23. Oktober 2009, 15:45 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Leider ist es ja oft so: Erst wenn es uns von auswärtigen Gästen gesagt wird, sind auch wir langsam geneigt, unserer Stadt zuzugestehen, dass es in ihr Dinge gibt, die ganz in Ordnung sind.
Der gemeine Gelsenkirchener, die gemeine Gelsenkirchenerin ist manchmal wirklich ziemlich gemein zur eigenen Stadt. Hier ist das Glas grundsätzlich erstmal halb leer und nicht halb voll. Und wenn es mal voller zu werden droht, dann ändern wir eben die Bezugsgröße und fangen einfach an, den Inhalt in ein größeres Glas zu schütten.
Manchmal glaube ich schon, dieses Muster ist Teil des kulturellen Erbes, das das Ruhrgebiet mit sich herum trägt. Man traut sich selbst wenig zu, man traut sich selbst nicht über den Weg. Dieses Syndrom ist ja nicht einmal ganz unsympathisch: Es verhindert Lautsprecherei und Großkotzigkeit. Es kann aber eben auch dazu führen, dass sich schlechte Stimmung immer wieder reproduziert - vollkommen abgekoppelt von der tatsächlichen Lage.
Gutachter beeindruckt vom Schulangebot
Heilen kann man das wohl nur durch viel Zuspruch von außen. Anderen trauen wir mehr als uns selbst. Deshalb hat mich auch folgende Begebenheit in diesem Monat sehr gefreut.
Anfang Oktober waren nämlich im Rahmen der Neuaufstellung des Schulentwicklungsplanes für die Sekundarstufen I und II Gutachter eines externen Büros für Bildungsberatung in den Schulen unserer Stadt unterwegs. Und was sie den städtischen Kollegen in vielen Gesprächen zurückspiegelten, war, dass sie stark beeindruckt waren vom Gelsenkirchener Schulangebot und dem Engagement der Schulleitungen. Immer wieder wurde dabei erwähnt, dass die 35 Schulen der Sekundarstufen I und II in einem sehr guten, sehr gepflegten Zustand waren. Vor allem die zum Teil hervorragende Infrastruktur - etwa im naturwissenschaftlichen Bereich - wurde dabei erwähnt. Auch die Gespräche mit den Schulleitern zeigten überwiegend große Zufriedenheit mit dem Zustand der Schulen.
Bildung hat in Gelsenkirchen absolute Priorität
Die Gutachter waren über diesen Befund ziemlich überrascht. Im Ruhrgebiet, in Gelsenkirchen hätten sie das nicht erwartet. Aber wir in Gelsenkirchen stehen eben schon seit Jahren auf dem Standpunkt, dass es gerade hier nötig ist, optimale Bedingungen in den Schulen vorzufinden. Denn gerade hier haben die Schulen einen höheren Stellenwert zur Kompensation sozialer Benachteiligungen als anderswo. Deshalb hat Bildung in Gelsenkirchen ja absolute Priorität. Deshalb haben wir ja - übrigens über alle Parteien hinweg - gesagt: Wir müssen nach wie vor an allem sparen. Aber an einem sparen wir nicht: Und das ist Bildung. Und deshalb wiederhole ich ja gebetsmühlenartig unser Credo: Die Zukunft unserer Stadt geht jeden Tag durch die Türen unserer Kindertagesstätten und Schulen. Wir haben dafür zu sorgen, dass das, was hinter diesen Türen ist, ein ordentliches Lernen und Arbeiten ermöglicht.
Dass wir diese Aufgabe angenommen haben, zeigt nun auch die Reaktion auswärtiger Fachleute. Und das freut mich sehr.
Ihr
Frank Baranowski