07. November 2014, 12:58 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Eine jährliche Routine, ein pflichtschuldiges Ritual? Klar, so kann man das schon mal sehen, zumindest wenn man schlechte Laune hat. Aber ich finde, wir können und dürfen es auch anders sehen. Vielleicht müssen wir es sogar: Die Kundgebung am 9. November war und ist einfach ein wichtiger Anlass, öffentlich für das einzustehen, was in unserer Stadt unverzichtbar ist!
Gerade in diesem Jahr ist das nötig, denn in diesem Jahr haben sich leider mehrere Dinge ereignet, die erneut die Bedeutung dieser Kundgebung unterstreichen. Wir haben Vorfälle und Entwicklungen erlebt, die uns allen auf eine unschöne Weise in Erinnerung rufen, dass das gute und friedliche Miteinander von Menschen doch nicht ganz so selbstverständlich ist, wie wir das oft meinen.
Dazu gehören vor allem die Kriege und Konflikte, die in diesem Herbst die abendlichen Nachrichten dominiert haben: die Auseinandersetzungen im Osten der Ukraine, zwischen der Hamas und dem Staat Israel, das Aufkommen des so genannten Islamischen Staates. Und das sind keine Nachrichten aus einer fernen Welt, sondern Nachrichten, die uns angehen – weil Flüchtlinge aus Syrien bei uns Schutz suchen; weil, so schwer es zu begreifen ist, junge Deutsche sich dem IS anschließen. Und weil in diesem Sommer in Gelsenkirchen eine Demonstration gegen den Gaza-Krieg in offenen und hässlichen Antisemitismus mündete, als Demonstranten die Synagoge der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen attackierten.
Ebenso unschön sind die Bilder, die wir vor kurzem aus Köln sehen mussten, als mehrere tausend rechte Schlägertypen grölend und randalierend durch die Innenstadt zogen. Auch wenn das Ganze vorgeblich ein Protest gegen gewaltbereite Islamisten sein sollte – es wurde doch sehr rasch deutlich, worum es tatsächlich ging: Unsere friedfertige Gesellschaft sollte herausgefordert werden.
In Köln wurde etwas versucht, was uns an die 1920er- und 1930er-Jahre erinnern muss: Durch gewaltbereites Auftreten wollen rechte Schläger andere Menschen einschüchtern und den öffentlichen Raum dominieren. Dagegen müssen wir uns wehren. Dagegen müssen wir eindeutig Position beziehen. Auch aufgrund dieser historischen Parallele war und ist der 9. November der richtige Tag, damit zu beginnen, denn Rassismus und Gewalt sollen in unserer Stadt und unserem Land nie wieder eine Chance haben.
Ihr
Frank Baranowski