06. Dezember 2016, 14:35 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Rede von Oberbürgermeister Frank Baranowski
- Es gilt das gesprochene Wort -
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe aktive und engagierte Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener,
seien Sie ganz herzlich willkommen – nun, zwar nicht im Wunderland, aber dafür doch an einem ebenfalls sehr interessanten Ort, der Sie vielleicht ja auch ab und an überrascht – in unserem Hans-Sachs-Haus! Ich freue mich sehr, Sie zu unserem Gelsenkirchener Empfang am Tag des Ehrenamts begrüßen zu dürfen – zu einer Veranstaltung, die zu einer schönen Tradition geworden ist in unserer Stadt. So muss man das sagen, denn wir feiern ja heute bereits zum zehnten Mal in dieser Form den Tag des Ehrenamtes; zudem vergeben wir heute auch zum zehnten Mal den Gelsenkirchener Ehrenamtspreis.
Und damit nicht genug, es gibt noch ein drittes Jubiläum: Auch unsere Gelsenkirchener Ehrenamtsagentur feiert ihren ersten runden Geburtstag. Wir blicken auf ein erstes Jahrzehnt der Unterstützung und Förderung des Ehrenamtes in Gelsenkirchen zurück. Auf ein Jahrzehnt, in dem aus einer Idee eine Institution wurde, die kaum noch wegzudenken ist; die in unserer Stadt Menschen und Bedarfe zusammenführt; die Menschen die Chance gibt, wichtige Dinge zu tun und wertvolle Erfahrungen zu machen; die soziale, gemeinnützige und kulturelle Einrichtungen unterstützt. Darum möchte ich an dieser Stelle allen ganz herzlich gratulieren, die sich in diesem ersten Jahrzehnt für unsere Ehrenamtsagentur engagiert haben – und für dieses Engagement möchte ich auch „Danke!“ sagen!
Meine Damen und Herren,
wie sich das für eine Jubiläumsveranstaltung gehört, feiern wir den Tag des Ehrenamtes in einem besonderen Jahr. Warum ich das so einschätze, muss ich Ihnen vermutlich nicht groß erklären. Das haben Sie alle mitbekommen. Sie haben es selbst erlebt. Und nicht nur das: Sie haben es selbst möglich gemacht, Sie ganz persönlich, mit Ihrem Einsatz und mit Ihrem Engagement. Und weil Sie, meine Damen und Herren, das getan haben, dürfen wir heute eines festhalten: Das Ehrenamt macht in diesem Jubiläumsjahr eine richtig gute Figur. Und dazu hat es sogar noch einmal einen neuen Aufbruch erlebt, es hat noch einmal eine ganz neue Sichtbarkeit gewonnen! Und das ist nun wirklich ein Anlass zum Feiern!
Natürlich war es schon vorher so, dass nicht unbekannt war, was Menschen in dieser Gesellschaft alles unentgeltlich bewerkstelligen – in ihrer Nachbarschaft, im Sport- oder Musikverein, für alle, die eine helfende Hand benötigen. Aber ein bisschen war es wohl trotzdem so, dass man das als gegeben hinnahm. Was funktioniert, ist ja leider in unserer Gesellschaft sehr oft kein großes Thema mehr – ich persönlich finde das etwas schade. Und es ist der Grund, warum die Stadt stets in der Vorweihnachtszeit zu diesem Empfang einlädt.
In den zurückliegenden Monaten ist dann allerdings doch etwas passiert. Es sind ein paar unterschiedliche und sehr wirkmächtige Dinge zusammengekommen. Vielleicht kann man es so zusammenfassen: Erstens gab und gibt es in ganz Deutschland wie auch in unserer Stadt schon länger ein starkes Engagement für das Thema Integration – dafür, das Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen Lebenswegen und Hintergründen zu gestalten; dafür, Neuankommenden in Gelsenkirchen die Hand zu reichen und ihnen den Start hier zu erleichtern. Darauf aufbauend entwickelte sich zweitens mit der Ankunft so vieler geflüchteter Frauen und Männer, Kinder und Jugendlicher eine ganz neue Bewegung, eine echte Bürgerbewegung. Und drittens wurde diese Bewegung von den Medien endlich wahrgenommen, sie galt nicht mehr als selbstverständlich oder wurde mit „Ja, auch interessant…“ abgetan. Und das hat wiederum diese Bürgerbewegung verstärkt.
