieber Originale erhalten als Kopien bauen
Ich bin davon überzeugt, dass das genau der richtige Weg ist, unsere Stadt attraktiver zu machen. Aber es ist ein Weg der kleinen Schritte. Und er braucht Geduld. Andere Kommunen sind andere Wege gegangen. Und haben sich große Shoppingmalls auf die grüne Wiese oder in die Stadt gebaut. Mit mitunter zweifelhaftem Erfolg. Das CentrO funktioniert, keine Frage. Es zieht unzählige Menschen nach Oberhausen. Aber zieht es sie wirklich nach Oberhausen? Es zieht sie doch wohl eher nur ins CentrO. Die Innenstadt von Oberhausen hat seither massive Probleme, ebenso die der unmittelbar benachbarten Städte Bottrop und Mülheim an der Ruhr. Stattdessen gibt es in der neuen Einkaufserlebniswelt eine Promenade und eine Gastronomiemeile. Kurz: Es wurde eine Innenstadt nachgebaut. Und für die Kopie das Original geopfert. Hätte man da nicht auch die Innenstadt einfach beibehalten können? Wir in Gelsenkirchen bevorzugen diesen Weg.
Denn wie viele Einkaufszentren verträgt das Ruhrgebiet? Müssen wir in ein ruinöses Wettrüsten eintreten? Und müssen wir uns in der Metropole Ruhr auf Kosten unserer Nachbarn bereichern? Wenn sich alle an ein paar Regeln halten, kann im Ruhrgebiet jeder leben. Wir in Gelsenkirchen sind bereit, uns an Regeln zu halten. Und wir erwarten das auch von unseren Nachbarn. Und deshalb erwägen wir, gegen die geplante Erweiterung der „Löhrhof-Arcaden" in Recklinghausen notfalls gerichtlich vorzugehen. Auf einem Schlag soll da die Verkaufsfläche in der Innenstadt um 25 % erweitert werden. Als Höchstgrenze, die noch verträglich ist, gelten etwa 15 %. Gerade die Innenstadt in Buer, die traditionell viele Kunden aus Dorsten, Marl oder Herten hat, wird darunter in erheblichen Maße leiden. Im Baurecht heißt es, dass benachbarte Gemeinden ihre Bauleitpläne miteinander abstimmen sollen. Das hätte ich eigentlich von unseren Nachbarn in Recklinghausen erwartet. Schade, dass nun voraussichtlich Gerichte klären müssen, was eigentlich in der Stadtlandschaft Ruhrgebiet Sache der interkommunalen Zusammenarbeit gewesen wäre.
Es grüßt Sie herzlich aus dem Rathaus
Ihr
Frank Baranowski