11. Oktober 2013, 12:36 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Wer ist eigentlich Gelsenkirchener? Einfache Frage, einfache Antwort: Alle, die hier leben. Und klar, auch jene, die weggezogen sind, sich aber der alten Heimat weiterhin verbunden fühlen – natürlich gehören auch sie mit dazu. Eher zweitrangig dafür ist hingegen – in meinen Augen – der Pass.
Dabei ist es ein bedeutender Schritt, sich bewusst für einen anderen Pass zu entscheiden. Im vergangenen Jahr haben 655 Menschen aus Gelsenkirchen das getan und die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen. Sie alle haben eine Entscheidung getroffen, die Respekt verlangt – eine Entscheidung, die niemand auf die leichte Schulter nimmt. Denn damit müssen die Betroffenen weitreichende Fragen beantworten: Gegenüber welchem Staat will ich alle Rechte haben, aber auch alle Pflichten wahrnehmen? Für wen stehe ich ein? Wer soll zu mir stehen?
Nicht wenige Gelsenkirchener mussten sich für diesen Schritt von ihrer bisherigen Staatsangehörigkeit verabschieden. Sie haben Rechte in ihren Heimatländern aufgegeben und sich möglicherweise auch Sorgen gemacht, dass sie sich von ihrer Familie entfernen. Ich kann gut verstehen, dass das schwerfällt. Dass man vor der Unterschrift dann doch lieber noch eine Nacht oder zwei oder drei darüber schläft…
Dass aber nun so viele Gelsenkirchener mit türkischen, arabischen, albanischen und äthiopischen Namen Deutsche geworden sind – das unterstreicht und stärkt die Vielfalt unserer Stadt. Und es schreibt eine Geschichte fort, die charakteristisch für unsere Stadt und unsere Region ist. Gelsenkirchen und das Ruhrgebiet sind ja durch Einwanderung entstanden. Ohne Zuwanderer aus Schlesien, Masuren und Ostpreußen wäre es nicht zu dem industriellen Herzen des Landes geworden. Viele Familien sind im Zuge dieser Wanderungsbewegung hergekommen, viele sind geblieben. Aus Einwanderern wurden schließlich Bürger.
Und so geht das weiter. Ein nicht immer einfacher, aber spannender Prozess: Menschen kommen nach Gelsenkirchen, verändern unsere Stadt und werden in unserer Stadt verändert. Ohne zu verlieren, was sie vorher waren und hatten, werden die einen möglicherweise zu Deutschen, während die anderen ihre Staatsangehörigkeit behalten. Sie alle aber – und das ist für mich das eigentlich Entscheidende – werden zu Gelsenkirchenern, egal welcher Nationalität.
Und so, wie Zugewanderte die Stadt in der Vergangenheit geprägt haben, so werden sie das auch künftig tun. Wir werden sie herzlich willkommen heißen und sie gleichzeitig mit den Regeln unseres offenen Miteinanders vertraut machen!
Glück auf!
Ihr
Frank Baranowski