28. Juli 2011, 16:34 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Das muss man erstmal verdauen. Was am vergangenen Wochenende in Norwegen geschah, hat mich stark mitgenommen. Und es wird mich noch länger beschäftigen. Ihnen wird es nicht anders gehen.
Sich vorzustellen, wie jemand das Vertrauen von jungen Menschen erschleicht, sie zusammenruft, um sie dann eiskalt zu exekutieren, sich vorzustellen, wie über eine Stunde lang Jagd auf ungeschützte Kinder und Jugendliche gemacht wird, wie sie in Todesangst ins Meer springen, ist schlichtweg unerträglich. Diese Todesangst, diese Panik und dieses Leiden der jungen Menschen kann man kaum nachempfinden.
Massaker in Norwegen war ein Anschlag auf unsere Werte
Ich denke, das Mitgefühl aller Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener gilt in diesen Tagen den Angehörigen, den Eltern, Geschwistern, den Freunden der Opfer sowie dem gesamten norwegischen Volk. Ihm ist zu wünschen, dass es die richtigen Antworten auf dieses unglaubliche Geschehen findet und dabei, wie es der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg in beeindruckender Manier beschwor, „zusammensteht und aufeinander Acht gibt".
Denn sowohl das unfassbare Massaker wie auch der Anschlag auf die Regierungsgebäude in Oslo waren ein Anschlag auf uns alle - auf die Werte einer freien Gesellschaft, in der Menschen ungeachtet ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihres sozialen Status, ihrer Weltanschauung und ihres persönlichen Lebensstils eine Gemeinschaft bilden. Auf eine Gesellschaft, in der nicht jeder gleich sein muss, um gleiche Rechte zu genießen. Auf eine Gesellschaft, die stark genug ist, Differenzen auszuhalten. Auf eine Gesellschaft, in der auch die Bürgerinnen und Bürger stark genug sind, nicht in pathologischem Eifer einzufordern, dass alle gefälligst so sein sollen, wie sie selbst es sind, weil alles Fremde ihnen Angst macht und ihre oft fragilen und minderwertigkeitskomplexbeladenen Selbstbilder ins Wanken bringt. Auf eine Welt, die sich auf Werte wie Toleranz, Mitmenschlichkeit und Solidarität gründet.
Eine beispielhafte Haltung
Beeindruckend ist es zu sehen, wie die Norweger reagieren. Nämlich mit „mehr Demokratie, mehr Offenheit, mehr Menschlichkeit", wie es ihr Ministerpräsident formulierte. Das ist die größte Strafe, die dem Attentäter zuteil werden kann. Und zugleich der letzte Dienst an den Opfern.
Möge uns diese Haltung beispielgebend sein, wann immer auch eine Stadtgesellschaft herausgefordert wird von Hass, Niedertracht, Gewalt und Intoleranz - nie die Werte zu verraten, für die man steht, indem man sie verteidigt.
Ihr
Frank Baranowski