23. März 2016, 21:18 Uhr | Feuerwehr Gelsenkirchen
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Rettung einer verunfallten Person aus einer Fensterputzergondel - so lautet am 21. März das Übungsszenario für die Höhenretter am Nordsternturm. Dafür seilten sich die Höhenrettungsspezialisten der Feuerwehr Gelsenkirchen aus über 80 Metern Höhe in eine Gondel zu einer verunfallten jungen Frau, der Auszubildenden von Vivawest Lisa Heckner, ab. Diese wollte eigentlich nur ein Interview mit den Höhenrettern führen, fand sich aber plötzlich als "Unfallopfer" im Mittellpunkt der Übung wieder. Gut gesichert wurde die junge Frau aus schwindelerregender Höhe abgeseilt und gerettet. Wieder festen Boden unter den Füßen führte Lisa Kestner dann das interview mit Höhenretter Samy Harrathi:
In welchen Situationen wird die Höhenrettung alarmiert?
Unser Einsatzgebiet ist breit gefächert. Von der Rettung abgestürzter oder suizidaler Personen bis hin zu technischer Hilfestellung an Strommasten oder großen Schachtbauwerken, wie auch bei der Beförderung überschwerer Personen. Alles was sich unterhalb der Erdoberfläche oder mindestens 22 Meter darüber abspielt, ist Spezialgebiet des Höhenrettungsteams.
Wie läuft eine Höhenrettung in der Regel ab?
Wir als Höhenrettungsteam werden alarmiert und ein Team von mindestens drei Mann rückt sofort aus. Da wir nicht nur im Gelsenkirchener Stadtgebiet aktiv sind, sondern auch in den umliegenden Städten und Kreisen, kann es vorkommen, dass wir eine lange Anreisezeit und -strecke haben, bis wir am Einsatzort angelangt sind. Nachdem wir geprüft haben, wie das Problem am besten zu lösen ist oder der Person am schnellsten geholfen werden kann, geht es sofort an die Arbeit.
Wie oft kommt es vor, dass der Höhenrettungsdienst gebraucht wird?
Im Jahr werden wir als Spezialisten 15 bis 20 Mal alarmiert.
Welche war Ihre spektakulärste Höhenrettung?
Einer der schwierigsten Einsätze war die Rettung eines verunglückten Arbeiters auf einem Strommast. Der Mann musste nicht nur aus einer Höhe von 25 Metern sicher auf den Boden zurückgebracht werden, sondern auch in Anbetracht seiner Verletzungen eine möglichst gute Erstversorgung erhalten. Da alle Höhenretter auch ausgebildete Rettungsassistenten sind, wurde auch dieser Einsatz erfolgreich beendet.
Wie wird man Teil des Höhenrettungsteams?
Zuerst muss man eine Ausbildung zum Feuerwehrmann absolvieren. Diese dauert 18 Monaten. Schwindelfreiheit ist natürlich Grundvoraussetzung. Außerdem sollte man sich sicher sein, den physischen und psychischen Belastungen standhalten zu können. Ist dies der Fall, nimmt man an mehreren Fortbildungen und einem dreiwöchigen Sonderlehrgang teil.
Wie und wie oft werden die verschiedenen Rettungsaktionen geübt?
Jeder Höhenretter muss jährlich 72 Übungsstunden absolvieren. Wir sind drei Teams und trainieren jeden Donnerstag. Uns stehen diverse Übungsobjekte zur Verfügung, wie z.B. die Schalke-Arena, Kühltürme, Werbemasten und Windräder. Sehr oft trainieren wir auch an der Kletterwand hier im Nordsternpark.
Angenommen, es müsste eine Höhenrettung am Nordsternturm durchgeführt werden: Würde es Besonderheiten oder Schwierigkeiten geben?
Eine Besonderheit ist natürlich die Höhe von 90 Metern. Bei solch hohen Anlagen spielt die Witterung eine bedeutende Rolle. Orkanartige Windböen oder Starkregen würden uns die Arbeit natürlich erschweren. Je nach Seite könnte auch der Ausstieg zum Problem werden. An der Westseite ist die Anbringung unserer Seilsysteme wie auch das Abseilen beispielsweise komplizierter als auf den anderen Seiten.
Gibt es ein Erlebnis aus Ihrer Zeit als Höhenretter, das Sie besonders bewegt hat?
Ein bestimmtes Erlebnis gibt es nicht. Für mich ist allein das regelmäßige Üben mit meinen Kollegen sehr besonders. Wir sind wie eine kleine Familie und verbringen sehr viel Zeit miteinander.