16. Januar 2015, 10:25 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Wir sind Charlie: Millionen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion haben in den vergangenen Tagen in Paris und andernorts ihr Statement für ein tolerantes und friedliches Miteinander abgegeben – und eine starke Antwort auf die Anschläge geliefert. Das tat richtig gut, gerade auch nach den sehr befremdlichen Demonstrationen, die wir seit Wochen in unserem Land beobachten müssen.
Denn ich finde es ist schon beunruhigend, was sich da regelmäßig montags in Dresden abspielt und möglicherweise noch weiter ausbreitet. Da malen erwachsene Frauen und Männer für Europa das Schreckgespenst „Islamisierung“ an die Wand und protestieren gegen diese Fiktion. Da sind Leute durch die Ereignisse im Irak und in Syrien verunsichert und projizieren ihre Ängste auf Menschen, die schon lange friedlich in Deutschland leben, teilweise längst Deutsche sind oder gerade erst durch den IS aus ihrer Heimat vertrieben wurden.
Hinter diesen Kundgebungen stehen unschöne Ressentiments, keine Frage. Wobei wir auch wissen, dass die Parolen besonders dort ziehen, wo faktisch kaum Muslime anzutreffen sind. Mittlerweile weisen Studien nach: Vor dem Islam fürchten sich vor allem Leute, die wenig oder gar keinen persönlichen Kontakt zu Muslimen haben. Hingegen gibt es deutlich weniger oder überhaupt keine Vorbehalte, wo Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Geschichte gemeinsam in einer Stadt oder einer Nachbarschaft zusammenleben – so, wie wir es zum Beispiel bei uns im Ruhrgebiet schon lange praktizieren.
Die Attentäter von Paris wie auch die Wortführer der so genannten Pegida verbindet ein gemeinsamer Wunsch: Weil sie keine Vielfalt ertragen können, wollen sie unser friedfertiges Zusammenleben torpedieren. Und genau das dürfen wir alle, die wir in einer vielfältigen und kreativen, spannenden und solidarischen Gesellschaft leben und leben wollen, nicht zulassen!
Darum freut mich die besonnene Reaktion der Menschen in Paris auf die Anschläge. Darum finde ich es gut, dass es überall dort, wo die Dresdener Demonstration Ableger platzieren wollte, große Gegenkundgebungen gab und gibt. Und darum hatte ich kein Verständnis dafür, als ein Gericht es meinem Düsseldorfer Amtskollegen verbieten wollte, von der Internetseite seiner Stadt zur Teilnahme an den Gegenkundgebung aufzurufen. Nur gut, dass das Oberverwaltungsgericht diese Entscheidung schnell kassiert hat. Denn eine solche Entscheidung ließe sich nur schwerlich rechtfertigen, schließlich geht es um den respektvollen Umgang der Menschen in den Städten. Dieses Gut zu schützen, ist Aufgabe von uns allen, auch von Ihnen und mir. Denn auch 2015 gilt: Unsere Demokratie braucht wehrhafte Demokraten.
Ihr
Frank Baranowski