19. Oktober 2012, 13:28 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Welche Bilder haben Sie vor Augen, wenn Sie an den Friedensnobelpreis 2012 denken? Bilder von Gipfeltreffen der Regierungschefs, von Brüsseler Bürotürmen? Nicht wirklich, oder? Mein Bild von Europa, von diesem einzigartigen Friedensprojekt, ist anders geprägt. Dazu gehören zum Beispiel Partnerschaften wie die unserer Stadt mit Olsztyn - deren Jubiläum wir jetzt feiern.
Eigentlich passt die Entscheidung des Nobelpreis-Komitees sehr gut dazu, dass wir in diesem Herbst das 20-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft mit dem polnischen Olsztyn begehen. Die Entscheidung aus Oslo macht deutlich, wie wertvoll und wenig selbstverständlich das gute Zusammenleben auf unserem Kontinent ist - und dazu leisten Städtebeziehungen einen großen Beitrag. Oft genug gehen sie den europapolitischen Institutionen sogar voraus: Unsere Partnerschaft mit Olsztyn wurde ja bereits zwölf Jahre vor dem EU-Beitritt Polens geknüpft.
Seit zwei Jahrzehnten treffen sich Gelsenkirchener und Olsztyner Bürgerinnen und Bürger unter dem Dach der Städtepartnerschaft. Es lernen sich Menschen kennen, die inzwischen zwar nicht mehr durch Grenzen voneinander getrennt sind, aber doch durch Entfernungen und sprachliche Barrieren. Beides lässt sich überwinden. So wichtig der politische Rahmen der Europäischen Union auch sein mag: Begegnungen - das gegenseitige Kennenlernen der kulturellen Unterschiede wie auch der oft überraschend großen Gemeinsamkeiten - sind durch nichts zu ersetzen.
Ein Europa der Städte - und viel Europa in unserer Stadt
Den Jahrestag der Partnerschaft haben die polnischen Gastgeber mit einer Gelsenkirchener Delegation im Olsztyner Schloss gefeiert. Außerdem waren auch Vertreter der Olsztyner Partnerstädte aus Frankreich, Russland und der Ukraine mit dabei, aus Chateauroux, Kaliningrad und Luzk. Ebenso hätten auch Repräsentanten unserer Partnerstädte Newcastle upon Tyne, Büyücekmeçe, Zenica, Schachty oder Cottbus mit dabei sein können. Und schon an der Nennung dieser wenigen Namen - die ja alle weitere Verbindungen eingegangen sind, die sich abermals verzweigen - wird spürbar: Es zieht sich ein großes, ein wunderbares Netz an Partnerschaften über unseren Kontinent und verbindet die Europäerinnen und Europäer.
Europa wird gelebt, in Städtepartnerschaften wie vor Ort. Das Zusammenleben in Gelsenkirchen spiegelt seit jeher die Vielfalt unseres Kontinents wider: Ein Ire, William Thomas Mulvany, hat britisches Bergbau-Wissen hierher gebracht und mehrere Zechen begründet. Arbeiter aus Schlesien, Masuren und Ostpreußen mit ihren Familien - viele von ihnen aus der Region um Olsztyn - haben unsere Stadt ganz wesentlich mit aufgebaut und groß gemacht. Zuwanderer aus Spanien, Portugal, Griechenland und der Türkei haben ebenfalls einen erheblichen Beitrag geleistet.
Die Entscheidung des Nobelpreis-Komitees mahnt die Europäer, in der Euro-Krise das Wesentliche nicht zu vergessen: Europa ist mehr als ein Währungsraum. Es ist der Kontinent, auf dem die EU-Bürger und ihre Nachbarn ihr Zusammenleben gestalten. Wir sollten uns auch jetzt nicht auseinander dividieren lassen und nicht die Neugier aufeinander verlieren!
Glück auf!
Ihr
Frank Baranowski