02. Februar 2016, 09:23 Uhr | Stadtbibliothek Gelsenkirchen
Schöne neue Welt rebootet.
In dem dystopischen Roman Der Circle von Dave Eggers fängt die Protagonistin Mae gerade einen Job in einem Firmenkonglomerat an, das eine Fusion von Apple, Facebook, Twitter und Google sein könnte. Der Circle, so nennt sich das Unternehmen, hat Mae zur Kundenbetreuung eingestellt. Natürlich mit Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb des Unternehmens zur Motivationssteigerung. Und die Firma scheint wirklich den Traumjob zu bieten, mit netten Kollegen, interessanten Aufgaben und obendrein noch tollen Freizeitangeboten und einer gestellten Wohnung. Da ist es doch ganz selbstverständlich, dass jene Firma Daten erhebt, zum Beispiel über die Arbeitsleistung. Schließlich dient dies auch zur Selbstkontrolle. Es wird doch gearbeitet, um sich selbst jeden Tag ein wenig zu verbessern – zu optimieren. Während Mae geneigten LeserInnen zu Beginn noch enthusiastisch und eventuell kritischen Geistern vielleicht auch ein wenig zu naiv daher kommt, ist das Buch mit dieser Art von Figur und natürlich der Thematik, ganz dem Zeitgeist entsprungen. Jeder Lesende wird doch schon mal den Satz gehört haben: „Meine Daten kann jeder haben, ich habe nichts zu verbergen.“ Mit Slogans wie „Teilen ist Heilen“ und „Alles Private ist Diebstahl“ scheint Circle auch sehr innovativ und kollegial, schon fast familiär zu sein. Aber wo ist die Grenze? Darf die Arbeitsstelle wissen, was man isst? Wann man schläft? Da könnte sie doch schließlich unterstützend mitwirken für eine gesunde Lebensweise. Der Schritt solcherart Informationen nicht nur von Mitarbeitern, sondern auch von seinen Kunden zu erheben scheint da nicht mehr sonderlich groß. Am einfachsten gelingt dies, wenn jeder Person nur noch eine Identität im Netz zur Verfügung steht. So lassen sich alle Vorgänge Im Internet jedem eindeutig zuordnen. Denn man hat doch nichts zu verbergen, oder?!
Henning Mismahl
ZB EGG
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