23. März 2011, 13:33 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Zu helfen, wo Menschen in Not Hilfe benötigen, anzupacken, wo angepackt werden muss - das zeichnet, wie ich finde, den Menschenschlag in unserer Stadt aus. Niemand käme im Traum auf die Idee zu fragen, was ihm das denn bringt, warum er das macht. „Einer muss ja, ne!?", würde vermutlich die Antwort lauten.
So oder ähnlich ist zumeist die Haltung derjenigen, die sich ehrenamtlich für die Gemeinschaft engagieren. Die wenigsten davon würden sich in der Heldenrolle gefallen, niemand würde erwarten, dass andauernd die persönlichen Entbehrungen und Opfer gepreist würden, die unter Umständen erbracht werden. Und schon gar nicht würde es jemand zu seinem eigenen persönlichen Vorteil tun, etwa weil es sich im Lebenslauf gut macht.
Sehr wahrscheinlich wissen es viele Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener gar nicht einmal, dass das, was sie da gerade tun, ehrenamtliches Engagement ist. Sie halten es für selbstverständliche Mitmenschlichkeit, wenn der gehbehinderten älteren Dame von nebenan Woche für Woche die Einkäufe ins Haus getragen werden, wenn im Fußballverein sich nun einmal einer darum kümmern muss, dass zum Training die Bälle aufgepumpt sind. Da würde niemand viel Aufhebens drum machen, es würde stattdessen vielmehr mir einem unwirschen Achselzucken und bestenfalls noch mit einem „Einer muss ja, ne!?" begleitet werden.
Ehrenamtliches Engagement hält unsere Stadt zusammen
So kann es dann gehen: Man tut lediglich das Selbstverständliche - ohne offizielle Amtseinführung, ohne Mandat, ohne Mitgliedsausweis - und schon gehört man unversehens zu den 23 Millionen Menschen in Deutschland, die sich ehrenamtlich engagieren. Auf dieses „Amt" waren die allermeisten mit Sicherheit nicht „scharf" - ebenso wenig wie auf einen offiziellen Ausweis oder Ähnliches. Für die meisten liegt die Befriedigung in ihrem Tun selbst, in dem guten Gefühl, helfen zu können, in der Freude, ein Lächeln in das Gesicht von Mitmenschen zu zaubern. Denn darin liegt auch immer wieder die Erinnerung an das, was Menschsein eigentlich ausmacht: Solidarität und Wärme etwa. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Ahnung davon, dass genau das unsere Gesellschaft, unsere Stadt zusammenhält, in Gelsenkirchen sehr lebendig ist.
Ich weiß, dass die Zehntausende von Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchenern sich nicht für Geld und gute Worte engagieren wollen, sondern es ihnen eine Frage der Ehre ist, in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld anzupacken. Dennoch finde ich es richtig und wichtig, dass auch dieses „Ehrenamt" immer wieder gesellschaftlich honoriert wird. Ich freue mich deshalb auch, dass es die Ehrenamtskarte NRW ab jetzt auch in Gelsenkirchen gibt. Einen entsprechenden Vertrag habe ich jetzt mit dem Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport unterzeichnet.
Eine lebendige, eine solidarische Stadt
Ab sofort können sich ehrenamtlich Tätige ihr Engagement offiziell bestätigen lassen - und erhalten als kleines „Dankeschön" Preisnachlässe in öffentlichen und privaten Einrichtungen: zum Beispiel in Schwimmbädern, im Musiktheater oder im Kino. Mehr Informationen zur neuen Ehrenamtskarte NRW finden Sie hier.
Ich betone oft, wie stolz Gelsenkirchen auf seine aktive und engagierte Bürgerschaft sein kann. Ich bin froh, dass ich auch einmal ein klein wenig zurückgeben kann. Denn eine Stadt, in der sich so viele Menschen für einander einbringen, ist eine lebendige, eine solidarische, eine soziale Stadt.
Glück auf!
Ihr
Frank Baranowski