15. Juli 2009, 10:13 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Der Schalker Verein - einst die größte Eisengießerei des Kontinents - war in meiner Erinnerung über Jahrzehnte vor allem eines: eine unüberwindbare Mauer am Ende der Wildenbruchstraße. Jetzt ist die Mauer weg und der Schalker Verein Geschichte. Aber gleichzeitig ein Platz für die Zukunft.
Und das auch in ganz wörtlichem Sinne. Denn der neue Schalker Verein - eines der großen Zukunftsprojekte in Gelsenkirchen - bietet nicht nur Platz, sondern auch Plätze. Das neue Stadtquartier, das wir hier in den nächsten Jahren gemeinsam mit der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) entwickeln, wird nichts mehr gemein haben mit einer unüberwindbaren Mauer, sondern ein städtebaulich hochwertiges Areal sein, das sich mit großflächigen attraktiven Plätzen zur Stadt hin öffnet. Wo früher die Innenstadt 800 Meter östlich vom Hauptbahnhof einfach endete, weil sie von dem gigantischen Hüttenwerk mit den fünf Hochöfen abgeschnitten wurde, geht sie dann über in einen urbanen Stadtraum, in dem gearbeitet und gewohnt wird.
Am Dienstag konnte ich beim ersten Spatenstich zur Anlage der zentralen Plätze des neuen Quartiers dabei sein. Die wichtigsten sind die Plätze rund um das alte Schalthaus von 1928. Sie werden dafür sorgen, dass das expressionistische Industriedenkmal angemessen inszeniert wird. Denn die große Qualität des neuen Schalker Vereins wird auch darin liegen, dass wir die Zukunft gestalten, ohne die Vergangenheit zu verleugnen. Das spiegelt sich in der Neunutzung des Schalthauses als Identität stiftende Landmarke. Das spiegelt sich im alten Erz- und Kohlebunker entlang der Bahnlinie, den wir im letzten Jahr zu einer der größten Solaranlagen der Stadt gemacht haben. Und das spiegelt sich nicht zuletzt auch wider in den Materialien zur Platzgestaltung: Mit Beton und Asphalt, Basaltpflasterstein und Klinker werden genau die Materialien verwendet, die auch schon zum Bau der Industrieanlagen benutzt wurden. Damit setzen wir auch ein ganz deutliches Zeichen: Wir wollen keine gesichtslose Neuerfindung unserer Stadt, sondern stehen zu ihrer, zu unserer Vergangenheit und bauen auf dem, was war, was wir haben, auf, was einmal wird. Nur so bleiben wir unverwechselbar, erhalten wir unser Gesicht. Und die eine oder andere Narbe, die die Geschichte diesem Gesicht geschlagen hat, die überschminken wir auch nicht. Es sind Spuren unseres Lebens.
Nicht umsonst wurde das gemeinsame städtebauliche Konzept der Stadt Gelsenkirchen und der LEG von der Landesregierung für die Platzgestaltung ausgezeichnet. Ich bin jedenfalls sehr gespannt darauf, schon im Dezember die neu angelegten Plätze rund um das Schalthaus sehen zu können und mir dabei vorzustellen, wie sie einmal von Menschen bevölkert werden. Ich bin froh, dass wir auf diese Weise recht schnell ein unglaublich wichtiges Stück Innenstadt wieder für die Menschen zurückgewinnen können. Zwar nicht mehr mit Betrieben mit mehreren Tausend Arbeitsplätzen, denn solche Betriebe gibt es nicht mehr. Aber mit Platz für viele kleine Unternehmen - und mit Plätzen für die Menschen.
Glück auf!
Ihr
Frank Baranowski
http://schalkerverein.gelsenkirchen.de/