02. Oktober 2014, 12:31 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Es stimmt schon, dotiert war der Preis nicht, kaufen können wir uns also wenig davon. Aber freuen und uns bestätigt fühlen, das dürfen wir. Denn wenn die Landesregierung noch laufende Arbeiten in Gelsenkirchen schon jetzt als gelungenes Beispiel für den Umbau von Innenstädten auszeichnet, und das unter 102 Wettbewerbsbeiträgen – dann ist das eine bemerkenswerte Anerkennung!
Unsere Stadt hat gerade, vielleicht haben Sie es mitbekommen, beim Wettbewerb „10 Jahre Stadtumbau in Nordrhein-Westfalen“ einen Preis für gleich zwei „vorbildliche Vorhaben“ erhalten. Beide Projekte, der abgeschlossene Umbau des Tossehofs und der noch laufende des Heinrich-König-Platzes, wurden und werden aus dem Förderprogramm „Stadtumbau West“ unterstützt. Jetzt lobte eine Fachjury, wie gut diese Fördermittel bei uns eingesetzt sind. „Gelsenkirchen zeigt“, so steht es auf der Urkunde, „wie man trotz enger kommunaler finanzieller Spielräume beispielhafte Planungsprozesse und städtebauliche Qualität erreichen kann.“
Schöne Worte, die mir auch deshalb so gut gefallen, weil hier ein Aufwand gewürdigt wird, der sonst kaum auffällt: Die Arbeit nämlich, die damit verbunden ist, dass wir diese großen Vorhaben im Dialog mit vielen Menschen durchführen – im ständigen Gespräch mit Eigentümern und Mietern, Gewerbetreibenden und Vereinen, mit allen betroffenen Bürgerinnen und Bürgern. Wir nehmen sämtliche Sorgen und Wünsche ernst, erst das macht Planungs- wie Umsetzungsprozesse beispielhaft.
Wir in Gelsenkirchen setzen uns für lebendige Zentren ein, obwohl das in einer Ruhrgebietsstadt ja bei weitem nicht so einfach ist wie in anderen Städten, die rund um ihren Marktplatz und ihre Kirche gewachsen sind und deshalb schon seit Jahrhunderten eine starke Mitte haben. Und wir tun das, obwohl wir wissen, dass andere Städte im Revier das Gegenteil tun und ihr Zentrum längst preisgegeben haben, weil sie ein Centro haben. Aber ich bin einfach davon überzeugt: Eine Stadt lebt von den Orten, an denen sich öffentliches Leben verdichtet, weil sich dort Menschen treffen, aus der Stadt selbst oder dem Umland, die dort zum Arbeiten, zum Ausgehen, zu Kulturveranstaltungen, zum Einkaufen und anderen Anlässen zusammenkommen. Diese Vielfalt macht Urbanität aus, und auf die wollen wir nicht verzichten!
Nun haben wir in Gelsenkirchen gleich zwei solche Zentren, und beide wollen wir stärken, die City im Süden wie die Buersche Innenstadt. Denn beide tragen ganz erheblich dazu bei, dass wir uns mit unserer Stadt identifizieren. Ortsmarken wie das Musiktheater im Revier, das Hans-Sachs-Haus oder die Altstadtkirche, das Rathaus Buer und Sankt Urbanus – sie prägen unser Bild von unserer Stadt und unserer Heimat.
Natürlich können wir in einer bipolaren Stadt nicht alles auf eine Karte setzen. Aber mit geduldiger Arbeit lässt sich einiges erreichen. Das können wir im Stadt-Norden sehen, wo inzwischen die Kulturmeile, die umgestaltete Domplatte und das Lindenkarree das Zentrum stärken. Der Leerstand des Hertie-Hauses ist dank engagierter Bürger und Kaufleute bald Geschichte, woran sich zeigt: Wenn einer anpackt, dann motiviert das andere, mitzumachen. Dass sich etwas erreichen lässt, erleben wir aber auch im Gelsenkirchener Süden, wo es uns gelungen ist, die Bahnhofsstraße spürbar zu beleben und das Stadtbild durch einheitliche Leuchten und Bänke und renovierte Fassaden attraktiver zu machen.
Der Umbau des Tossehofs hat das Wohnen in dieser Siedlung nahe zur City wieder reizvoller gemacht, der Umbau des Heinrich-König-Platzes und des Neumarktes wird uns erneut einen Schritt vorwärts bringen. Wenn wir dafür einen Preis bekommen, dann macht sich das vielleicht nicht sofort finanziell bemerkbar. Aber es bestätigt uns doch darin, dass wir nicht das Falsche tun. Und es macht Hoffnung, dass wir künftig an anderer Stelle mit dem Stadtumbau fortfahren können!
Ihr
Frank Baranowski