01. Mai 2016, 08:00 Uhr | Stadtbibliothek Gelsenkirchen
Enthält: Konzert für Klavier und Orchester op. 12 c-moll / Poëme symphonique op. 37 / Fantaisie-Ballet op. 6 / Scherzo-Caprice op. 25 (Katalogtitel: Pierné, Gabriel: Werke Kl Orch)
Interpreten: Ronald Corp (Dirigent)/Stephen Coombs (Klavier)/BBC Scottish Symphony Orchestra
1 CD, 2003
STG 10 PIE
Zentralbibliothek
Kurzbiographie:
Pierné studierte am Conservatoire de Paris bei Antoine François Marmontel, Albert Lavignac, Émile Durand, César Franck und Jules Massenet. Er gewann 1882 den Prix de Rome mit der Kantate „Edith“ und wirkte danach von 1890 bis 1898 als Organist an Ste Clotilde und von 1903 bis 1932 als Dirigent und Leiter der Concerts Colonne. Er komponierte sechs Opern, mehrere Ballette und Pantomimen, Oratorien, Orchester- und kammermusikalische Werke sowie Stücke für Orgel, Harfe und Klavier. (Wikipedia)
CD-Information:
Wenn man bedenkt, welch kolossale Erfolge Pierné zu seinen Lebzeiten feierte, so scheint es sehr verwunderlich, dass praktisch alle seine Werke nach seinem Tod in völlige Vergessenheit gerieten. War sein Œuvre möglicherweise zu groß, oder waren seine Werke – aufgrund ihrer hohen Anzahl – nicht genügend individuell? Einige Forscher, so zum Beispiel Laurence Davies in seinem Buch „César Franck and his Circle“, haben die Vermutung angestellt, dass die Vernachlässigung seines Œuvre dadurch erklärt werden könne, dass das Publikum nicht bereit war, sich auf seine Musik einzulassen und dass „er mit seinen anspruchsvollen Kompositionen auf Widerstand stieß, jedoch mit aller Ernsthaftigkeit als Lieferant von unterhaltsamen musikalischen Bonbons geachtet wurde“. Zudem wird sich sein Tod kurz vor dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1937 auf seine Sache kaum förderlich ausgewirkt haben. Es ist ebenso möglich, dass gerade die Erfolge, die er zu seinen Lebzeiten hatte, nach seinem Tod gegen ihn gehalten wurden. Pierné war im Großen und Ganzen eher konservativ als rebellisch gesinnt und achtete stets darauf, wichtige Kontakte zu pflegen. Das völlige Ausbleiben einer Reaktion seinerseits auf die Krawalle bei den „Concerts Colonne“ im Jahre 1904 illustriert Piernés Aufmerksamkeit, was die allgemeine Tagesstimmung anbelangt. Die Anhänger der neuen Opernästhetik besuchten alle Konzerte und unterbrachen jegliche Aufführungen von Solokonzerten und ähnlichen Werke mit Pfiffen und Buhrufen. Dieser Boykott war für viele Werke fatal und die Konzertveranstalter lehnten es aus Angst vor diesen Störungen immer mehr ab, neue Solokonzerte von Widor und Massenet, die daraufhin kaum noch aufgeführt wurden. Vor diesem Hintergrund ist es kaum überraschend, dass das „Poëme symphonique“, das im Jahr zuvor entstanden war, sein letztes Werk für Klavier und Orchester sein sollte.
Pierné war zweifellos talentiert – seine stärksten Werke gehören zu den besten Kompositionen seiner Generation – jedoch wendete sich seine steile Karriere, um die er sich so bemüht hatte, schließlich gegen ihn. Seine Errungenschaften schienen ihm (zu) einfach zugeflogen zu sein – und die Öffentlichkeit hat der Kunst ohne Leiden schon immer misstraut.“ (Stephen Coombs im Beiheft)