01. Juli 2019, 13:54 Uhr | Wissenschaftspark Gelsenkirchen
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55 Schüler*innen an der Hauptschule Emmastraße tauschten fünf Stunden Unterricht gegen Probearbeiten mit typischen Handwerksberufen
Mit großem Erfolg hat das zdi Netzwerk Gelsenkirchen ein neues Angebot für die Nachwuchsförderung im Handwerk erprobt. Die Premiere der "zdi-Handwerkstatt" an der Hauptschule Emmastraße in Gelsenkirchen-Bismarck fand jedenfalls großen Anklang - bei vielen Schülerinnen und Schülern ebenso wie bei den Handwerkspartnern, die nicht müde wurden, den Neuntklässlern über fünf Unterrichtsstunden lang am praktischen Gerät zu erklären, wie man typische Arbeiten in ihren jeweiligen Berufen fachgerecht ausführt. Die Hardware für das umfangreiche Werkstattprogramm hatte sich das zdi Netzwerk größtenteils in Münster geliehen, die Manpower kam aus Gelsenkirchen selbst.
"Der Nachwuchs im Handwerk wird knapper. Mit unseren Materialien wollen wir Handwerksbetrieben helfen, dass sie interessierten Jugendlichen praktisch zeigen können, auf welche Fähigkeiten es im jeweiligen Beruf ankommt. Ausprobieren ist besser als Reden, vor allem dann, wenn die Stationen durch Auszubildende betreut werden. Die bisherigen Erfahrungen mit diesem Konzept sind sehr positiv, deshalb freuen wir uns über die Initiative des zdi Netzwerks Gelsenkirchen, denn wir möchten solche Veranstaltungen gemeinsam mit vielen Partnern im gesamten Regierungsbezirk ermöglichen", sagt Carsten Haack, Abteilungsleiter Bildung und Recht bei der Handwerkskammer Münster.
Das zdi-Netzwerk hatte sich den Großteil des Equipments per Kleintransporter von Münster nach Gelsenkirchen geholt und - noch wichtiger - zwei engagierte Handwerksbetriebe aus Gelsenkirchen gefunden, die mit ihren Auszubildenden für die fachgerechte Erläuterung der Stationen sorgten. So konnten 55 Schülerinnen und Schüler der Hauptschule an den Stationen in zwei Klassenzimmern Arbeiten aus den Bereichen Elektro, Sanitär-Heizung-Klima, Zweirad-Mechatronik, Metallbau, Tischlerhandwerk und Zimmerei ausprobieren - ein Angebot, das die meisten Schülerinnen und Schüler auch gern nutzten. Außerdem hatte die RHZ Handwerkszentrum GmbH aus Gelsenkirchen zusätzlich eine siebte Station mit dem eigenen Werkstattwagen auf dem Schulhof aufgebaut. Dort ging es vor allem um das Berufsfeld der Kanaluntersuchung und-sanierung. „Das Interesse war groß. Die Jugendlichen haben besonders nach dem Ablauf der Ausbildung gefragt, aber auch nach Vergütung, Urlaub und Arbeitszeiten. Spannend war natürlich die vorgeführte Technik und die Möglichkeit, einmal selbst an eine so große Maschine Hand anzulegen", sagt Jochen Severin, RHZ-Fachbereichsleiter Kanaldienstleistungen.
Für die Bereiche Elektro und Sanitär hatte sich die Firma Elektro Gerhardt an der ersten zdi-Handwerkstatt beteiligt: "Die Aktion war richtig gut, das können wir öfter machen. Wir bekommen bereits viele Bewerbungen, deshalb suchen wir nicht händeringend nach Auszubildenden, aber wir wollen uns besser aufstellen und unsere Firma bekannter machen. Deshalb haben wir uns gefreut, dass doch der eine oder andere sich unsere Kontaktdaten aufgeschrieben oder abfotografiert hat", stellte Andre Steiner, Ausbildungsbeauftragter von Elektro Gerhardt in Gelsenkirchen, fest. Mit
professioneller Unterstützung von zwei Auszubildenden demonstrierte die Firma, wie Armaturen und Abflüsse an Waschtischen montiert oder fachgerecht Stromleitungen gelegt werden können. Auch die übrigen Stationen erforderten das berüchtigte handwerkliche Geschick. So mussten beispielweise nicht nur Fahrradvorderräder montiert werden, sondern diese auch mit neuen Bremszügen versehen werden. Auch das Montieren und Einstellen von Möbelscharnieren an der Station für das Tischlerhandwerk, oder die Montage von Strommasten und Konstruktionen an den Stationen Metallbau und Zimmerei stellte die Schüler vor Herausforderungen im Detail.
"Wir sind mit der Resonanz sehr zufrieden. Die Schülerinnen und Schüler haben trotz großer Hitze motiviert mitgemacht und auch die Handwerkspartner waren am Ende zuversichtlich, dass der eine oder die andere vielleicht später den Weg in ihren Betrieb finden wird", bilanziert Thorsten Balgar, zdi-Koordinator in Gelsenkirchen, die Premiere. Da schon weitere Schulen ihr Interesse an der zdi-Handwerkstatt angemeldet haben, wird derzeit überlegt, ob das Equipment noch einmal angeschafft werden kann, damit es vor Ort besser verfügbar ist. "Wenn wir weitere, engagierte Betriebe finden, die ihre Auszubildenden für einen Projekttag in den Schulen freistellen, sollten weitere zdi-Handwerkstätten in Gelsenkirchen möglich sein", sagt Balgar.
Interessenten an zukünftigen zdi-Handwerkstätten, Schulen wie Betriebe, werden gebeten sich bei Thorsten Balgar zu melden unter Telefon 0209.167-1010 oder balgar@wipage.de.