02. Juli 2012, 09:25 Uhr | Stadtbibliothek Gelsenkirchen
2011
Das ist zunächst völlig unspektakulär und beinahe alltäglich. „Nader und Simin", so auch der Titel des Films, sitzen vor dem Scheidungsrichter, weil Simin ihr zukünftiges Leben im Ausland verbringen möchte. Nader, ihr Mann, will aber das Land nicht verlassen, zumal er sich um seinen demenzkranken Vater kümmern will. Die Frage ist vor allem: Was wird aus der Tochter?
Die Brisanz des Filmes entsteht in erster Linie durch seinen Schauplatz: Es ist der Iran der Gegenwart, der in diesem beeindruckenden Film mit seinen politischen, sozialen, familiären und religiösen Problemen und Ehrbegriffen eine unsichtbare, aber ständig präsente Hauptrolle spielt. Dabei bleibt der Film völlig nah und lebensecht an seinen zahlreichen Figuren, denen er glaubhafte Konturen verleiht, so dass man fast meint, man schaue einem Dokumentarfilm über ein exemplarisches Familienleben in einem Land zu, das wir nur noch aus den Weltnachrichten kennen. Und das Schauspieler-Ensemble trägt dazu bei, dass dieser Film, der ohne Action-Sequenzen auskommt, ungemein fesselt. Dass der Film zu den besten Produktionen des vergangenen Jahres gehörte, beweist die Fülle an Auszeichnungen, mit der er fast überschüttet wurde. Ein packendes Gesellschaftsbild aus einem fremden Land!
DVD-Film Nad
Zentralbibliothek, Stadtteilbibliothek Buer