01. Dezember 2016, 08:00 Uhr | Stadtbibliothek Gelsenkirchen
Enthält: Quartette für Klavier und Streichtrio Nr. 1-2
Interpreten: Daniel Gaede (Violine), Hariolf Schlichtig (Viola), Peter Bruns (Violoncello), Oliver Triendl (Klavier)
Katalogtitel: Quartette Vl Va Vc Kl
1 CD, 2008
STF 11 Juo
Zentralbibliothek
Kurzbiographie
Juon war der Sohn des Versicherungsangestellten Theodor Friedrich Juon (* 1842), sein Grossvater war als Zuckerbäcker aus Masein, Graubünden, nach Russland gekommen. Sein Bruder war der Maler Konstantin Juon. Paul Juon studierte am Moskauer Konservatorium bei Jan Hřímalý, Sergei Iwanowitsch Tanejew und Anton Stepanowitsch Arenski sowie in Berlin bei Woldemar Bargiel. Dort erhielt er 1896 den Mendelssohn-Preis für Komposition. Von 1896 bis 1897 unterrichtete er Musiktheorie und Violine am Konservatorium von Baku, danach kehrte er nach Berlin zurück, wo er 1906 von Joseph Joachim als Kompositionsprofessor an die Hochschule für Musik berufen wurde. Zu seinen Schülern zählen Hans Chemin-Petit, Werner Richard Heymann, Nikos Skalkottas, Henry Jolles, Pantscho Wladigerow, Philipp Jarnach, Heinrich Kaminski, Lauri Ikonen, Max Trapp, Yrjö Kilpinen, Gerhart von Westerman, Hans Moltkau, Giannis Konstantinidis, Wilhelm Guttmann, Stefan Wolpe und Marc-André Souchay. Seit 1934 lebte er in der Schweiz.
Stil
Juon komponierte in einem eigenständigen spätromantischen Stil vier Sinfonien, ein Ballett, ein Klavier- und drei Violinkonzerte, weitere Stücke für Violine und Orchester, Épisodes concertants für Violine, Cello, Klavier und Orchester, kammermusikalische Werke, Sonaten für verschiedene Instrumente und Lieder. Juons Musik ist nicht leicht eingehend, sondern formell anspruchsvoll durchgearbeitet. Er verwendete oft russische oder auch nordische Themen und prägte sie durch formale Mittel zur Kunstmusik um. Dabei behielt er jedoch den Klang der nationalen Musik bei. Des Weiteren verwendete er seltene Taktarten, und der häufig erfolgende Wechsel der Taktvorzeichnungen ist eine Besonderheit all seiner Kompositionen.
Seit 1995 liegt sein Nachlass in der Bibliothèque cantonale et universitaire von Lausanne vor. 1998 wurde die Internationale Juon Gesellschaft gegründet.
Paul Juon hat Anfang des 20. Jahrhunderts (ca. 1908, Ausgabe Simrock, Leipzig) auch mindestens eine Orchestrierung einer Fremdkomposition geschaffen. Er bearbeitete die Klavierfassung des 4. Tanzes aus den Ungarischen Tänzen von Johannes Brahms zum Orchesterwerk. (Wikipedia)
Zum Inhalt
Paul Juon gehört zu den Unbekannten seines Fachs. „Das fehlende Glied zwischen Tschaikowsky und Strawinsky“ – so bezeichnete ein zeitgenössischer Kritiker den spätromantischen Komponisten, der in Moskau als Kind einer Schweizer Familie geboren wurde, sich später aber mit seinem brillanten Konservatoriumsdiplom 1894 nach Berlin wendet, um bei Clara Schumanns Halbbruder Waldemar Bargiel zu studieren. 1907 wird er von dem durchaus wählerischen Joseph Joachim als ordentlicher Professor an die Berliner Musikhochschule berufen. Die Domäne von Paul Juon war – neben Orchesterwerken, Klavier- und Vokalmusik – die Kammermusik. Das erste Klavierquartett unter dem Titel „Rhapsodie“ stammt aus dem Jahr seiner Berufung an die Hochschule und es liegen ihm - wie einer ganzen Reihe von Juons Werken dieser Zeit – Anregungen und Bilder aus Selma Lagerlöfs phantasievollem Roman „Gösta Berling“ zugrunde. Das Klavierquartett Nr. 2 op. 50 entstand 1912 als Hommage an seine ein Jahr zuvor verstorbene Frau Katharina. In diesem eigenwilligen Werk, das im übrigen schon von Wilhelm Altmann als der Höhepunkt des Juonschen Schaffens gepriesen wurde, sind alle wesentlichen Charakteristika von Juons Kompositionsstil auf hohem handwerklichen Niveau vereint: die Vorliebe für unregelmäßige Rhythmen, eine kühne Harmonik und ein unverkennbarer russischer Volkston in der Melodik. (jpc)
Pressestimmen
„Die Musik Paul Juons ist ebenso faszinierend wie unbekannt. Die vier Interpreten entfalten in diesen Werken eine enorme Klangpracht. Ihr Vortrag ist sehr kraftvoll, präzise und dennoch absolut mitreißend. Schwungvoll und knackig hauchen sie Juons Musik neues Leben ein. Genau so sollten unbekannte Stücke dem Publikum vorgestellt werden! Dazu kommt eine gelungene Klangtechnik, die zum uneingeschränkten Hörvergnügen beiträgt. Auch das Beiheft ist recht informativ und gut zu lesen." (klassik.com)
„Die Musiker interpretieren mitreißend, farbig und von ungebremstem Engagement hoch motiviert." (Ensemble)