21. Januar 2010, 11:28 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Manchmal sind es die unspektakulären Entscheidungen, für die sich wenige interessieren, die am nachhaltigsten wirken. So ungefähr verhält es sich auch beim Regionalverband Ruhr (RVR). In diesen Tagen werden hier wichtige Weichen für die Zukunft des Ruhrgebiets und damit auch Gelsenkirchens gestellt.
Denn in diesen Tagen tritt die Versammlung des RVR zur konstituierenden Sitzung zusammen. Leider tut sie dies gewöhnlich ohne größere öffentliche Anteilnahme. Denn dass auch die Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener bei der Kommunalwahl im letzten Jahr gleichzeitig über die Zusammensetzung der Verbandsversammlung des RVR entschieden haben, ist den allermeisten nicht präsent. Dabei ist der RVR ein Schlüsselinstrument für die Städte des Reviers, um sich Handlungsfähigkeit und Gestaltungsmacht für die Zukunft zu sichern sowie die wichtigen Infrastrukturmaßnahmen für das Ruhrgebiet auf die Beine zu stellen. Denn die Zukunft Gelsenkirchens wie auch aller anderen Städte des Reviers liegt in der Region. Und die Zukunft des Ruhrgebiets ist entweder eine gemeinsame oder sie ist gar keine.
Einen öffentlichen Personennahverkehr, der einer Metropole mit über 5 Millionen Einwohnern würdig und angemessen wäre, schafft man nur interkommunal, die reichhaltige Kulturlandschaft des Reviers sichert man - gerade angesichts der aktuellen katastrophalen Finanzlage der Städte - nur in der interkommunalen Zusammenarbeit. Wirtschaftsförderung und Gewerbeansiedlungen organisiert man nur als Region, wie wir es bisher ja auch machen. Umwelt- und Immissionsschutz schließlich wären geradezu lächerlich, wenn sie nicht regional konzipiert würden. Schadstoffe und Emissionen halten sich weder an Stadt- noch an Regierungsbezirksgrenzen.
Deshalb ist für die nun angebrochene Wahlperiode damit zu rechnen, dass der RVR noch einmal deutlich an Bedeutung gewinnt. Durch die Übertragung der Regionalplanung für das Ruhrgebiet auf den RVR kommt nun eine wichtige Aufgabe hinzu. Künftig wird es darum gehen, dafür zu sorgen, ihn als Institution weiter zu stärken durch die eigenständige Absicherung im Gemeindefinanzierungsgesetz analog der Landschaftsverbände.
Den Schwung der Kulturhauptstadt mitnehmen
Inhaltlich erwarte ich vom RVR überzeugende Analysen, Handlungsempfehlungen und -umsetzungen für eine weitere integrierte Entwicklung im Ruhrgebiet, wie es derzeit schon geschieht und noch weiter geschehen soll mit den Masterplänen „Bildung", „Kultur", „Sport", „Raum- und Siedlungsstruktur", „Integrierte Mobilität" und „Innenstädte". Auch Tourismusförderung und Ruhrgebietsmarketing sind Felder, die wir alle zusammen erledigen müssen, wollen wir wahrgenommen werden.
Denn eines ist klar: Wollen wir den Schwung der beeindruckend und unter großer Anteilnahme gestarteten Kulturhauptstadt Ruhrgebiet auch für die kommenden Jahre mitnehmen, so brauchen wir jetzt effektive Strukturen der interkommunalen Zusammenarbeit, die immer weiter für eine starke Verklammerung des Reviers sorgen werden. Deswegen wird der Regionalverband Ruhr, auch wenn er nicht immer im Fokus steht, noch immens wichtig für uns alle.
Denn nur gemeinsam sind wir stark.
Glück auf!
Ihr
Frank Baranowski