So kam es, dass das Ehrenamt wieder zu einem Anlass zum Staunen wurde. Ein Anlass auch, bewegt und stolz zu sein. Ich persönlich war das in den zurückliegenden eineinhalb Jahren immer wieder, wenn ich gesehen habe, wie viele Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener ihre Heimat zu einer sicheren und guten Zuflucht für vertriebene Menschen gemacht haben. Wie sehr Sie sich, meine Damen und Herren, zum Gestalter einer bunten, friedfertigen, bewegten Stadtgesellschaft gemacht haben!
Was Sie geleistet haben – die langjährig Engagierten wie auch die neu Engagierten – das war ein großartiges Ausrufezeichen. Das war ein großartiges Ausrufezeichen für Menschlichkeit, für Toleranz, für das Miteinander in der pluralen Gesellschaft. Und es war ein wunderbares Ausrufezeichen für eine sehr alte und sehr schöne Tugend, die wir alle schätzen und von Zeit zu Zeit brauchen – für die Tugend der Gastfreundschaft.
Gastfreundschaft ist oft ein Geschenk für beide Seiten. Sie beschenkt den Gast wie den Gastgeber. Denn so anspruchsvoll und fordernd die Arbeit von und mit Menschen anderer Herkunft und Sprache auch sein mag, so bietet sie doch auch viel von dem, was das Ehrenamt gerade so spannend und lohnend macht – nämlich den intensiven Austausch mit Menschen, das Geben und Nehmen, das Lernen voneinander. Menschen mit andern Lebenswegen und Geschichten bringen einen kulturellen Schatz mit, der unserer Stadtgesellschaft neue Facetten hinzufügt. Inzwischen gibt es in Gelsenkirchen beispielsweise etwas, um nur ein ganz kleines und im Gesamtbild eher unbedeutendes zu nennen, es gibt inzwischen etwas, das wir nie hatten: eine Kricketmannschaft. Und es ist auch kein Zufall, dass wir in diesem Jahr einen so bunten und musikalisch vielfältigen Empfang ausrichten können.
Meine Damen und Herren,
wir feiern heute all jene, die sich für das Motto des diesjährigen Ehrenamtstages einsetzen: „Integration gemeinsam leben.“ Wir tun das in einer Phase, in der weltweit viele gegen das friedliche Zusammenleben von unterschiedlichen Menschen agitieren. Wo viele offen daraufhin arbeiten, dass unsere Gesellschaften nicht zusammenhalten, sondern auseinanderbrechen sollen. Bei aller vorweihnachtlicher Stimmung dürfen und können wir nicht ausblenden: Es gibt Gegenkräfte. Denen müssen wir uns entgegen stellen.
Auf der anderen Seite gibt es viel zu gewinnen. Wir stehen in Gelsenkirchen ebenso wie in vielen andern Orten in Deutschland gerade vor einem sehr wichtigen Moment. Die Phase der Flüchtlingsaufnahme und –unterbringung ist abgeschlossen, zumindest fürs Erste. Wir haben dieses Kapitel sehr gut gemeistert. Wir befinden uns längst schon der neuen Phase, und das benennt ja das Thema des Ehrenamtstages sehr präzise: Es geht um Integration, um das gemeinsame Leben, gemeinsam mit den Neuangekommenen mit Bleibeperspektive. Es geht um das Zusammenleben von neuen Nachbarn. Da haben Staat und Verwaltung zwar eine Rolle, aber im Zusammenleben gibt es Dinge, die kann die öffentliche Hand nicht leisten. Da zählen die so genannten weichen Faktoren, da braucht es das bürgerschaftliche Engagement, da braucht es den Einsatz von aktiven und selbstbewussten Bürgerinnen und Bürgern, die ihren Beitrag zur Gestaltung ihres Gemeinwesens leisten. Ja, es wird auch künftig sehr auf Sie, meine Damen und Herren, ankommen. Und ja, da steht uns weiter eine spannende Zeit bevor. Aber die Erfahrungen der vergangenen Monate geben mir doch das Gefühl, dass wir uns da keine Sorgen machen müssen – und genau dafür möchte ich Ihnen an dieser Stelle noch einmal mein ganz herzliches „Danke schön!“ aussprechen. Ich freue mich, auch in Zukunft auf Sie zählen zu dürfen!
Glück auf!