14. November 2011, 13:02 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Wir sind seit Jahrzehnten schon mit einem handfesten Skandal konfrontiert - und zwar im ganzen Land und damit auch in unserer Stadt. Nämlich dem, dass es leider immer noch von Herkunft, Bildungsgrad und Reichtum der Eltern abhängt, wie sich ein Kind entwickelt, wie gesund es ist, welche Bildungs- und damit auch welche Zukunftschancen es hat.
Das spüren wir in Gelsenkirchen ganz deutlich - und stemmen uns mit aller Macht dagegen. Es darf nicht sein, dass Zukunft Zufall bleibt und wir Menschen mit einem im hohen Maße sozial vorherbestimmten Schicksal allein lassen. Im Interesse der Menschen nicht, aber auch nicht im Interesse unserer Stadt, deren Zukunft eng mit der der Menschen vor Ort verknüpft ist.
In Gelsenkirchen versuchen wir deshalb seit Jahren, diesen unheilvollen Automatismus aufzubrechen und uns gegen die systematische Benachteiligung großer Bevölkerungsteile zu stemmen. Unsere wichtigste Waffe dabei: Bildung. Als typische Ruhrgebietskommune müssen auch wir in Gelsenkirchen an vielem sparen. An einem aber sparen wir nicht - und das ist eben der Bereich Bildung.
Hier haben wir in den vergangenen Jahren mit viel Mühe eine lückenlose Betreuungskette aufgebaut, mit der gerade junge Familien unterstützt und Bildungsbenachteiligungen kompensiert werden sollen. Dafür haben wir ein engmaschiges Fördernetz geknüpft, durch das niemand mehr fallen soll. Unsere kommunale Präventionspolitik beginnt mit der Geburt, wir besuchen alle Eltern von Erstgeborenen, um sie über die Angebote der Stadt zu informieren: die Gelsenkirchener Elternschule, der offene Eltern-Baby-Treff, die U-3-Betreuung, Ganztagsbetreuung in Kitas und Schulen, Sprachförderung von Migrantenkindern - und vieles mehr.
Das Gelsenkirchener Modell der präventiven Bildungs- und Familienpolitik
Mit vielen Maßnahmen ist Gelsenkirchen dabei bundesweit Vorreiter gewesen. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen auch auf internationaler Ebene zeigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Klar: Gute Kinderbetreuung und gute Bildung kosten Geld. Doch Kinder und Jugendliche nicht gut genug zu betreuen und zu unterrichten, das würde uns noch viel mehr kosten. Bildung - und hierunter verstehen wir ausdrücklich auch den frühkindlichen Bereich - ist die beste Armuts- und Gesundheitsprävention für die Menschen und eine gewinnbringende Investition für jede Stadt. Damit ist Bildungspolitik zugleich vorbeugende Sozial- und Gesundheitspolitik, Beschäftigungs-, Integrations- und die beste Stadtentwicklungspolitik.
Dass das Gelsenkirchener Modell der „Bildung und Erziehung von Anfang an", der lückenlosen Betreuungskette, auch Pate steht für zahlreiche Initiativen und Projekte von Kommunen, Land und Bund, freut uns sehr. Es zeigt, dass die Aufgabe eine gemeinsame sein muss. Und hier ist noch jede Menge zu tun. Bildung bleibt das Topthema der nächsten Jahre. Schließlich geht es darum, jedem Kind eine Chance, jedem Menschen eine gute Zukunft zu ermöglichen.
Glück auf!
Ihr
Frank Baranowski