14. Mai 2012, 11:38 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Über Kunst kann man streiten, stundenlang, tagelang. Aber nie mit einem für jeden zufriedenstellenden Resultat. Was dem einen zusagt, schätzt der andere nicht. Worauf sich alle einigen, das weckt selten Leidenschaft. Darum hat die Entscheidung, welches Kunstwerk die Bueraner Kulturmeile ergänzt, für rege Debatten gesorgt.
Unstrittig und sicher ist aber zunächst einmal dies: Der Umbau der Horster Straße, der zusehends näher an den Goldbergplatz heranrückt, wird den Zugang zur Bueraner Innenstadt deutlich attraktiver machen. Der Raum um unser städtisches Kunstmuseum, um die Schauburg und die Kunstwiese wird stärker akzentuiert und als Kulturmeile kenntlich gemacht.
In diesen Abschnitt soll sich künftig ein weiteres Kunstwerk einfügen: ein Tor mit einer geschmolzenen Quadriga. Mit dem Blobster, wie es der Künstler Gereon Krebber selbst ausgedrückt hat. Und da sich über Kunst trefflich diskutieren lässt, stehen nun einige Fragen im Raum: Hat die Jury mit ihrer Empfehlung für diesen Vorschlag die beste Wahl getroffen? War der Kulturausschuss gut beraten, sich dem anzuschließen? Oder anders gefragt: Wird Krebbers Blobster unsere Stadt dauerhaft schmücken und bereichern?
Auch das Musiktheater war nicht unumstritten
Eine abschließende Antwort lässt sich darauf nicht finden. Ob ein Kunstwerk den Menschen gefällt, ob es sie beeindruckt, und das nicht nur heute, sondern auch in zehn oder zwanzig oder fünfzig Jahren – das muss sich erst zeigen. Viele Kunstwerke haben anfangs Ablehnung hervorgerufen. Das gilt auch und gerade für die Kunstwerke im öffentlichen Raum unserer Stadt. Der Herkules im Nordsternpark ist trotz großer Skepsis in nur zwei Jahren zu einem Symbol für Gelsenkirchen und das Ruhrgebiet geworden. Ein bedeutendes Kunstwerk wie die Plastik von Norbert Kricke in der Vattmannstraße wurde anfangs nicht eben gemocht. Und selbst das Musiktheater, das unsere Stadt so stolz macht, diese Ikone der Bau- und der Kunstgeschichte – selbst das MiR war zunächst alles andere als unumstritten.
Heute können wir es uns kaum vorstellen, wie viel Mut in diesem Bau steckte. Gelsenkirchen war in den 1950er-Jahren eine reine Arbeiterstadt, kaum jemand besaß einen Fernseher, kaum jemand konnte ins Ausland reisen – es wäre nicht überraschend gewesen, wenn da ein konventioneller Bau entstanden wäre. Aber die Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchenern wollten sich nicht mit einem Standardgebäude zufrieden geben. Sie waren bereit, in ihrer Stadt ein atemberaubend modernes Musiktheater zu errichten. Und sie vergaben den Auftrag, die Wände des Foyers zu gestalten, an keine Berühmtheit, sondern an einen jungen, unbekannten Künstler aus Frankreich. Yves Klein ist dann auch wegen seiner Arbeit am Gelsenkirchener Musiktheater so bekannt geworden.
Kunst wirkt oft erst einmal fremd. Sie ist widerspenstig und folgt ihren eigenen Regeln. Sie bricht mit Wahrnehmungsmustern und irritiert den Betrachter. Das müssen wir zulassen, wenn wir uns überraschen und inspirieren lassen wollen. Und das Potenzial kann die geschmolzene Quadriga, kann der Blobster auch haben. Schauen wir mal!
Glück auf!
Ihr
Frank Baranowski