23. Juli 2009, 17:22 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Wie geht eigentlich Städtepartnerschaft? Was genau ist eigentlich eine Partnerstadt noch - außer einem Wappen am Ortseingangsschild? Nun: im Idealfall ein Partner auf Augenhöhe, mit dem man sich austauschen, von dem man lernen kann.
Zugegeben: Unsere sechs Partnerstädte Newcastle upon Tyne in England, Zenica in Bosnien-Herzegowina, Schachty in Russland, Olszytn in Polen, Büyükcekmece in der Türkei und im brandenburgischen Cottbus stehen nicht immer so sehr im Rampenlicht wie in diesem Jahr, in dem wir gleich ein dreifaches Städtepartnerschaftsjubiläum feiern konnten. Aber auch - und meistens gerade - in der alltäglichen Arbeit erweist sich das eigentliche tragfähige Fundament einer Partnerschaft. Da geht es zwischen Städten nicht anders zu als zwischen Menschen.
Bestes Beispiel ist derzeit die Zusammenarbeit mit Newcastle, unserer längsten „Liaison". Hier verbinden uns nicht nur die seit 60 Jahren gewachsenen Freundschaften zwischen Schulen, Vereinen, der Polizei und vielen Privatpersonen. Sondern es verbindet uns auch der enge Austausch mit Politik und Verwaltung. In diesen Tagen werde ich auf Einladung unserer englischen Freunde mit einer Gelsenkirchener Delegation zu Arbeitsgesprächen in Newcastle sein.
Wichtigster Tagesordnungspunkt: England bewirbt sich um die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 und Newcastle möchte einer der Austragungsorte werden. Unsere englischen Partner sind sehr interessiert an unseren Erfahrungen als WM-Austragungsort und möchten von unserem Wissen um die fast unerschöpflichen Anforderungen aus dem Pflichtenheft der FIFA, was die Sicherheit und Organisation einer solchen Großveranstaltung angeht, profitieren. Das freut mich sehr.
Denn andersherum profitieren auch wir von dem, worin unsere Partner uns voraus sind. So werden wir uns in Newcastle auch über beispielhafte Projekte der Bürgerbeteiligung und Partizipation informieren, die Newcastle als führende Stadt in England bereits verwirklicht hat. Ein Thema, das hoch spannend ist und derzeit in Stadtentwicklungsprozessen weltweit auf der Agenda steht. Auch für uns im Rahmen unserer Stadterneuerung sicher von großem Gewinn.
Und immer wieder können und konnten wir bereits in der Vergangenheit von unserer englischen Partnerstadt lernen, wie man den Strukturwandel erfolgreich gestaltet. Da ist uns Newcastle sicher noch voraus. Wie wir einst eine traditionsreiche Bergbaustadt, hat sich Newcastle mittlerweile zu einem bunten und lebendigen kulturellen Zentrum Englands entwickelt. Von der höchst erfolgreichen „Regeneration Strategy" können wir viel lernen, was die Revitalisierung von Industriearealen und strukturelle Stadterneuerung angeht.
Unsere Partnerstädte geben uns wichtige Impulse
Ich bin sehr froh über diesen höchst lebendigen Austausch. Er beweist, dass Städtepartnerschaften eben kein schmückendes Beiwerk sind, sondern gelebter Alltag. Auf diese Weise gewährleisten wir als Stadt auch einen Ideentransfer, erhalten wertvolle politische Impulse und Anregungen, die verhindern, dass wir nur im eigenen Saft schmoren.
Es bleibt lebendig: Mit im Gepäck habe ich den dringenden Wunsch von einem Dutzend Gelsenkirchener Schulen nach einer Schulpartnerschaft in Newcastle. Und: Im Rahmen der TWINS-Projekte zur Kulturhauptstadt 2010 werden wir wieder Gäste aus Newcastle und den anderen Partnerstädten begrüßen - etwa beim Jugendtheaterfestival.
Sie können darauf zählen, bei uns zu Gast bei Freunden zu sein!
Ihr
Frank Baranowski