08. November 2010, 13:48 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Der Wettbewerb ist aus. Gelsenkirchen und Herten haben leider nicht den Zuschlag für die InnovationCity erhalten. Waren damit unsere Bemühungen und unser Engagement der vergangenen Wochen und Monate völlig umsonst? Beileibe nicht, schließlich ging es bei dem Wettbewerb um mehr als nur um ein Etikett.
Wäre das Ziel unserer Bewerbung nur gewesen, Erster zu werden, gäbe es jetzt tatsächlich nur einen einzigen Sieger. Doch dem ist nicht so. Sportlerinnen und Sportler nennen es den olympischen Gedanken. Dazu gehört mehr als die Binsenweisheit, wonach dabei sein alles ist. Denn so wie für Athletinnen und Athleten das Training und die Steigerung der eigenen Leistungsfähigkeit in den Wochen vor dem Wettkampf immens wichtig sind, haben auch Gelsenkirchen und Herten im vergangenen halben Jahr ihre Kompetenzen geschärft und sich auf den Weg gemacht: Da war zum Beispiel der Aktionstag auf dem Bergwerk Westerholt. Unter dem Motto „Wir sprengen Grenzen" haben wir unsere Ideen einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt und damit für Begeisterung bei den Menschen gesorgt.
Weil die CO2-freie Zukunft nur frei von geografischen und gedanklichen Grenzen gelingen kann, hat auch unsere Bewerbung nicht vor Stadtgrenzen halt gemacht. Um die enge Partnerschaft Gelsenkirchens und Hertens zu dokumentieren, haben die Räte beider Städte gemeinsam getagt. Das allein ist sicherlich schon ein Novum für das Ruhrgebiet. Statt Kirchturmdenken herrschte Einigkeit darüber, dass man es zusammen einfach besser kann.
Das Alleinstellungsmerkmal unserer Bewerbung lag eben auch darin, dass wir (Stadt-)Grenzen sprengen. So wie das Ruhrgebiet gemeinsam zum Erfolg der Kulturhauptstadt gelangt ist, arbeiten auch Herten und Gelsenkirchen weiterhin Hand in Hand. Mit einer Bewerbungsschrift, die nicht nur 110 Seiten, sondern auch sonst ziemlich stark ist. Die Ideen, die hier formuliert worden sind, verlieren nicht allein deshalb an Bedeutung, weil wir den Wettbewerb nicht gewonnen haben. Die Vision einer umweltfreundlichen Stadt lässt sich auch ohne das Etikett „Innovation City" verwirklichen. Dazu werden wir im kommenden Jahr die Gelsenkirchen_Herten-Stiftung gründen, die alle relevanten Akteure und Aktionen bündelt, und uns bis 2050 in eine CO2-freie Zukunft begleitet.
Bei der gemeinsamen Ratssitzung in der Gelsenkirchener Lukaskirche prangte ein Spruch von Dietrich Bonhoeffer an der Wand, der mir aus heutiger Sicht geradezu prophetisch erscheint: „Hinter das, was man selbst erarbeitet hat, kann man nie mehr zurück."
Es grüßt Sie herzlich
Ihr
Frank Baranowski