01. März 2013, 09:33 Uhr | Stadtbibliothek Gelsenkirchen
2012
1857 entkam ein bengalischer Tiger der Charles Jamrach Menagerie in London und schnappte sich einen 8jährigen Jungen, den er mit sich zog, bis Jamrach den Tiger angriff.
Diese wahre Begebenheit nahm Carol Birch als Grundlage für einen fesselnden, spannenden und teilweise grausigen Roman, den sie um diesen Jungen erfand. Der Tiger ist nämlich nur der Anfang der Geschichte des Jaffy Brown. Kaum der hoffnungslosesten, stinkenden Ecke Londons entkommen, trifft der Junge auf besagten Tiger, den er für eine große Katze hält. Furchtlos berührt er ihn an der Nase, was ihm natürlich Bewunderung und Aufmerksamkeit einbringt.
Als Junge, der gut mit Tieren umgehen kann, findet er bald Anstellung bei Jamrach, bis er eines Tages eine Expedition begleitet und auf einem Walfänger anheuert. Mit anderen Männern zusammen soll er einen Drachen fangen, eine seltene Echse, wie sie in der Südsee vorkommt...
Carol Birch beschreibt sowohl das London des 19. Jahrhunderts, als auch das Leben auf den Walfangschiffen so lebendig und so glaubhaft, dass es einem manchmal den Atem verschlägt. Ausdrucksvoll lässt sie ihre Leser das damalige Treiben in den Häfen und Spelunken miterleben, beschreibt sie den Walfang und den Umgang sowohl mit exotischen Tieren als auch der Menschen untereinander. Dabei sind ihre Schilderungen eindringlich und teilweise regelrecht beschwörend, so dass man sich ihrem Stil kaum entziehen kann. Das kann besonders bei den Ereignissen auf hoher See auch sehr drastisch werden. „Der Atem der Welt“ ist kein Wohlfühlroman, im Gegenteil. Jedoch habe ich selten derartig gute Situationsbeschreibungen gelesen und die Autorin hat die Atmosphäre der damaligen Zeit perfekt eingefangen.
Iris Jockschat
eBib
Zentralbibliothek, Stadtteilbibliothek Buer