06. Juli 2012, 11:45 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Es ist ein lang ersehnter, schöner Moment, voll Vorfreude auf das Neue und dennoch selten frei von Wehmut: In diesen Wochen endet die Schulzeit von mehreren tausend jungen Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener. Zugleich beginnt damit ein neues Kapitel, mit zahllosen Chancen und Möglichkeiten.
Die Entscheidung, die mit dem Ende der Schulzeit verbunden ist, muss jede und jeder für sich selbst treffen: Trete ich schon jetzt in die Arbeitswelt ein oder besuche ich vorher noch eine weiterführende Schule oder Hochschule? Egal, wie Sie antworten: Unwägbarkeiten sind mit beiden Antworten verbunden. Deshalb ist vor allem wichtig, dass Sie diesen nächsten Schritt gehen - und dass Sie sich bei der Entscheidung nicht von falscher Bescheidenheit leiten lassen!
Denn oft ist mehr möglich, als man denkt. Zum Beispiel ein Studium, das für viele junge Leute in unserer Region - obwohl sie die Voraussetzungen dafür mitbringen - leider noch jenseits des Vorstellbaren liegt. Im Ruhrgebiet ist bis heute die Entscheidung für ein Studium nicht so selbstverständlich wie in klassischen Universitätsstädten, wo viele Eltern bereits studiert haben und es für ihre Kinder keine Frage ist, dass sie diesem Vorbild folgen. Bei uns muss sich eine solche Tradition erst noch entwickeln. Dabei haben wir in unseren Städten inzwischen eine sehr gute Bildungs-Infrastruktur: Seit mit der Ruhr-Uni in Bochum vor 50 Jahre die erste Hochschule im Ruhrgebiet gegründet wurde, ist hier eine einzigartige Vielfalt an Universitäten und Fachhochschulen entstanden.
Wir haben die Talente
Als Arbeiterkind weiß ich nur zu gut, welche Barrieren den Übergang an eine dieser Bildungseinrichtungen erschweren. Niemand erwartet von einem, dass man studieren geht - also traut man es sich zunächst selbst nicht zu, selbst wenn die Noten gut sind. Überhaupt wirkt eine Uni erst einmal fremd, groß und unübersichtlich. Nicht zuletzt muss ein Studium auch finanziert werden.
Diese Barrieren können jedoch überwunden werden. Am besten mit der Hilfe von Vorbildern, durch Ermutigung, sich diesen Schritt ins Unbekannte zu trauen, durch konkrete Unterstützung. Meiner Meinung nach könnten die deutschen Begabtenförderwerke im Ruhrgebiet noch ein gutes Stück aktiver werden. Denn während andernorts regelmäßig vor einem bald heraufziehenden Fachkräftemangel gewarnt wird, haben wir hier noch eine große Talentreserve an begabten Schülerinnen und Schülern!
Gelsenkirchener Erfolgsbiografien
In unserer Stadt arbeiten wir schon seit Jahren mit viel Ehrgeiz daran, dass immer mehr Gelsenkirchener Biografien zu Erfolgsbiografien werden. Mit unserer präventiven Bildungs- und Familienpolitik versuchen wir, allen Kindern die Chancen für eine erfolgreiche Bildungslaufbahn zu geben - was wiederum die beste Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben ist. Wir wenden uns mit unseren Angeboten insbesondere an die Kinder und Enkel von Migranten, damit sie während ihrer Schulzeit nicht aufgrund von sprachlichen Defiziten ins Hintertreffen geraten.
Es ist schön zu sehen, dass diese Anstrengungen immer häufiger Früchte tragen. Nun würde ich mich freuen, wenn möglichst viele junge Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener auch beherzt die nächsten Schritte gehen - sei es mit einem Studium, sei es mit einer guten Berufsausbildung. Vorher aber wünsche ich allen Schulabgängern erst einmal schöne Ferien - und nach dem Sommer einen guten Einstieg in die neue Lebensphase!
Glück auf!
Ihr
Frank Baranowski