30. April 2014, 13:21 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Eigentlich ist es eine Position, auf die wir uns alle verständigen können. Wenn sich jemand mit Fleiß, Beharrlichkeit und Geschick seiner Aufgabe widmet, Tag für Tag – dann muss dabei etwas Gutes herauskommen. Und dann muss das auch zu guten Bedingungen möglich sein. Oder etwa nicht?
„Gute Arbeit“ nennen die Gewerkschaften diesen, wie ich finde, sehr berechtigten Anspruch. Leider wird er im Alltag zu oft nicht eingelöst. Arbeitsplätze für alle, die arbeiten können und wollen; anständige Arbeitsbedingungen und -vergütungen für gute Arbeit – selbstverständlich ist beides nach wie vor nicht.
Derzeit weist am Gelsenkirchener Arbeitsmarkt zwar vieles in die richtige Richtung: Wir konnten in den zurückliegenden Jahren die Arbeitslosigkeit deutlich senken, von 25 auf 15 Prozent. Pro Jahr kommen unter dem Strich gut eintausend neue sozialversicherungspflichtige Stellen hinzu. Trotzdem sind wir noch lange nicht am Ziel. Wir haben auch in unserer Stadt zu viele Menschen, die arbeiten, aber im Gegenzug keine ausreichende Sicherheit erhalten – weil sie lediglich befristete Arbeitsverträge haben, weil sie unfreiwillig Werkverträge erfüllen, in Leiharbeit bei ungleicher Bezahlung tätig sind oder als Minijobber. Und ganz klar, die Zahl der Erwerbslosen ist trotz aller Erfolge noch immer zu hoch.
Wir stehen in Gelsenkirchen deshalb meiner Meinung nach vor mehreren Herausforderungen. Wir wollen weiterhin allen jungen Menschen in unserer Stadt die bestmögliche Ausbildung mit auf den Weg geben, damit sie rasch eine gute Beschäftigung finden. Und wir arbeiten hart dafür, den Bestand an Arbeitsplätzen in Gelsenkirchen zu sichern und ihn – soweit möglich – weiter auszubauen.
Eine besonders wichtige Aufgabe besteht darin, Langzeitarbeitslosigkeit aufzubrechen und abzubauen. Die verfestigte Form der Arbeitslosigkeit, eine Spätfolge des Strukturwandels, lässt sich kaum mehr durch Wirtschaftswachstum und neue Stellen abbauen. Auch die Arbeitsagentur und das Integrationscenter für Arbeit haben sie bislang mit ihren Instrumenten nicht reduzieren können. Obwohl wir in Gelsenkirchen da schon das Optimum leisten, wie uns Heinrich Alt vom Vorstand der Bundesagentur attestierte. Da frage ich mich schon, was von diesem Instrumentenkasten zu halten ist, wenn er kaum jemand aus Hartz IV heraus hilft…
Der Gelsenkirchener Appell zielte auf eine kreative Lösung ab: auf einen sozialen Arbeitsmarkt, der eine Tätigkeit an gemeinnützigen Stellen ermöglicht, verbunden mit Qualifizierungsmaßnahmen und einer persönlichen Ansprache der Betroffenen. Schließlich geht es nicht darum, Menschen in irgendeinen Job zu bringen – sondern darum, ihnen eine Perspektive zu schaffen. Es geht darum, Menschen wieder in die Lage zu versetzen, für sich zu sorgen und ihr Leben selbst steuern zu können. Auch Langzeitarbeitslose sollen langfristig wieder eine Chance auf gute Arbeit haben!
Arbeitsplätze sichern, Langzeitarbeitslosigkeit aufbrechen
Bisher haben wir bei Land und Bund noch keine große Unterstützung dafür bekommen. Aber ich verspreche allen, die sich für den Appell eingesetzt haben: Ich werde nicht nachlassen und den Appell wieder und wieder in Berlin und Düsseldorf ansprechen - und demnächst auch in Gelsenkirchen, wenn die Bundesministerin für Arbeit in unsere Stadt kommt!
Arbeit und die mit der Arbeit verbundenen Möglichkeiten, Anerkennung zu finden, spielen eine wichtige Rolle in unserem Leben. Deutlich hervorgehoben wird das alljährlich am 1. Mai, am Feiertag der Arbeit, denn dann stehen genau diese Themen im Fokus der Öffentlichkeit: die Würde der Arbeit und die berechtigten Ansprüche der arbeitenden Menschen. Schön zu sehen, dass diese Anliegen so viele Menschen in unserer Stadt auf die Straße bringen!
Glück auf!
Ihr
Frank Baranowski